Mehr Zeit für Kinder
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Kita-Kinder in der Motzener Straße: Betreuung von 6 bis 21 Uhr Foto: promo |
Vor dreieinhalb Stunden war Luca noch ganz allein in der Kaengoo-Kita in Marienfelde. Seine Mutter hat ihn schon um sechs hergebracht. Jetzt ist es halb zehn und der Zweijährige bastelt mit fünf anderen Kleinkindern Papierdrachen. Die sechs sind in der Krippen-Gruppe im Erdgeschoss. Ein Stockwerk höher spielen die älteren Kinder.
Die Kaengoo-Kita ist ein Traum für alle Eltern – und für deren Arbeitgeber: Sie hat jeden Tag von 6 bis 21 Uhr geöffnet. Die Eltern können die Kinder bringen, wann sie wollen, passend zu ihren Arbeitszeiten. Kitaleiter Uwe Steinkritzer-Leu hat sein Telefon immer in der Brusttasche. Die Eltern können jederzeit Bescheid sagen, dass sie ihr Kind später abholen. Die Erzieherinnen arbeiten in zwei Schichten, um 14 Uhr ist Ablösung. Ziehen die Kinder zu einem Ausflug los, bleibt immer jemand in dem Haus an der Blohmstraße, um Nachzügler zu betreuen. Selbst Heiligabend und Silvester ist halbtags geöffnet, Ferien gibt es nicht.
Mit einer Kita wollen wir die jungen Mütter im Unternehmen halten
Entstanden ist die Kita auf Initiative des Unternehmensnetzwerks Motzener Straße, einem Interessenverbund von rund 50 Firmen in Marienfelde. Als Ort fand sich die ehemalige Kantine der Geyer Werke. Die Kaengoo gGmbH, eine gemeinnützige Gesellschaft, die bereits eine Kita in Charlottenburg betreibt, fungiert als Träger. Beim Umbau und der Einrichtung der Räume haben die Firmen mit Geld- und Sachspenden wie Linoleum und Lampen geholfen. Insgesamt habe man „einen sechsstelligen Betrag“ ausgegeben. Für den laufenden Betrieb zahlen die Unternehmen nichts. Die Kita finanziert sich über die staatlichen Kita-Gutscheine. Für Sonderleistungen wie die langen Öffnungszeiten wird den Eltern ein Extra-Beitrag von 65 Euro berechnet.
Im März wurde eröffnet, mit Bewegungsraum, Atelier, Musikbereich und fünf Gruppenräumen – große helle Zimmer, die noch etwas leer wirken, die meisten mit einer asymmetrisch geschwungenen Empore aus hellem Holz in einer Ecke. „Das ist unser Wikingerschiff“, erklärt der vierjährige Jannek stolz. „Da schießen wir mit Kanonen andere Schiffe ab.“
Es sei ein langwieriger Prozess, eine Kita zu planen, sagt Stefan Romberg. Er leitet die Puk-Werke in Neukölln, die Kabeltrassen produzieren. Die Firma gehört zum Unternehmensnetzwerk Neukölln-Südring. Romberg will dort eine Kita einrichten. Noch sucht er passende Räume: „Das ist in einem Industriegebiet schwierig.“ Trägerunternehmen könnten bei der Standortsuche helfen, sagt Kita-Leiter Steinkritzer-Leu. Sie kennen die strengen Auflagen der Behörden.
Auch die Fröbel-Gruppe betreibt Kitas in Kooperation mit Unternehmenszusammenschlüssen, zum Beispiel die Fröbel-Kita in Tiergarten. Die Eltern der Kinder arbeiten für die Großkonzerne Sanofi Aventis, Tollcollect, Pfizer, Daimler Financial Services am Potsdamer Platz. „100 Plätze hatten wir geplant, ab Januar kommen noch 60 dazu“, sagt Uwe Ottenbreit, der bei Fröbel zuständig ist für Unternehmenskooperationen.
17 000 Euro koste es, einen neuen Kita-Platz für ein Kind einzurichten. Das zahlt die gemeinnützige Fröbel gGmbH mithilfe von Fördermitteln vom Land und der EU. Die Firmen übernehmen 20 Prozent der laufenden Kosten. Das deckt Extras wie den Englisch-Unterricht durch Muttersprachler und die langen Betreuungszeiten.
Vom Bundesfamilienministerium gibt es Zuschüsse für reine Betriebskitas. Anders als die Unternehmensnetzwerk-Kitas sind sie meist nicht für andere Kinder offen. Die Firma braucht keine freien Träger, muss aber alle Kosten selbst tragen.
Die Kaengoo-Kita in Marienfelde sucht noch Kinder
Ansprechpartner:
Uwe Steinkritzer-Leu
Adresse: Blohmstr. 37,
12307 Berlin
Telefon: 030 / 70 17 65 11
Web: www.kaengoo.de
Fröbel Service GmbH
Ansprechpartner: Uwe Ottenbreit
Adresse: Alexanderstraße 9,
10178 Berlin
Telefon: 030 / 21 23 50
Internet: www.froebel-gruppe.de
Uwe Ottenbreit glaubt, dass sich immer mehr Unternehmen für die Kinderbetreuung ihrer Angestellten verantwortlich fühlten. „Das Thema ist inzwischen von größter Bedeutung“, sagt auch Thomas Letz, zuständig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei der IHK Berlin. Kinderbetreuungsmöglichkeiten seien schließlich auch ein Anreiz für gute Fachkräfte. So sieht es auch Stefan Romberg vom Unternehmensnetz Neukölln-Südring: „Wir wollen die jungen Mütter im Unternehmen halten.“
In der Kaengoo-Kita in Marienfelde sind inzwischen 34 Kinder angemeldet. Das sind „weniger als erwartet“, sagt Steinkritzer-Leu. 60 Plätze gibt es, ab 55 Kindern trage sich die Einrichtung für die Kaengoo gGmbH. Aber der Leiter ist zuversichtlich: „2010 schaffen wir das.“ Pro Monat hätten sie „mindestens eine Neuaufnahme.“
Daniela Martens
Aus der Ausgabe 10 / 2009
