Firmen droht Nachzahlung
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Kundenakquise: Viele Firmen kurbeln auf dem Golfplatz ihre Geschäfte an. Foto: afp |
Golfen boomt, auch in der Krise. Der elegante Sport ist längst nicht mehr den oberen Zehntausend vorbehalten. Mehr Golfplätze und günstigeres Equipment haben zu seiner Verbreitung in allen Bevölkerungsschichten beigetragen. Auch viele Unternehmen haben den Golfsport für sich entdeckt – als hervorragende Spielwiese für Kundenpflege und Akquise. Denn auf dem Grün lassen sich gute Geschäfte machen. Das haben in den vergangenen Jahren vor allem Autohändler festgestellt: Die krisengebeutelte Branche richtet bundesweit Golfturniere im Amateurbereich aus. Hersteller wie BMW oder Mercedes haben sogar eigene internationale Turnierserien.
Zielgruppe sind vor allem potenzielle Käufer von Luxuskarossen, mit denen die Händler am Rande der Sportveranstaltungen Kontakt knüpfen können. Doch auch Mittelständler oder Immobilienmakler schwingen mit ihren Kunden die Eisen, auch in Berlin. Damit könnte bald Schluss sein. Denn ein Urteil des Bundesfinanzhofs (AZ: X B 123/08) hat jetzt klargestellt: Die Kosten für Firmenturniere, bei denen in erster Linie Kunden geworben werden sollen, sind keine steuerlich abzugsfähigen Betriebsausgaben. Und das Urteil gilt rückwirkend – für alle Steuererklärungen, bei denen die fünfjährige Verjährungsfrist nicht abgelaufen ist.
Für die Unternehmen ist das Urteil sehr ärgerlich und mitunter enorm kostspielig
„Klar, für die Unternehmen ist das sehr ärgerlich und mitunter enorm kostspielig“, sagt Annette Bettker, Steuerberaterin bei Ecovis und begeisterte Golferin. Vielen Firmen drohten jetzt erhebliche Nachzahlungen, sagt die Expertin. Die Münchener Richter beriefen sich in ihrem Urteilsspruch auf eine altbekannte, aber in der Praxis häufig übersehene Rechtsprechung zum Einkommensteuergesetz. Demnach gilt für Zwecke der sportlichen Betätigung, der Unterhaltung von Geschäftsfreunden, der Freizeitgestaltung oder Repräsentation ein strenges Abzugsverbot. Darunter fallen Golfturniere ebenso wie Ausgaben für Jagd, Fischerei, Segel- und Motorjachten.
Firmen, die in den vergangenen fünf Jahren die entsprechenden Kosten für Golfturniere als steuerliche Betriebsausgaben verbucht haben, müssen jetzt mit einer Steuernachzahlung rechnen. Annette Bettker hat für die betroffenen Unternehmen einen Tipp parat - sie rät zur Selbstanzeige beim Finanzamt. Denn: „Wenn erst die Betriebsprüfung dahinter kommt, droht womöglich der Vorwurf der Steuerhinterziehung.“ Da sei es in jedem Fall besser, die Flucht nach vorn anzutreten. Bereits eingereichte Steuererklärungen könnten ohne Probleme korrigiert werden.
Das Unternehmen sucht derzeit Rechtsanwälte
Geschäftsführende Partner:
Wolfgang Grieger und
Ferdinand Rüchardt
Adresse: Ernst-Reuter-Platz 10,
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Umsatz: k. A.
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Web: www.ecovis.com
Bettlers Kollege, Michael Sabisch, spielt auch Golf. „Die Firmen werden auch ohne Steuervorteil weiter Turniere veranstalten“, prognostiziert er. „Diese Events sind einfach zu wichtig fürs Image und die Kundenpflege.“ Ins gleiche Horn stößt Michael Liebhold, Geschäftsführer des Berliner Golfclubs Wannsee. Auf dem weitläufigen Gelände des Vereins veranstalten unter anderem Coca-Cola und BMW eigene Turniere. Aber auch Banken und Versicherungen treffen sich mit Kunden zum sportlichen Wettkampf – und danach auf einen Drink im Clubhaus. „Ich glaube nicht, dass das jetzt weniger wird“, sagt Liebhold. „Bisher können wir den Firmen gar nicht so viele Termine anbieten, wie wir Anfragen haben.“ Auch die Wirtschaftskrise sei in dem exklusiven Club kein Thema. „Ich habe das Gefühl, die Leute investieren im Moment eher in eine gute Golfausrüstung als in ein Aktienpaket.“ Auf Nachfrage von Berlin maximal bestätigten dann auch verschiedene Berliner Autohändler, an ihren Firmenturnieren zunächst festhalten zu wollen.
Ein Firmenturnier im Golfclub Wannsee lassen sich die Unternehmen laut Liebhold gut und gerne 20 000 bis 30 000 Euro kosten. Nur für Platzmiete und Verpflegung, versteht sich, Sachpreise oder Preisgelder nicht mitgerechnet. Steuerberaterin Annette Bettker schätzt, dass sich auf einem weniger prominenten Platz kleinere Firmenturniere bereits für 5000 Euro veranstalten lassen. Das könnte sich gerade für mittelständische Unternehmen, die auf das Akquisetool Golfturnier nicht verzichten möchten, auch weiterhin bezahlt machen. Laut Steuerberater Michael Sabisch lassen sich bei solchen Turnieren auch auf legale Art und Weise weiterhin Steuern sparen lassen. „Ein Teil der entstehenden Kosten kann zum Beispiel über Sponsoring aufgefangen werden. Wenn das turnierveranstaltende Unternehmen auf dem Golfplatz für längere Zeit eine Werbefläche mietet, kann das als abzugsfähige Sponsoringmaßnahme deklariert werden.“ Viele Anlagenbetreiber kämen den Firmen dann bei der Platzmiete und bei den Kosten für das Catering deutlich entgegen. Dann können auch in Zukunft zwischen Abschlag und Putting Green gute Geschäfte gemacht werden.
Adrian Pickshaus
Aus der Ausgabe 11 / 2009

