Hilfe zur Selbsthilfe

Unternehmen nehmen oft die Dienste eines Förderungsberaters in Anspruch. Vorher sollten sie sich über den Anbieter informieren
Angerichtet: Berater können Restaurantgründern beim Förderantrag helfen.
Foto: Thilo Rückeis

Ob für den Scharnier-Fabrikanten, der sein Geschäft in Polen ausbaut, den Geschäftsmann, der ein Restaurant eröffnet, oder den Bauunternehmer, der emissionsarme Nutzfahrzeuge kauft – das Feld der Fördermöglichkeiten ist weit. Viele Unternehmen nutzen daher die Dienste eines Beraters, um den richtigen Fördertopf für ihr Projekt zu finden und den Antrag so abzugeben, dass er weder wegen Formfehlern noch wegen Unvollständigkeit abgelehnt werden kann.

Förderungsberater ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Die meisten Anwaltskanzleien bieten eine solche Beratung an, ebenso Betriebswirte oder Selbstständige, die eine Schulung zum Thema absolviert haben. Nach Schätzungen der KfW-Bankengruppe gibt es rund 100 000 Berater in Deutschland. In der Beraterbörse der KfW sind mehr als 20 000 Berater gelistet. „Sie werden aufgenommen, wenn sie mindestens drei positive Referenzen und eine fachliche Qualifizierung nachweisen können“, sagt KfW-Sprecher Wolfram Schweickhardt. „Anschließend überprüfen wir stichprobenartig. Aber bei dieser Menge von Einträgen ist nicht auszuschließen, dass sich vorübergehend schwarze Schafe mit falschen Angaben einschleichen.“

Sonst kann es sein, dass am Ende nur einer Geld bekommt, nämlich der Berater

Dennoch: Eine Beratung lohnt sich laut der Bankengruppe. Zum einen gehe es mit Berater meist schneller, zum anderen werde das Förderprodukt gezielter ausgesucht, so Schweickhardt: „Berater helfen auch, die Frage zu beantworten, wieviel Geld ich wirklich brauche.“ Gerade Gründer würden zuweilen zu wenig Hilfe beantragen, was später Liquiditätsprobleme nach sich ziehe.

Aber wie findet man einen guten Berater? Michael Kraack, Geschäftsführer der Berliner Organisationsberatung Emcra, rät Kunden, beim Berater Referenzen einzufordern. „Sonst kann es sein, dass am Ende nur einer Geld bekommt, nämlich der Berater.“ Auch dem Versprechen einiger Anbieter, Fördergeld sei leicht zu bekommen, sollte man misstrauen: „Europäische Förderanträge sind arbeitsintensiv.“ Bei EU-Anträgen mit einem Volumen von einigen Millionen Euro seien mindestens sechs Monate Vorbereitungszeit einzuplanen, sagt Kraack.

Seine Firma berät seit 2002 Unternehmen über EU-Fördermöglichkeiten. Den Hauptumsatz macht Emcra mit Schulungen zum Thema Förderanträge. Auf dem Beratermarkt wünscht sich Kraack mehr Kontrolle. Betrieben rät er auch, sich einen Berater zu suchen, der sich auf einen Förderungsbereich spezialisiert hat.

Firmeninfo
| CIB Creations in Business |
Geschäftsführerin/Inhaberin:
Inke Lührs
Adresse: Haubachstraße 9,
10585 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 3
Telefon: 030 / 34 54 01 08
Web: www.cib-berlin.de

Das tut Inke Lührs. Die Inhaberin von Creations in Business in Charlottenburg berät seit zehn Jahren Unternehmen aus der Gastronomiebranche. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe buchen ihre Dienste. Zu Unternehmensberatung gehört bei Lührs immer auch eine Übersicht über mögliche Fördertöpfe. „Am komplexesten sind die Förderkredite der Investitionsbank Berlin“, so ihre Einschätzung. Und je mehr Dinge bedacht werden müssten, umso mehr Formfehler könnten passieren. In jüngster Zeit registriert Lührs vermehrt Existenzgründungsanfragen, was wohl auch eine Auswirkung der Krise ist. Das Gute für diese Kunden: Gründungsberatung kann ebenfalls gefördert werden.

Bei PNO in Leipzig werden in erster Linie Unternehmen zur Förderung im Bereich Forschung, Einwicklung und Innovation beraten. „Aber eigentlich machen wir alles“, sagt Niederlassungsleiterin Annemarie Reiche. Das Leipziger Büro gehört zu einem Förderungsspezialisten mit Sitz in den Niederlanden, der europaweit 500 Personen beschäftigt. Von Leipzig aus betreut die Niederlassung auch Unternehmen in Berlin und Brandenburg. Je nach Grad der Vorbereitung eines Unternehmens und Komplexität des Antrages, so Reiche, könne eine Beratung von zwei Wochen bis zu sechs Monaten dauern.

Wie der Beratermarkt an sich sind die Honorare nicht reguliert. „Gute Leistung sollte man angemessen bezahlen“, sagt Reiche  und verweist auf branchenübliche acht bis 15 Prozent der erlangten Fördersumme. Bei der KfW gibt Sprecher Schweickhardt 800 Euro Tagessatz als gutes gehobenes Mittel an. „Förderchancen lassen sich gut einschätzen, aber eine Erfolgsgarantie gibt es nicht“, warnt Michael Kraack.

Constance Frey


Aus der Ausgabe 3 / 2010

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