Das Beste für Bello
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Hundetagesstätte Amicanis: Die Firmengründerin hat eine lukrative Marktlücke gefunden. Foto: promo |
Das hier ist etwas für den gehobenen Hund: Laminatfußboden in Holzoptik, Wandfarben in frischem Gelb und Rot, Kronleuchter an den Decken, Sitzbänke mit Decken und Kauspielzeug in allen erdenklichen Formen. Hinter einem kleinen Zäunchen in der Mitte des Raumes wuseln die Besucher der Hundetagesstätte „Amicanis“ schon morgens um zehn Uhr wild durcheinander.
Da gibt es eine Labradorhündin, die mit einem bunten Stoffball kämpft, zwei Kurzhaardackel, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen, und einen Mischling, der gerade abgegeben wurde und sich zum Spielen in die Meute stürzt. Die Hundetagesstätte „Amicanis“ gibt es seit Januar, und Inhaberin Nadja Kopp bewies mit ihrer Idee, eine Tagesbetreuung für Hunde direkt in der Stadt anzubieten, den richtigen Riecher. Schnell sprach sich im Kiez und in den Medien herum, dass es dieses bislang einzigartige Angebot in Berlin gibt. Schon 89 Hundebesitzer sind bei ihr als Kunden registriert. „Der Umsatz steigt im Moment noch konstant“, sagt die 24-jährige Hundetrainerin.
Adresse: Gasteiner Straße 3
10717 Berlin
Mitarbeiter: 2
Telefon: 030 | 53 15 82 92
Web: www.amicanis.de
Dreimal am Tag bieten Nadja Kopp und ihre zwei Kolleginnen Gassitouren im Grunewald an. Wer seinen Hund vorbeibringt, kann die Betreuung mit und ohne Spaziergang buchen. Je nachdem, wie lange der Hund bleibt und wie groß er ist, berechnet sich der Preis. So kostet etwa eine Stunde Betreuung für einen kleinen Hund drei Euro, für einen großen 3,90 Euro. Eine 12-Stunden-Betreuung mit zwei eineinhalbstündigen Gassitouren kostet zwischen 33 und 42,90 Euro. Sowohl Rentner aus der Umgebung, die nicht mehr gut zu Fuß sind, als auch Berufstätige bringen ihren Hund zu Amicanis.
Für viele Berliner sind Hunde die engsten Vertrauten in der Anonymität der Metropole, und Herrchen und Frauchen sind gern bereit, in das Wohlergehen ihres besten Freundes zu investieren. Daraus hat sich mittlerweile ein beachtlicher Wirtschaftszweig entwickelt, der sich um alles kümmert, was Bello, Fiffi und Co. und vor allem deren Besitzer glücklich macht. Und wer sich mit einer neuen Geschäftsidee auf den Hundemarkt wagt wie Nadja Kopp, hat gute Chancen, zu bestehen.
Die Nachfrage wächst weiter. Das passt zum demografischen Wandel
Sucht man auf den Gelben Seiten nach dem Stichwort „Hund“, erscheinen für Berlin mehr als 200 Einträge: Hundefrisöre, -feinkost, -mode, -zubehör, -ausgehservice, -pension und vieles mehr. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin sind 78 Unternehmen registriert, die sich unter dem Oberbegriff „Tierbedarf“ zusammenfassen lassen. „Die Nachfrage wächst weiter“, glaubt Bernhard Schodrowski, IHK-Sprecher. Dabei sei zu beobachten, dass das Angebot immer spezieller und professioneller werde. Auch der Kreis der Leute, die bereit sind, für ihren Vierbeiner etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wächst. „Das passt zum demografischen Wandel“, sagt Schodrowksi. Viele ältere Menschen halten sich einen Hund als sozialen Kontakt, und ihre Zahl steigt an. Doch auch junge Menschen, die berufstätig sind, nehmen in der Großstadt Dienstleistungen in Anspruch, die ihrem Liebling das Leben verschönern.
In Prenzlauer Berg hat sich Christina Sieber 2007 mit ihrem Geschäft „Hauptstadthund“ auf den Markt gewagt. In ihrem Laden bietet sie Zubehör, Hundefutter und sogar Hundefotografie an. „Die Leute achten mehr darauf, was sie kaufen, als früher“, sagt die Inhaberin. Der Laden ist geschmackvoll, modern und minimalistisch eingerichtet, er passt zum Trendbezirk. Das Geschäft läuft gut, allerdings, so schränkt Sieber ein, dürfe man die Größe des Kundenkreises auch nicht überschätzen: „Es sind immer noch nur etwa zehn Prozent der Hundebesitzer, die hier einkaufen statt im Supermarkt.“ Dass es in Zukunft mehr werden, davon ist aber auch sie überzeugt.
Ulrike Thiele
ulrike.thiele@tagesspiegel.de
Aus der Ausgabe 6 / 2011
