Termin mit Ohrensessel

Wenn man Büros mit Wohlfühlatmosphäre einrichtet, entsteht Business-Ambiente. Berlin Maximal hat drei Unternehmer gefragt, was das konkret bedeutet
Bei Club Office kann man in blauen Ohrensesseln konferieren und Ideen an die Wand schreiben. Foto: promo

Ob Hotel, Geschäfts-Lounge am Flughafen oder Gemeinschaftsbüro, viele werben mit ihrem „Business-Ambiente“. Das erste Wort klingt nach Arbeit, das zweite nach Wohnzimmer. Passt das zusammen? Und wenn ja – wie schafft man diese Mischung?

Der erste Teil der Wortschöpfung steht für Funktionalität und Ergonomie der Arbeitsräume. Marc Tügel, Chefredakteur des Magazins „Business Traveller“, hat in einer Jury Deutschlands beste Business-Hotels gekürt. Dabei geht es auch um den „Business-Faktor“. Der Begriff, erklärt Tügel, beschreibe Bedingungen vom Schallschutz bis zur Wartezeitenminimierung bei Dienstleistungen, die „ein ungestörtes und effizientes Arbeiten ermöglichen“. Doch seit etwa fünf Jahren kann Tügel an Befragungen ablesen, dass diese harten Fakten noch keinen Arbeitsplatz mit Ambiente machen: „Ein Tagungsraum sollte selbstverständlich mit allen technischen Möglichkeiten ausgestattet sein, der Betreuer, der während der gesamten Veranstaltung für alle Eventualitäten zur Verfügung steht, ist aber mindestens genauso wichtig“.

Einfacher als mit einer neuen Wandfarbe geht es gar nicht

Wie man Business im Wortsinne einen Wohlfühlanstrich gibt, wissen die Raumausstatter Beatrice und Andreas Tonsor. Sie haben Hotels, Banken, Botschaften und Ministerien mit kleinen Mitteln neues Leben eingehaucht. „Einfacher als mit einer neuen Wandfarbe geht es gar nicht“, sagt Andreas Tonsor. Seine Schwester betont, der individuelle Charakter eines jeden Unternehmens solle sich in der Raumgestaltung widerspiegeln. Zuletzt haben sie das in ihren eigenen Geschäftsräumen ausprobiert: Ein veränderter Fassadenanstrich ziehe plötzlich neue Interessenten in das Geschäft, die vorher jahrelang vorbeigingen, eine offenere Möblierung habe sofort die Kommunikation zwischen Beratern und Kunden angeregt, und die Arbeit mache in den neuen Farben auch mehr Spaß, so die Geschäftsführer.

Ein Beweis dafür, dass ein bisschen Ambiente im Business Wunder wirken kann.

Firmeninfo
| Business Traveller Perry Publications GmbH |
Geschäftsführer: Marc Tügel,
Christian Buck
Schulstraße 34 | 80634 München
Mitarbeiter: 13
Telefon: 089 | 130 14 32-0
Web: www.businesstraveller.de

Gebrüder Tonsor
Geschäftsführer: Beatrice und
Andreas Tonsor
Kantstraße 34 | 10625 Berlin
Mitarbeiter: 9
Telefon: 030 | 312 50 91
Web: www.tonsor.de

Club Office Standort Berlin
Geschäftsführer: Robert Pfadt
Bundesallee 171 | 10715 Berlin
Mitarbeiter: 12
Telefon: 030 | 200 03 50 00
Web: www.club-office.com

Ähnliches kann man im Co-Working Space Club Office beobachten, der auf rund 24 000 Quadratmetern Büro- und Tagungsräume tageweise oder dauerhaft zur Miete anbietet. Vom Billardtisch in der Lobby bis zu den Konferenzräumen, in denen „Tagungstiger“ Gummibärchen, eine Kreativ-Box mit Lego und Knete und statt Stühlen auch mal samtblaue Ohrensessel auf die Geschäftsleute warten, gilt hier die Maxime „Business as unusual“. So formuliert es Robert Pfadt, einer der vier Gründer von Club Office. Bis auf zwei insolvent gegangene Unternehmen sind noch alle Kunden der ersten Stunde da. Büroeinrichtung von der Stange sei nie in Frage gekommen, erzählt Pfadt, die sei „nur weiß oder grau, einfach hässlich“ gewesen. Und so legten die Gründer selbst Hand an. Mit Teppich beklebte, bepflanzte Regale auf Rollen fungieren als verschiebbare Raumteiler, Schallisolierung und Luftauffrischer in einem, Sofas wurden auf die selbst getestete perfekte Sitzhöhe aufgebockt, die rustikalen Holztische im Restaurant sind Marke Eigenbau. Die Wände können dank Spezialfarbe mit Stiften beschrieben und wieder abgewischt werden, was von den Kunden dankbar angenommen wird: „Manchmal wird alles bis unter die Decke vollgekritzelt“, lacht Pfadt. Die Steifheit der Geschäftswelt sei der Grund gewesen, warum er von der Hotellerie in die Selbstständigkeit wechselte. Bei Club Office könne er Ideen verwirklichen und gleichzeitig den Kunden eine zwanglose Arbeitsatmosphäre bieten.

Tügel, Pfadt und die Geschwister Tonsor sind sich einig: Business und Ambiente ergänzen sich gut. Menschlicher Kontakt statt Technikwüste, Maßgeschneidertes statt Massenware und Mut zur Farbe statt Einheitsbrei können Business mit Wohnzimmeratmosphäre liefern.

Christina Horst
redaktion@berlin-maximal.de


Aus der Ausabe 11 / 2011

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