Kluge Kinokonzepte

Mit der Kurbel schließt wieder eines der Berliner Traditionskinos. Doch es gibt auch erfolgreiche Konzepte, die zeigen, dass man jenseits der Multiplexe Lichtspielhäuser betreiben kann, die sich rechnen
Die Kurbel macht dicht: Vorbei, verweht, nie wieder Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Das Traditionskino Die Kubel stand schon mehrfach vor dem Aus. Nun naht definitiv das Ende: Am 21. Dezember wird ein letztes Mal „Vom Winde verweht“ über die Leinwand flimmern, dann ist endgültig Schluss. Theaterleiter Tom Zielinski möchte sich nicht genau dazu äußern. „Wirtschaftliche Gründe“ hätten zu der Entscheidung geführt. Der Eigentümer werde dort im Zuge der Sanierung Wohnungen und Ladengeschäfte entstehen lassen.

Ein Kino kann nicht den Umsatz erreichen, den man beispielsweise mit einem Markengeschäft erzielen kann, sagt Georg Kloster, Betreiber der Yorck-Kinogruppe. Das hätte man schon beobachten können, als die erste Welle des Kinosterbens in den 90er Jahren den Ku’damm erfasste und Lichtspielhäuser wie das Gloria, der Royal Palast oder das Marmorhaus dichtmachten. Kloster hat damals einige Kinos vor der Schließung gerettet, aber nur solche, „die nicht in attraktiven Einkaufsstraßen liegen“. Denn das Kinogewerbe könne sich normale Mieten nicht erlauben. Er betreibt heute mit 14 Kinos ein mittelständisches Kinoimperium – mit klarem Konzept: „Der Schwerpunkt liegt auf Filmkunst.“ Zudem war er einer der ersten, der Filme im Original zeigte, 1985 im Odeon. „Das lief von Anfang an sehr gut“, erinnert sich Kloster, „und ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Angebot die Nachfrage stimuliert.“ Im Moment ist er dabei, sein Rabattsystem umzustellen. Die alte Stempelkarte wird durch die neue Yorck-Karte ersetzt. „Es war mit 15 Prozent einfach ein zu großzügiges Rabattsystem“, so Kloster, „da machten die Verleiher nicht mehr mit.“ Denn die erhalten die Hälfte des Eintrittspreises. Zudem lassen sich nun die E-Mail-Adressen der Besucher erfassen, um damit eine stärkere Kundenbindung zu erreichen. Hans-Joachim Flebbe, der wie Kloster seine Kinobetreiberkarriere in den 70er Jahren begann, gründete Ende der 80er Jahre die Firma Cinemaxx, die in den darauf folgenden Jahren 40 Multiplexe in Deutschland aufbaute. 1998 ging Cinemaxx an die Börse, zwei Jahre später kam die Kinokrise. 2008 stieg Flebbe schließlich bei Cinemaxx aus – und entschied sich für einen anderen Weg: Alte, unter Denkmalschutz stehende Kinos mit Aufwand zu restaurieren.

Ein Kinobesuch ist wie ein schönes Essen, das man sich ab
und zu leistet


Mit der Astor Filmlounge, die im übrigen auch nur aufgrund der Hinterhoflage am Ku’damm überleben konnte, hat er das (fast) ideale Kino verwirklicht. Große Leinwand, beste Technik, bequeme Sessel mit Lederwürfeln zum Beine hochlegen, Begrüßungsdrink, Garderobe und Gastronomie am Platz. Und das Konzept geht auf: „Es ist so, wie wenn man schön essen geht, etwas Besonderes, das man sich leistet“, sagt Flebbe und spricht damit eine Zielgruppe ab 40 an. Die sind gerne bereit, dafür 14 Euro zu zahlen – das rechnet sich. Doch bei allem Komfort ist immer noch die Auswahl der Filme entscheidend. „Ist mal kein geeigneter dabei, spürt man das unmittelbar an den Besucherzahlen.“ Er sucht meist Filme zwischen Mainstream und Kunst – keinesfalls Actionfilme.

Adressen
| Astor FilmLounge |
Geschäftsführer: Hans-Joachim Flebbe
Kurfürstendamm 225 | 10719 Berlin
Telefon: 030 | 883 85 51
Web: www.yorck.de

Bundesplatz Kino
Geschäftsführer: Karlheinz Opitz,
Martin Erlenmaier, Peter Latta
Bundesplatz 14 | 10715 Berlin
Telefon: 030 | 85 40 60 85
Web: www.bundesplatz-kino.de

Eva-Lichtspiele
Geschäftsführer: Karlheinz Opitz
Blissestraße 18 | 10713 Berlin
Telefon: 030 | 92 25 53 05
Web: www.eva-lichtspiele.de

yorck Kinogruppe GmbH
Geschäftsführer: Georg Kloster
Rankestraße 31 | 10789 Berlin
Telefon: 030 | 212 98 00
Web: www.yorck.de

Die sucht man in den Eva-Lichtspielen ebenfalls vergebens. Und Luxussitze braucht Betreiber Karlheinz Opitz auch nicht. Vor fünf Jahren hat er das Kino übernommen. Der Vorbetreiber hatte bereits eine kleine Reihe mit 30er-Jahre-Filmen im Programm, die er ausbaute. Mit Erfolg. Immer montags und mittwochs kommt ein vornehmlich älteres Publikum und trifft sich schon vor der Vorstellung zu Kaffee und Kuchen. Bevor der Film beginnt, hält Martin Erlenmaier eine historische Einführung: „Es gibt ein Stammpublikum, doch es kommen auch immer wieder neue Besucher dazu“, sagt er, „aber wir sind kein Nostalgieverein.“ Schließlich laufen auch aktuelle Filme. Doch er liebt ­Filmgeschichte. Opitz und Erlenmaier haben vor kurzem zusammen mit Peter Latta, der 20 Jahre in der Deutschen Kinemathek gearbeitet hat und zudem über gastronomische Erfahrung verfügt, das Bundesplatz-Kino übernommen. Dort haben sie das bisher ungenutzte Foyer zum Café umgestaltet, in dem sich die Leute vor und nach dem Film begegnen können. Ein Kino mit „Wohlfühlcharakter“, wie Opitz es nennt. Hier etabliert das Trio gerade eine Reihe mit 50er-Jahre-Filmen. Und die Besucherzahlen der ersten Wochen stimmen.

Heike Gläser


Aus der Ausgabe 12 / 1 / 2012

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