Gemeinsam produktiver

Es gibt 30 so genannte Coworking Spaces in Berlin. Die alternativen Großraumbüros bieten vor allem Freiberuflern und Selbstständigen einen Arbeitsplatz. Auch Firmen nutzen das Modell
Zusammen ist man weniger allein: ein Raum im Club Office Foto: promo

Till Klampäckel gehört in Berlin zu den Coworkern der ersten Stunde. Der 30-Jährige arbeitet als selbstständiger Programmierer. Als er sich 2007 nach einem Arbeitsplatz umschaute, entdeckte er Coworking. Zuvor hatte er ein Jahr lang von zu Hause aus gearbeitet. „Der Übergang von Arbeit zum Privaten war fließend, das war auf Dauer keine Lösung für mich. Außerdem ist mir der Austausch mit anderen sehr wichtig“, sagt er. Coworking bedeutet „zusammen arbeiten“ und meint das Arbeiten in einer Art Großraumbüro, dem Coworking Space.

Die ersten in Berlin sind 2007 entstanden. Heute gibt es 30, neue kommen stetig hinzu. Die meisten findet man in Kreuzberg in herkömmlichen Bürogebäuden, wie das Betahaus, Co.up oder Pulsraum, aber auch auf Fabriketagen und in Altbauwohnungen. Dort kann sich jeder einen Schreibtisch mieten, der nicht allein oder von zu Hause aus arbeiten will. Ein Mietvertrag ist nach einem Monat kündbar, neben einer vollen Mitgliedschaft gibt es meist Zeit-Tickets. Die Kosten liegen zwischen 150 und 300 Euro monatlich für vollwertige Mitglieder.
 
Nutzen davon haben in erster Linie Freiberufler und Selbstständige. Sie bekommen im Vergleich zu einem selbst gemieteten Büro einen relativ preiswerten Arbeitsplatz, der verkehrsgünstig angebunden ist. Die Kosten spielen aber für die meisten Coworker eine untergeordnete Rolle. Wie Till Klampäckel sehen sie den größten Vorteil von Coworking darin, in Kontakt mit anderen zu kommen, anstatt zu Hause am Schreibtisch zu vereinsamen. „Für mich bedeutet das, mal zusammen einen Kaffee zu trinken, im lockeren Gespräch eine Pause von der Arbeit zu bekommen oder sich Anregungen zu holen, wenn ich mal nicht weiterkomme“, sagt Klampäckel. Das steigere Motivation und persönliche Leistung.

Adressen
| Co.up |
Adalbertstraße 7–8 | 10999 Berlin
Ansprechpartner: Thilo Utke
Telefon: 0179 | 901 27 83
Web: www.co-up.de

Club Office
Bundesallee 171–175 | 10715 Berlin
Ansprechpartner: Robert Pfad
Telefon: 030 | 200 03 50 00
Web: www.club-office.com

Sankt Oberholz
Rosenthaler Straße 72
10119 Berlin
Ansprechpartner: Ansgar Oberholz
Telefon: 030 | 24 08 55 86
Web: www.sanktoberholz.de

Außerdem knüpfen viele Coworker untereinander geschäftliche Kontakte – wie Damian Leich. Mit einem ehemaligen Studienkollegen gründete der 27-Jährige das Start-up „lagernperpost.de“. Leich ist Coworker im Club Office. „Als wir einen Host für unsere Webseite suchten, habe ich hier im Haus einen Anbieter gefunden“, erzählt er. „Und wenn ich mal Hilfe beim Online-Marketing brauche, kann ich immer meinen Tischnachbarn fragen, der ist Spezialist auf dem Gebiet.“ Solche Beziehungen entstehen nicht automatisch. „Es gibt kein Coworking-to-go. Alles braucht seine Zeit“, sagt Carsten Foertsch. In seinem Online-Magazin Deskmag schreibt er über Trends und Entwicklungen der Szene. Wie im normalen Leben brauche es Wochen oder Monate, bis enge Verbindungen und Vertrauen unter den Coworkern entstehen würden.

Wer einen Coworking Space betreibt, muss einiges bieten. Denn nur wer attraktiv für Nutzer ist, kann durch die Mieteinnahmen Gewinn machen. Neben der Ausstattung mit Drucker, Kopierer, Faxgerät und schneller WLAN-Verbindung kommt es darauf an, ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. Im Sankt Oberholz am Rosenthaler Platz, das seit November Coworking-Plätze anbietet, gibt es zum Beispiel ein monatliches Büro-Bier für Nutzer. Geplant sind auch Vorträge von IT-Experten. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Co.up am Kottbusser Tor. „Events zu veranstalten ist auch deshalb so wichtig, um sein Angebot in der Szene bekannt zu machen“, sagt Thilo Utke, einer der Betreiber.

Im Großraumbüro habe ich auch ein Ohr am Markt

Mittlerweile interessieren sich auch mittelständische und große Unternehmen für Coworking. Bei Club Office sind sie mit ganzen Abteilungen oder mit einzelnen Außendienstlern vertreten. „Zum einen sparen die Firmen dadurch natürlich eigene Fläche und Kosten“, sagt Robert Pfadt, einer der Betreiber von Club Office. Im Vordergrund stehe aber, Fachkräften einen wohnortnahen Arbeitsplatz und ein kreatives Umfeld zu bieten. So wie Tino Wenke. Der 32-Jährige ist Außendienstler bei Euroshell und sitzt seit einem guten Jahr im Club Office. Er sagt: „Im Großraumbüro habe ich auch ein Ohr am Markt und bekomme mit, wie andere über meine Branche denken. So werde ich nicht berufsblind.“

Lara Sogorski
redaktion@berlin-maximal.de


Aus der Ausgabe 2 / 2012

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