Kreative Vermarktung
Die Filmbranche sucht viele Maskenbildner, aber meist nur Freiberufler. Die tun sich schwer mit dem Status der Selbstständigen
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Letzter Schliff: Freiberufliche Maskenbildner müssen mehr als nur kreativ sein. Foto: Kai-Uwe Heinrich |
Hasso von Hugo steht inmitten der Spray-Wolke und gibt Ratschläge. Der Grauhaarige leitet die Maskenbildnerschule Hasso von Hugo. Seit mehr als 20 Jahren lernen junge Leute hier das kreative Handwerk. Aber nicht nur das. Sie werden auch auf die harten Zeiten als selbstständige Maskenbildner vorbereitet.
Denn auch wenn die Medienregion Berlin-Brandenburg zusehends wächst und eine Menge Jobs bei Film und Fernsehen, in der Fotografie- oder Werbebranche bietet: Die Aufträge sind hart umkämpft und einen Stellenmarkt für Maskenbildner gibt es praktisch nicht. „Das läuft alles über Mundpropaganda“, sagt von Hugo, der seinen Schülern „von Anfang an nicht nur die Zucker- sondern auch die Schattenseiten des Berufs vermitteln“ will.
Zwischen Wundenschminken und Haare schneiden gibt es für die Schüler deshalb auch Englisch- und Wirtschaftskunde-Unterricht. „Da haben wir vom Rechnungen schreiben bis zur Kalkulation alles gelernt“, sagt Catia Amato, die schon vor vier Jahren die Maskenbildnerschule erfolgreich beendet hat und seit dem als Freiberuflerin tätig ist.
| Maskenbildnerschule Hasso von Hugo GmbH |
Maskenbildner mit Berufserfahrung werden als Dozenten gesucht
Geschäftsführer: Annette v. Hugo
Adresse: Lützowstr. 105, 10785 Berlin Mitarbeiter: 15
Telefon: 030 / 613 56 20
Web: www.maskenbildnerschule.de
Geschäftsführer: Annette v. Hugo
Adresse: Lützowstr. 105, 10785 Berlin Mitarbeiter: 15
Telefon: 030 / 613 56 20
Web: www.maskenbildnerschule.de
Die Aufträge, etwa von Produktionen wie „Verliebt in Berlin“, kamen direkt im Anschluss an die Ausbildung. Glück spielte dabei sicher eine Rolle, doch vor allem der Fleiß: „Nach Schulschluss haben die meisten noch einen Nebenjob“, erzählt von Hugo, der gerade eine Mönchstonsur aus rotbraunem Echthaar knüpft. Zwölf-Stunden-Tage sind dadurch keine Seltenheit, doch über diese kleinen Engagements und Praktika, etwa bei Modenschauen oder Fotoshootings, entstehen die Kontakte, die für freiberufliche Maskenbildner später so wichtig sind.
Diese Erfahrung hat auch Annika Kusch gemacht. „Bei Film und Fernsehen sieht es mit Bewerbungen schlecht aus“, sagt die Berlinerin, „da geht alles nur über Kontakte.“ Die 24-Jährige hat schon im Sommer 2007 ihre dreijährige Ausbildung bei Hasso von Hugo erfolgreich abgeschlossen, doch erst vor ein paar Wochen kam der erste richtige Job. „Auch der hat sich über die Schule ergeben“, erzählt sie.
Schon während der Ausbildung wurde der Filmpark Babelsberg auf ihr Talent aufmerksam, jetzt zeigt sie den Besuchern des Parks, wie der Maskenbildner die Schauspieler etwa künstlich altern lassen oder zu Monstern verwandeln kann. Der Job ist allerdings bis Ende Oktober befristet, weshalb Kusch nebenher die Augen offen hält, um neue Auftraggeber zu finden.
Hilfreich kann hierbei die Bundesvereinigung Maskenbild e.V. (BVM) in Berlin sein. „Unser Verband bietet ein Online-Netzwerk, über das sich Maskenbildner austauschen können“, sagt Regine Hergersberg von der BVM. Gleichzeitig bietet die Vereinigung wichtige Workshops für Freiberufler zu Themen wie Existenzgründung, Vertrags- oder Arbeitsrecht an — auch für Nichtmitglieder.
Weil Kreativen die für Freiberufler wichtigen betriebswirtschaftlichen Fertigkeiten naturgemäß schwer von der Hand gehen, hat Amato nach der Schule an einem Existenzgründer-Seminar der Agentur für Arbeit teilgenommen.
Mittlerweile ist sie bei der Berliner Maskenbildner-Agentur m4motion unter Vertrag. Die Agentur vermittelt Aufträge, „doch hier kommt man nur rein, wenn man sich vorher schon einen Namen gemacht hat“, erzählt die 27-Jährige.
Die Absolventen der Hasso von Hugo-Schule haben im Kampf um die Kontakte sicher einige Vorteile, denn die Schule arbeitet „eng mit Partnern wie dem Filmpark Babelsberg oder der Komischen Oper zusammen“. Trotzdem: „Man muss klein anfangen und darf nicht davon ausgehen, dass man heute fertig ist und morgen Steven Spielberg anruft“, warnt von Hugo.
Der gebürtige Kölner weiß wovon er spricht, schließlich ist er seit mehr als 40 Jahren im Geschäft. Nach einer Friseur- und Maskenbildnerlehre arbeitete er lange am Theater und auch die Filmbranche und ihre Tücken kennt er ganz genau. „Wenn du hunderte Statisten auf dem Stuhl hast, die in einer Szene im Schlamm stecken sollen oder wochenlang nachts drehen musst, dann fängst du irgendwann an, alles zu hassen“, erzählt er mit wissendem Lächeln. „Es ist ein spannender Beruf, aber oft auch verdammt hart.“ Die Liebe zum Job muss aus seiner Sicht deshalb immer im Vordergrund stehen. Diese Botschaft vermittelt er seinen Schülern, genauso wie betriebswirtschaftliche Kenntnisse und das nötige Know-How für Freiberufler.
Tina Marlu Kramhöller
Aus der Ausgabe 4 / 2008
