Strömungen

Wir tun nur so, als ob

Die Firma CFX Berlin simuliert auf dem Computer das Strömungsverhalten von Luft, Wasser oder Blut
Windschnittig genug? Die Aerodynamik eines Autos wird am Computer simuliert. Foto: promo

Wenn sie über den Potsdamer Platz läuft, ärgert sich Petra Maier immer über den Wind, der zwischen den Hochhäusern hindurch pfeift. „Wenn man uns gefragt hätte – wir hätten vorher sagen können, dass es hier ziehen wird“, sagt die Chefin von CFX Berlin, einem Unternehmen für Strömungssimulation. Die Frau, der es an Selbstbewusstsein nicht zu mangeln scheint, muss den Planern allerdings zugute halten, dass sie und Ehemann Peter Bartsch ihre Firma erst 1997 gegründet haben. Da standen am Potsdamer Platz schon die Bagger. Zu den Kunden von CFX Berlin zählt heute unter anderem das Jüdische Museum in Berlin. Hier haben Maiers Leute mittels Computersimulation herausgefunden, warum es in dem Gebäude so unangenehm zog. Inzwischen wurde eine Drehtür eingebaut, die den Wind, der stets mit voller Wucht auf den Eingang trifft, abhält. Auch bei der Planung des unterirdischen Bahnhofs im Flughafen BBI kam CFX  Berlin zum Einsatz: Die Bauherren wollten verhindern, dass die Menschen in den Läden und Cafés, die nahe der Treppe hinunter zu den Gleisen liegen, unter dem Luftzug leiden. 

Mit Forschungsprojekten machen wir uns einen Namen in der Branche

Mit der Software, die CFX Berlin verwendet, kann die Strömung von Luft, Wasser, Öl und anderen Stoffen simuliert werden. Die Mitarbeiter bauen am Computer ein Modell. Die Basis sind die geometrischen Daten der Umgebung und die Eigenschaften des Stoffes, der in dieser Umgebung fließt. Dann berechnen sie die Strömung – und wie man sie verbessern könnte.
„Der Vorteil ist: Wir können Sachen berechnen, die man nicht messen kann“, sagt Maier. Die Strömung im Innenohr etwa, oder wie Blut durch eine künstliche Herzklappe fließt. Ursprünglich wurde die Software für den Flugzeugbau erfunden. „Es ist günstiger, die Luftströmung zu simulieren, als ein Flugzeug zu bauen und im Windkanal zu testen“, erklärt Maier.
Airbus gehört zu den Kunden von CFX Berlin. Auch Autobauer sind klassische Nachfrager. Mit der Software können aber auch Maschinen optimiert werden, die Cremedosen befüllen oder Kuchenteig mixen.
Maier und Bartsch haben ihr Produkt nicht selbst entwickelt. Sie sind Vertriebspartner der amerikanischen Firma Ansys Inc. CFX Berlin darf die Software in Deutschland verkaufen und als Dienstleister in der Region mit dem Programm arbeiten. Damit sind sie nicht die Einzigen. Ansys hat eigene deutsche Niederlassungen in München, Darmstadt und Hannover. Außerdem gibt es neben der Ansys-CFX-Software noch Konkurrenzprodukte wie Femlab oder Star CD.

Firmeninfo
| CFX Berlin Software GmbH |
CFX sucht einen Berechnungsingenieur

Geschäftsführer: Peter Bartsch,
Petra Maier
Adresse: Mainzer Strasse 23,
10247 Berlin
Umsatz: 1,5 Millionen Euro
Mitarbeiter: 18
Telefon: 030 / 29 38 11 30
Web: www.cfx-berlin.de


CFX Berlin bewirbt sich auch um öffentliche geförderte Forschungsprojekte. Zuletzt haben sie herausgefunden, wie man den Prozess des Lichtbogenschweißens, wichtig zum Beispiel für die Autoindustrie, mittels Simulationssoftware verbessern kann. Diese Lösungen können sie weltweit vertreiben. Das ist nicht der einzige Vorteil: „Mit solchen Projekten machen wir uns einen Namen in der Branche. Damit können wir auf Messen für uns werben“, sagt Maier.
Sie und ihr Mann haben sich an der TU Berlin kennengelernt, Peter Bartsch promovierte, als Petra Maier ihr Diplom in Luft- und Raumfahrtechnik machte. Später bekam er eine Stelle bei ASC, der heutigen Ansys Germany in München. Sie folgte ihm und gab Seminare für Persönlichkeitsentwicklung. Damit hatte sie schon ihr Studium finanziert. Ihre Jobs machten ihnen Spaß, doch „als echte Berliner in München leben – das war nicht das Wahre“, sagt Maier. Sich selbstständig zu machen schien die einfachste Möglichkeit, gemeinsam zurück nach Berlin zu gehen. Sie gründeten CFX Berlin zu zweit, in ihrem Münchener Wohnzimmer. Seit 2001 sitzen sie nun mit 18 Mitarbeitern in der Mainzer Straße in Friedrichshain, für 2008 erwarten sie einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro. Ihr Mann sei der technische Kopf, sagt Maier, sie habe sich immer mehr um Personal und Unternehmensführung gekümmert. Wichtig sei ihr vor allem eine offene Atmosphäre. Die Mitarbeiter, die meisten von ihnen Ingenieure, sitzen in einem Großraumbüro. Ihre Schreibtische heißen „Arbeitsinseln“.

Mitunter ist Maier auch als Lobbyistin für die Firma aktiv. Zur Zeit setzt sie sich dafür ein, dass die Simulation von Rauchentwicklung im Brandfall verpflichtend ins Baugesetz geschrieben wird. Am Computer könne man berechnen, wie sich der Rauch ausbreitet und simulieren, wo man Lüftungsklappen einbauen muss, damit die Menschen bei Feuer noch  lange aus dem Gebäude fliehen können. Aus der Sicht von CFX Berlin ein lukratives Gesetzesvorhaben – mit geschätzten Kosten von 20 000 Euro für eine Simulation in einem komplexen Gebäude aber wohl eine Regelung, auf die die meisten Bauherren gern verzichten würden.

Miriam Schröder


Aus der Ausgabe 8 / 2008

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