Sonnenstudios

Wo die Sonne noch scheint

Die Zahl der Bräunungsstudios in Deutschland hat sich seit dem Jahr 2000 halbiert. Der Berliner Markt ist besonders hart umkämpft
Gut gebräunt: Muamer Pehlivan betreibt vier, demnächst fünf Sonnenstudios.
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Zahl der Bräunungsstudios in Deutschland hat sich seit dem Jahr 2000 halbiert. Der Berliner Markt ist besonders hart umkämpftSpärlich bekleidete Damen blicken lüstern von den Flyern, die Wände des Studios schimmern puffrot. „Es bedient sie heute: Gina“, begrüßt ein Schild die Kunden. Chef Muamer Pehlivan sitzt lässig an einem Tisch. Er trägt eine zerfetzte Jeans und ein Jackett, um sein Hals baumelt ein Lederbändchen: „Wir sind einer der wenigen Anbieter, die wirklich seriös arbeiten“, sagt er. Das mag auf den ersten Blick verblüffen. Aber der Erfolg gibt ihm Recht.

Pehlivan hat es geschafft, in einer Branche im Niedergang ein blühendes Geschäft zu entwickeln. Seit 2003 hat Pehlivan vier Filialen eröffnet, ein fünftes plant er bereits. Damit stemmt er sich voll gegen den Trend.
Denn in Berlin und auch deutschlandweit gehen die Studiozahlen deutlich zurück. Der Bundesfachverband der Sonnenlicht-Systeme schätzt, dass sich seit der Jahrtausendwende die Anzahl der Sonnenstudios halbiert hat. Waren es damals noch 8500 so sind es jetzt nur noch etwa 4000 Studios. Statistisch machen pro Tag 1,3 Läden dicht. Besserung ist nicht in Sicht: Im Frühjahr 2008 schätzten 55 Prozent der Solarienhersteller die Lage noch schlechter ein als im Vorjahr. Ab 2009 drohen zudem strengere Auflagen aus Brüssel und Berlin. Unter 18-Jährige dürfen dann nicht mehr in die Bräunungs-Bude.

„In Berlin ist der Markt besonders umkämpft“, sagt Norbert Schmidt-Keiner, Vorsitzender des Solarien-Verbandes Photomed. Neben der Hauptstadt habe nur noch das Ruhrgebiet eine ähnlich hohe Sonnenstudiodichte. Und schon seit einigen Jahren brechen die Kunden weg. Erstens kommen immer weniger, zweitens bräunen sie sich immer kürzer. Ärzte und Medien, die immer wieder vor dem Hautkrebs-Risiko warnen, schrecken sie ab. Laut der Deutschen Hautkrebshilfe erhöht sich das Hautkrebsrisiko durch Sonnenbaden um 20 Prozent. „Das Image unserer Branche ist sicherlich angeschlagen“, sagt Schmidt-Keiner.
Erfolgreiche Studios müssten deswegen vor allem ihre Beratung verbessern, empfiehlt er. Die Kunden seien sowieso schon verunsichert und wollten sich jetzt in besonders guten Händen sehen.

Firmeninfos
| Solarent GmbH & Co. KG |
Geschäftsführer: E. Schweizer, D. Kunert, T. Schnell
Adresse: Kurfürstendamm 195, 10707 Berlin
Mitarbeiter: 230
Telefon: 030 / 887 18 00
Web: solarent-sonnenstudios.de

Bärlin Sun Ltd.
Geschäftsführer: M. Pehlivan
Adresse: Mittelbuschweg 12–13, 12055 Berlin
Mitarbeiter: 25
Telefon: 030 / 68 97 54 80
Web: www.berlinsun.de

Bärlin-Sun-Chef Muamer Pehlivan hat deswegen im Keller eines seiner Studios einen Seminarraum eingerichtet. Das Mobiliar ist spärlich: Nur ein paar Stühle und ein Flipchart stehen in dem dunklen Zimmer. Stolz zeigt Pehlivan auf zwei Aktenordner und blättert sie durch: „Das müssen meine Angestellten alles können.“ Jeden Samstag steigen sie in das Kellergewölbe und hören sich an, wie die Haut aufgebaut ist und welche unterschiedlichen Bestandteile das Licht hat. Zwei Stunden dauert der Unterricht. Pehlivan lehrt selbst.

Er will, dass seine Mitarbeiter die Kunden nach Hause schicken, wenn sie sich zu lange bräunen. „Wenn ein Mitarbeiter einem Kunden rät, er sollte nur vier Minuten und der Kunde will 20 Minuten, dann muss er eben gehen“, sagt Pehlivan. Was seine Mitarbeiter machen, hat er genau im Blick – per Webcam überwacht er von seinem Büro aus, wie seine Angestellten mit den Kunden umgehen.

Wir sind einer der wenigen Anbieter, die wirklich seriös arbeiten

Ein weiteres Berliner Unternehmen expandiert in der Krise: Solarent eröffnete in den letzten drei Jahren fünf Studios. Das Unternehmen ist eines der ältesten Solarienbetreiber in Berlin. Seit 1972 bräunt die Firma ihre Kunden, in mittlerweile über 30 Studios. Solarent setzt auf ein seriöses Image durch ein Zertifikat des Bundesamtes für Strahlenschutz. Als erstes Unternehmen in Berlin hat Solarent alle Studios zertifizieren lassen. Nur wer neue Geräte hat und seine Mitarbeiter speziell schulen lässt, bekommt das Siegel. „Zu uns kommen jetzt mehr über 30-Jährige“, sagt Marketingdirektorin Sylvia Haug. Neues Klientel ist wichtig, denn die Bräungsdauer wurde in der vergangen Zeit immer kürzer: „Die Kunden bräunen sich jetzt nur noch 10 statt 20 Minuten. Das Gesundheitsbewusstsein ist gestiegen.“

Bärlin-Sun ist noch nicht zertifiziert. „Das ist einfach zu teuer. Für meine vier Studios würde das etwa 20 000 Euro kosten“, sagt Pehlivan. Er glaubt aber, dass die Kunden ihm auch so vertrauen. Seine Schulungen seien sowieso intensiver, als das Zertifikat vorschreibt. Schließlich müssten seine Angestellten täglich büffeln und nicht nur einmal zu einer Schulung gehen. Seine Studioleiterin Dagmar Schmidt bestätigt die Bedeutung der regelmäßigen Trainings. Auch wenn immer das gleiche Gelehrt wird: „Die Mitarbeiter vergessen den Stoff teilweise recht schnell wieder.“

Frederic Spohr


Aus der Ausgabe 9 / 2008

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