Visitenkarte für den Laden

Schaufensterdekorateure sind immer eine Saison voraus – und wissen, mit welchen Tricks und Trends man Kunden ins Geschäft lockt
Lockvögel: Zwei lebende Schaufensterpuppen sollen Passanten Lust am Einkaufen machen - nicht nur am Valentinstag. Foto: dpa

Stapelweise Stoffrollen, Gießkannen in allen Farben, eine Ansammlung von gelben Gummistiefeln und ein Wäldchen Bambusfackeln – so sieht es im Fundus der Schaufensterdekorateurin Heike Belgert aus. Die Requisiten braucht die Geschäftsführerin des Dekorationsladens Art Window, um die Fensterfronten ihrer Auftraggeber interessanter zu machen.

„Das Schaufenster ist der erste Blickfang – und die Visitenkarte des Ladens“, sagt Belgert. Und gerade in der Krise müssen sich Händler überlegen, wie sie Kunden in ihre Läden locken. Der Passant muss neugierig gemacht werden, damit er vor der Vitrine stehen bleibt und sich anschließend im Geschäft umsieht. Diesen Erfolg verspricht auch Belgerts Werbeslogan: „Wie Sie aus Ihrem Laden ein Geschäft machen.“ Zudem sei die Schaufensterdekoration eine Art Imagepflege. „Der Kunde sieht sofort, mit wie viel Herz der Inhaber seinen Laden betreibt“, sagt sie.

Der größte Trend ist: individuell sein

Als Dekorateurin ist Belgert immer mindestens eine Saison voraus. Was ist also im Frühling gefragt? „Vogelhäuser in allen Formen und Variationen“, sagt Belgert. Im Sommer seien eher kühle Fensterfronten angesagt, im Winter müsse dem Kunden warm ums Herz werden. Wichtig ist, dass sich das Schaufensterbild ständig ändert, mindestens alle acht Wochen. „Nur die Artikel im Fenster auszutauschen, bringt nichts“, sagt Belgert. Erst der Wechsel impliziert dem Betrachter, dass neue Ware eingetroffen ist.
„In meiner Firma merke ich, dass in Krisenzeiten mehr Kunden auf mich zukommen“, sagt Dekorateurin Astrid Roepke. „Bei ihnen zählt vor allem die Bewerbung von Aktionen und Preisnachlässen. Ihnen ist wichtig, nach außen hin ein engagiertes Bild aufrechtzuerhalten.“ Das Budget dafür und die Experimentierfreude nähmen hingegen nicht zu.

Firmeninfo
| Art Window |
Geschäftsführer: Heike Belgert
Adresse: Greifswalder Str. 33 a,
10405 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 3
Telefon: 030 / 440 63 26
Web: www.artwindow.de

Ganz im Gegenteil etwa zum KaDeWe, das sich im vergangenen Herbst ein richtiges Spektakel leistete: Eine Woche lang wurden die Schaufenster des Nobelkaufhauses zur Bühne, als eine Theatertruppe die Schaufensterpuppen zum Leben erweckte. Wie in einem Comicstrip konnten Vorübergehende mehrere Geschichten verfolgen. So viel Aufwand muss nicht immer sein. Aber auch wenn das Schaufenster eine Art Stillleben ist, gewinnt man die Aufmerksamkeit der Passanten erst, wenn es sich ständig verändert.
„In unserer schnelllebigen Zeit wird Statik schnell langweilig“, sagt auch Jan Wegener, Geschäftsführer vom Atelier Mohr Design Mannequins. In seiner Firma stehen 600 Schaufensterfiguren zum Verleih bereit. Inzwischen seien Puppen gefragt, die täuschend echt aussehen. „Die sind zwar teurer, aber unsere Kunden sagen, es rechnet sich“, erklärt Wegener.

Ein weiterer Hingucker: das Spiel mit den Gegensätzen. Für Peek und Cloppenburg ließ sich das Atelier Mohr etwas Besonderes einfallen. „Wir haben alte Figurenköpfe mit dem Charme und Stil der 50er Jahre mit modernen Körpern und dynamischem Make-Up kombiniert“, sagt Wegener. Er setzt auf solche Eigenkreationen. „Im Blindflug Trends hinterherhetzen, sollte man aber nicht. Der größte Trend ist immer noch: individuell sein.“

Laura Wieland


Aus der Ausgabe 3 / 2009

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