Schimmel-Test

Auf Sporensuche

Die Firma Aokin stellt Geräte her, die im Schnelltest Schimmelpilze im Getreide aufspüren. So gelangt kein Gift ins Brot.
Schimmel-Schnelltest: Ursula Dahmen-Levison (rechts) mit einer Mitarbeiterin Foto:Mike Wolff
Gibt‘s im März zu vielen Regen, bringt die Ernte wenig Segen! So lautet eine alte Bauernregel, in der ein Fünkchen Wahrheit steckt. Denn zu viel Feuchtigkeit lässt Getreide leicht schimmeln und das kann die ganze Ernte zunichte machen. Schimmelpilze ernähren sich von dem Getreide, das sie befallen. Bei der Verdauung entstehen Stoffwechselprodukte, die für Menschen und Tiere giftig sein können. Werden diese Mykotoxine auf dem Bauernhof oder in der Lebensmittelherstellung nicht entdeckt, können sie über das Mehl schließlich als Brot oder Kuchen in der Ladentheke landen. Auch Müsli, Kinderbrei, Bier oder Wein kann von solchen Pilzgiften befallen sein. Besonders bei Importware wie Kaffee oder Nüssen sind Mykotoxine recht häufig. „In niedrigen Dosen haben sie keinen direkt zu beobachtenden Einfluss auf die Gesundheit, doch einige sind in größeren Mengen krebserregend“, erklärt Maria Barricelli vom Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (Ilat) in Berlin. Sie analysiert Lebensmittelproben, die von staatlichen Kontrolleuren auf Bauernhöfen, in Fabriken und in Supermärkten genommen werden. Doch in größeren Mengen können einige Pilzgifte krebserregend sein oder zu tödlichen Vergiftungen führen.

Damit auch Landwirte, Lieferanten und Lebensmittelhersteller vor Ort Mykotoxin-Tests durchführen können, hat die Berliner Physikerin und Chemikerin Ursula Dahmen-Levison zusammen mit Forschern aus den USA ein mobiles Spektrometer entwickelt, mit dem sich die Mykotoxinwerte in Getreide innerhalb von einer Viertelstunde bestimmen lassen. 2005 gründete die ehemalige Max-Planck-Mitarbeiterin die Aokin AG mit Sitz am Forschungscampus Buch.

Die verschiedenen Modelle des „Rapid Kinetic Assay“ kommen etwa im Hafen zum Einsatz, wo Einkäufer Schiffsladungen auf Pilzbefall untersuchen. Auch in der Industrie hat Aokin schon Kunden. Die Lebensmittelkonzerne haben eine Sorgfaltspflicht und müssen allein deshalb Stichproben machen. „Auch in eigenem Interesse untersuchen Kornmühlen und Produktionsbetriebe ihre Waren. Da kann ein enormer finanzieller Schaden entstehen, wenn Gifte in die Produktion gelangen, so dass tonnenweise Lebensmittel nur noch zu Futtermitteln verarbeitet werden dürfen oder sogar entsorgt werden müssen“, sagt Vorstandsvorsitzende Dahmen-Levison.

Ursula Dahmen-Levison, Aokin AG:
"In Buch bekommen wir viele Diplomanden
und Doktoranden, die bei uns arbeiten"


Etwa 20 000 Euro kostet ein Aokin-Spektrometer, das mit einem Laborset ausgeliefert wird, mit dem sich die Proben zur Analyse vorbereiten lassen. „Erst müssen die Körner, Kaffeebohnen oder Nüsse zermahlen werden“, erklärt Frank Mallwitz, Forschungsdirektor bei der Aokin AG. Am besten untersucht man mehrere Proben aus einer Ladung, denn Pilzsporen bilden kleine Nester und sind nicht gleichmäßig im Getreide verteilt. Mit Hilfe eines Lösungsmittels wird das Mehl dann extrahiert, in einer Zentrifuge aufgereinigt und schließlich in einem Röhrchen in das Spektrometer gesteckt, das nicht größer ist als ein Schuhkarton. Der Probe wird ein fluoreszierender Biomarker beigemischt, der auf die Mykotoxine reagiert. Anhand dieser Reaktion lässt sich nun erkennen, welches Pilzgift in welcher Menge enthalten ist. Die Werte erscheinen sofort auf einem angeschlossen Computerbildschirm. Kleinere Betriebe, die sich kein eigenes Gerät anschaffen möchten, können die Analyse auch für 25 Euro bei Aokin in Berlin machen lassen. Seit der Gründung hat das Unternehmen schon viele Kunden in Europa gewinnen können. Knapp 20 Mitarbeiter, darunter Biochemiker, Physiker, IT-Spezialisten und Biologen, entwickeln die Technik weiter, betreuen die Stammkunden und führen im Labor der Firma Analysen durch.

Anfangs habe sie darüber nachgedacht, ihr Unternehmen in den USA zu gründen, erzählt Dahmen-Levison, deren Schwiegervater Stuart Levison als Forschungsleiter des US-Biotechnologieunternehmens Princeton Separations Inc. in New Jersey an einer ähnlichen Analysetechnik arbeitet. Dann habe sie sich für Berlin entschieden: „Der Campus Buch ist ein sehr guter Standort mit viel Potenzial für junge Biotechnologiefirmen. Hier bekommen wir viele gute Diplomanden und Doktoranden, die bei uns arbeiten können.“

Mit diesen Fachkräften will Aokin weiter wachsen. „In Zukunft werden wir unsere Geräte auch nach Asien und in die USA verkaufen“, sagt die Vorstandsvorsitzende. Auch die Produktpalette kann noch erweitert werden: Neben Getreide lassen sich fast alle Lebensmittel mit dem Rapid-Kinetic-Assay-Verfahren untersuchen. „Die Spektrometer können wir nach Bedarf unserer Kunden auf bestimmte Proben einstellen“, sagt Dahmen-Levison. Auch medizinische Analysen, etwa zur Hormonbestimmung sind mit der Technik möglich.

Dagny Lüdemann

Aokin AG
Vorstandsvorsitzende:
Ursula Dahmen-Levison
Adresse: Robert-Rössle-Straße 10, Campus Buch, 13125 Berlin
Umsatz: k.A.
Mitarbeiter: 20
Telefon: 030 / 94 89 21 61
Web: www.aokin.com


Aus der Ausgabe 7/2008
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