Apotheken

Beraten und vernetzen

Inhabergeführte Apotheken haben es oft schwer, sich gegen Billigapotheker-Ketten zu behaupten. Innovative Ideen sind gefragt
Qualifizierte Beratung: Inhabergeführte Apotheken setzen auf Kompetenz.
Foto: Oliver Berg dpa/lnw
Am Montag zur Ernährungsberatung, Dienstag zur Kosmetik, Mittwoch zum Nordic Walking, Donnerstag zur Physiotherapie und all das an ein und demselben Ort? Gibt‘s sowas? Ja, nämlich in der Apotheke um die Ecke. Neben dem herkömmlichen Angebot einer Apotheke müssen die Pharmazeuten heutzutage immer mehr bieten, damit ihnen die Konkurrenz nicht die Kunden wegschnappt. Mit Lockangeboten und Dumpingpreisen ziehen internationale Billigketten wie Doc Morris und die Easy-Apotheken ihre Kundschaft an. Die ortsansässigen inhabergeführten Apotheken schaffen es oft nicht, mit diesen günstigen Preisen mitzuhalten.

„Man muss sich schon was einfallen lassen“, sagt Michaela Kröger, Inhaberin der Apotheke am Bundesplatz 3. „Wir haben uns beispielsweise auf Kosmetik spezialisiert. Zu diesem Zweck haben wir extra eine unserer Mitarbeiterinnen zur Kosmetikerin ausbilden lassen.“ In Kooperation mit dem Richtig Essen Institut bietet die Apotheke auch Ernährungsberatung an. Auch Nordic Walking Kurse stehen auf ihrem Programm. „Wir versuchen es mit dem Netzwerkprinzip. Der Kunde hat uns als zentrale Anlaufstelle und kann die Angebote unserer Kooperationspartner nutzen.“

Ein so umfangreiches Service-Paket haben die Easy-Apotheken nicht. „Dies sind Spezialthemen, welche wir nicht durchgehend anbieten, weil wir zum einen keinen Bedarf erkennen und weil es zusätzlich zu unserem Discountkonzept einfach zu teuer wäre“, sagt Oliver Blume, Pressesprecher der easy Apotheke Kooperations GmbH. Konstantin Primbas, Inhaber der Aponeo Versandapotheke in Pankow, sah die Bedrohung durch Discountapotheken frühzeitig kommen. Vor zwei Jahren hat Primbas aus reiner Existenzangst einen Versandhandel gestartet. Begonnen hat das Ganze im Keller seiner Apotheke, wo jedes Paket von Hand verschnürt und verschickt wurde. Heute gibt es ein gesondertes Areal, auf dem die per Internet oder Telefon bestellten Medikamente maschinell verpackt werden. Natürlich erst, nachdem ein Apotheker überprüft hat, ob die Medikamente miteinander verträglich sind.

"Ich will den Leuten die Menge an Medikamenten verkaufen,
die sie brauchen" - Rainer Bienfait, Apotheker


„Gut ein Drittel der Apotheken sind in den roten Zahlen und sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Wer erst jetzt anfängt, sich Sorgen zu machen, der ist eindeutig zu spät dran und wird entweder von den großen Apothekerketten geschluckt – wenn er Glück hat – oder er geht unter.“ Die Apotheker müssten sich verbünden, so Primbas. „Wenn die Apotheker bundesweit um fünf Prozent mit den Preisen runtergehen würden, könnten die anderen einpacken. Dann wären die Apotheken mit ihrer fachlichen Beratung und ihrem Service nämlich weitaus beliebter als die Onlinefilialen.“ Primbas selbst kooperiert mit dem Sanitätsfachhandel Seeger. Seine Kunden können die benötigten Medikamente bei ihm in der Apotheke bestellen und in jeder Seegerfiliale abholen.

Der Inhaber der Otto Apotheke Moabit, Rainer Bienfait, setzt im Kampf gegen die Konkurrenz auf Beratung. Dennoch macht der Vorsitzende des Berliner Apothekervereins sich ein wenig Sorgen. „Es gibt sehr, sehr starke Anzeichen, dass direkt gegenüber von uns bald eine Doc Morris Filiale eröffnet. Dann wird sich zeigen, wie gut wir in den letzten Jahren wirklich waren.“ Direkte Maßnahmen gegen die mögliche Bedrohung durch die Konkurrenz leitet Bienfait jedoch nicht ein. „Ich werde nicht mit Flyern arbeiten, auf denen steht, ,wir sind der billige Jakob‘. Händler und Krämer sein, das können andere billiger. Die alleinige Preisstrategie ,ich unterbiete‘ führt nicht zum Ziel.“ Beratung, Betreuung und auch mal von einem Medikament abraten, das sei der Service, auf den es ankomme, so Bienfait. „Es geht um die Gesundheit der Bevölkerung und nicht darum, so viele Waren wie möglich zu vertreiben. Ich will den Leuten die Menge an Medikamenten verkaufen, die sie brauchen.“

Diesen Standpunkt vertreten allerdings auch die Easy-Apotheken. „Wir haben den Beratungsprozess sogar optimiert“, erklärt Blume. „Bei uns muss das Fachpersonal nicht kassieren oder im Medikamentenschrank rumkramen. Es ist einzig und allein für den Kunden da. Zusätzlich haben wir jedes Produkt, welches reduziert werden darf, um mindestens fünf Prozent vergünstigt.“ Andreas Dehne, Inhaber der Teltow Apotheke, ist der Ansicht, dass es nicht auf den günstigsten Preis, sondern in erster Linie auf das Wohl des Patienten ankommt. „Die wohnortnahe Versorgung ist und bleibt wichtig“, bemerkt Dehne. Dafür ist der Apotheker auch bereit, dreimal am Tag zu einem Patienten nach Hause zu fahren, wenn es sein muss: „Wenn Oma Meier ruft, flitzt Dehne und macht‘s passend.“

Fabian Arlt


Otto Apotheke Moabit
Geschäftsführer:
Rainer Bienfait
Adresse: Ottostraße 21, 10555 Berlin
Umsatz: k.A.
Mitarbeiter: 6
Telefon: 030 / 39 90 22 72
Web: k.A.


Aus der Ausgabe 5 / 2008
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