Auf Trab im Betrieb

Berliner Arbeitnehmer sind besonders häufig krank. Viele Arbeitgeber denken daher um –und setzen auf Gesundheitsvorsorge
Fitnessraum der Firma Tetra Pak: Maßnahmen gegen den Krankenstand
Foto: Uwe Steinert

Krankheitsanfällige Leute zieht es nach Berlin. Oder Berlin macht viele Leute krank. Was von beidem nun stimmt, ist unklar. Sicher ist aber, dass die Hauptstadt gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern den höchsten Krankenstand in Deutschland hat, wie aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport hervorgeht. Das ist nicht nur für die Betroffenen schlecht, sondern vor allem auch für die Unternehmen. Denn ein höherer Krankenstand schadet der Produktivität und kann sich deutlich im Umsatz niederschlagen.

Umdenken ist da die Devise einiger Firmen, die erkannt haben: Wer in das allgemeine Wohlbefinden seiner Mitarbeiter investiert, profitiert letztendlich erheblich mehr als wenn er an dieser Stelle spart. Diese Erkenntnis hat auch das schwedische Unternehmen Tetra Pak, das in Berlin-Heiligensee eine Produktionsstätte für Getränkekartons hat, gewonnen. „Vor sechs Jahren kämpften wir hier mit einer Krankenquote von 6,43 Prozent“, erzählt die Assistentin der Werksleitung, Heike Höcker. „Die war für uns entschieden zu hoch.“

Die Konzernleitung habe daraufhin einen neuen Ansatz in der Unternehmenskultur entwickelt. „Wir haben uns für einen Mix aus mehr Kommunikation, Eigenverantwortung und Gesundheitsvorsorge entschieden, den wir bis heute beibehalten“, sagt Höcker. Denn auch die beste Rückenschule helfe nicht, wenn das Betriebsklima nicht stimme und sich der Mitarbeiter nicht ernst genommen fühle.
In der praktischen Umsetzung heißt das etwa, dass die Mitarbeiter für Umsätze und Verluste ihrer Maschinen verantwortlich sind. Aber auch Prävention sei Teil des Konzepts: Deshalb gebe es inzwischen Betriebssportgruppen, einen firmeneigenen Fitnessraum und eine ausgewogene Ernährung in der Kantine.

Das Ergebnis der Umkrempelung spricht eine klare Sprache: Die Krankenquote bei Tetra Pak ist inzwischen auf 3,8 Prozent gesunken, der Bundesschnitt liegt bei 3,2 Prozent. „Das zeigt uns, dass wir mit dem Konzept auf dem richtigen Weg sind“, sagt Höcker.

Das würde Heike Schöning von der Industrie- und Handelskammer gerne von mehr Arbeitgebern hören. „Manche Chefs begreifen nicht, dass man nur dann erfolgreich sein kann, wenn es auch den Mitarbeitern gut geht.“ Zahlen dazu gebe es zwar nicht, „aber man kann eindeutig nachweisen, dass Firmen, die in die Unternehmenskultur investieren, durchweg weniger Krankheitsfälle haben und erfolgreicher sind“.

Bei der Unternehmensberatung 4 Flow ist man derselben Meinung. Als die Firma vor acht Jahren gegründet wurde, habe man diesen Aspekt von Anfang an mit bedacht, erzählt Sprecherin Mai-Britt Subei. „Der Mitarbeiter steht bei uns im Mittelpunkt, seine Meinung und seine Ideen sind ganz wichtig“, sagt sie.

Darüber hinaus würde besonders viel für den „Wohlfühleffekt“ im Unternehmen getan. So spendiere die Geschäftsführung zum Beispiel einmal pro Woche ein gemeinsames Frühstück im Büro, Getränke am Arbeitsplatz gebe es kostenlos, Rückenschulen erhalte man auf Anfrage und einmal im Jahr halte man ein Strategietreffen in einem Ski-Ort ab. So würden sportliche Aktivitäten auf angenehme Weise mit der Arbeit verbunden, berichtet Subei.

Und nicht zuletzt seien die Chefs Vorbilder: „Arbeiten bis spät in die Nacht oder am Wochenende versucht das Management immer zu vermeiden.“ Auch bei 4 Flow hat das Konzept Erfolg: „Unser Krankenstand“, sagt Subei, „der liegt bei nur einem Prozent“. Auf die Frage, was sie anderen Unternehmen empfehlen kann, antwortet Subei: „Eigentlich machen wir gar nicht so viel mehr als andere. Wir machen nur alles ganzheitlich und kontinuierlich.“

Yasmin El-Sharif


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Mitarbeiter Berlin: 200
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Web: www.tetrapak.de


Aus der Ausgabe 4 / 2008

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