Das fliegende Wartezimmer
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Anspruchsvoll: Ein Schild an der Tür reicht nicht aus, um Patienten zu gewinnen. Foto: promo |
In Berlin gibt es eine Menge Ärzte und noch mehr Patienten — da fällt für jede Praxis genug Arbeit an, sollte man denken. Doch viele Ärzte hätten gerne mehr Patienten, vor allem jetzt, wo es sich durch die Honorarreform für die neuen Länder endlich wieder lohnen könnte.
Frank Groenke gehört zu den gut ausgelasteten Ärzten – monatlich kommen so viele neue Patienten, dass er die Zahl kaum überblicken kann. Das liegt seiner Meinung nach nicht bloß an der Qualität der fachlichen Leistungen, denn: „Die kann der Patient meist schwer vergleichen.“ Der Zahnarzt ist überzeugt, dass es vor allem Service, Freundlichkeit und Kundenorientierung sind, die die Patienten zu ihm bringen. „Wir verstehen uns als medizinisches Dienstleistungsunternehmen“, sagt Groenke. Wir, das sind neben ihm noch sieben weitere Zahnärzte, die sich in einer Praxisgemeinschaft zusammengetan haben. „Die Patienten sind verwundert, wenn sie von uns am Tag nach der OP angerufen und nach ihrem Befinden gefragt werden“, erzählt Groenke. „Aber dann freuen sie sich.“
und Carsten Briese
Adresse: Bahnhofstraße 9,
12305 Berlin
Mitarbeiter: 90
Telefon: 030 / 70 55 09-0
Web: www.zzb.de
Kidsdocs
Geschäftsführer: Francesca Agostini,
Christoph Hoberg, Jürgen Stratmann
Adresse: Wrangelstraße 11–12,
12165 Berlin
Mitarbeiter: 50
Telefon: 030 / 79 30 26 00
Web: www.kidsdocs.info
Praxis für Krankengymnastik
und Physiotherapie
Geschäftsführer: Sabine Schüler
Adresse: Rheinbabenallee 40 A,
14199 Berlin
Mitarbeiter: 2
Telefon: 030 / 8 23 29 38
Zu dem Service gehören auch verlängerte Öffnungszeiten, täglich bis in die Abendstunden und auch am Samstag. Stolz ist das Groenke-Team auch auf ein gutes Terminmanagement — eine spezielle Software erspart den Patienten unnötige Wartezeiten. Getränke im Wartezimmer und ein Rückrufservice sind im Preis mit inbegriffen, genau so wie eine breite fachliche Spezialisierung. „All diese Leistungen kann ein einzelner Arzt gar nicht realisieren“, sagt Groenke. Deshalb hat er sich Partner ins Boot geholt. Unter einem Dach bieten sie alles an von der Zahnheilkunde über die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie bis hin zum eigenen Dentallabor.
Auch Francesca Agostini hat sich in den letzten sechs Jahren vergrößert und spezialisiert. Nach dem Masterabschluss in Kinderzahnheilkunde in Texas/USA kam die Zahnärztin nach Berlin, um mit zwei Partnern die Praxis Kidsdocs zu gründen. Heute kommen vor allem die Kinder zu ihr, die mit anderen Zahnärzten nicht zurecht gekommen sind. Grund dafür sei die Atmosphäre, glaubt die Ärztin. Gerade Kinder sähen schnell schwarz beim Anblick von Bohrer und Zahnarztstuhl.
Im Oktober haben die Kidsdocs eine Praxis im Flugzeug-Design eröffnet. Vom Check-In aus gehen die Kleinen ohne lange Wartezeit ins Behandlungs-Cockpit. Nach der Behandlung wartet am Check-Out eine Belohnung vom Kofferband auf sie. „Die Kinder merken, dass hier alles für sie gebaut ist, wie auf einem Spielplatz“, sagt Francesca Agostini. „Das gefällt ihnen so gut, dass manche nach der Behandlung einfach auf dem Stuhl sitzen bleiben.“ Dieser gute Eindruck bleibt auch bei den Eltern haften, die die Kidsdocs dann im Bekanntenkreis empfehlen — das bringt neue Patienten in die beiden Praxen.
Niedergelassene Ärzte, die Patienten aquirieren wollen, dürfen inzwischen auch Marketingaktionen wie Praxisflyer oder Straßenwerbung nutzen. 60 Prozent von ihnen finden Marketing wichtig oder sehr wichtig, das ergab die Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2008“ im Auftrag der Stiftung Gesundheit. Auch das zahnmedizinische Zentrum von Frank Groenke und seinen Partnern setzt auf Marketing. Sie hätten sogar Radiowerbung geschaltet, sagt Groenke. „Es reicht nicht mehr aus, ein Schild an die Tür und einen Stuhl in die Praxis zu stellen, um Patienten zu bekommen.“
Unsere Praxis ist wie ein Spielplatz
Aber auch online müssen die Praxen ganz vorne mitspielen können – nämlich auf den vorderen Ergebnisplätzen der Suchmaschinen. Die Seiten von Kidsdocs und Groenke und Partner haben Agenturen gestaltet, die sich auch darum kümmern, dass die Ärzte schnell im Netz gefunden werden. Physiotherapeutin Sabine Schüler will sich diesen Zwängen nicht unterordnen. Sie macht keine Werbung und hat die Praxis trotzdem voll, denn „ich nehme mir einfach Zeit für meine Patienten und die empfehlen mich weiter“. Auch für eine Webseite will sie weder viel Zeit noch Geld investieren.
Eine Alternative für sie könnte ein Eintrag in einem der Patienten-Infoportale im Netz sein, etwa bei www.imedo.de. Für rund 50 Euro monatlich nimmt das Portal die Daten und Leistungen der Praxis in sein Verzeichnis auf, übernimmt deren Pflege und verlinkt sie auf den Seiten der Kooperationspartner wie Google, GMX oder T-Online.
Tina-Marlu Kramhöller
Aus der Ausgabe 3 / 2009
