Stärken zeigen
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Kunden können in Zukunft ihren Pflegedienst bewerten Foto: Kitty Kleist-Heinrich |
Wenn Medizin mobil Nord ein Problem feststellt, fällt das nicht einfach unter den Tisch. Der ambulante Pflegedienst hat ein eigenes Qualitätshandbuch, eine Art Regelwerk. Schließlich müssen im Pflegealltag viele Dinge beachtet werden. Hat eine Person genug gegessen? Liegt sie bequem? Mit dem Qualitätscheck für die Mitarbeiter liegt das Unternehmen im Trend. Der Gesetzgeber hat sogar entschieden, dass sich in Zukunft alle Pflegedienste einer regelmäßigen Kontrolle unterziehen sollen – und das nach neuen Regeln.
Prüfberichte über Pflegedienste sollen in Zukunft für mehr Transparenz sorgen. Voraussichtlich ab Mai oder Juni prüft der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) jeden ambulanten Pflegedienst in Berlin einmal. Bisher gab es lediglich Stichproben oder Prüfungen bei Verdacht. Ab 2011 sollen die Prüfungen dann jährlich erfolgen. Die Ergebnisse sollen offen einzusehen sein. Per Aushang am schwarzen Brett der Einrichtung aber auch im Internet. Dies schreiben die neuen Rahmenbedingungen für Qualitätsberichte der Pflegedienste und Heime vor, die im Februar in Kraft getreten sind. Grundlage ist das Pflegeweiterentwicklungsgesetz von 2008.
Fast die Hälfte aller Pflegebedürftigen in Deutschland wird von privaten Pflegediensten betreut – Tendenz steigend. Allein in Berlin gibt es etwa 430 ambulante Pflegedienste – davon an die 320 in privater Trägerschaft. Wer soll da den Überblick behalten? Wie können Patienten und Angehörige eine gute Wahl treffen? Eine Hilfe dabei können die öffentlich einsehbaren Qualitätsberichte sein. Der Pflegebedürftige, beziehungsweise die Angehörigen, können sich so informieren und ganz gezielt wählen. Und dabei auch auf die Erfahrungen der Kunden zurückgreifen. Denn die Prüfer nehmen auch ihre Beurteilungen in die Berichte auf.
Entscheidend ist auch, wie die Kunden ihre Pflegedienste einschätzen
„Gerade, dass gefragt wird, wie der Kunde die Pflege empfindet und wie er die Leistungen bewertet, ist entscheidend“, meint Bernd Tews, Geschäftsführer vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Darauf habe der Verband besonderen Wert gelegt. Öffentliche Qualitätsberichte brächten auch den Einrichtungen Vorteile. Sie können so ihre Stärken herausstellen. Natürlich treten auch die Schwächen zu Tage. Medizin mobil-Geschäftsführer Norbert Macia ist sich jedenfalls sicher: „Wir sind auf die Prüfungen gut vorbereitet, weil wir die Qualitätsregeln ernst nehmen. Qualität ist das Lebenselixier ambulanter Pflegestationen.“
Die MDK-Prüfer bewerten vier Bereiche und insgesamt 49 Kriterien mit Noten von sehr gut bis mangelhaft. Der wichtigste Bereich ist die Pflegeleistung. Wird die Pflege sachgemäß ausgeführt? Werden Wunden ordentlich versorgt? Dazu werden ärztlich verordnete Leistungen und die Dienstleistungen der Einrichtung bewertet. Schließlich werden die Kunden direkt befragt. Ihre Bewertung steht gleichwertig neben der Gesamtnote.
Medizin mobil befragt bereits jetzt seine Kunden. Sie können sich äußern, ob sie zufrieden sind, ob die Leistungen ausreichend sind, oder ob sie Hilfsmittel benötigen. Außerdem kontrolliert die Pflegedienstleitung bei einer Visite, ob der Pflegeplan eingehalten wird.
Geschäftsführer: Norbert Macia
Adresse: Tegeler Straße 34,
13353 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 25
Telefon: 030 / 462 49 62
Web: www.medizinmobilnord.de
Im Alltag kann die Dokumentation der Mitarbeiter entscheidend für die betreuten Personen sein. Druckgeschwüre beispielsweise sind in der Pflege ein häufiges Problem. Mit Hilfe der „Braden-Skala“ kann eingeschätzt werden, ob eine Person stark gefährdet ist. Wenn nötig, können Bewegungsübungen gemacht oder eine Physiotherapie verschrieben werden. Wichtig ist abermals, dass dokumentiert wird, wann und wie eine Person gelagert wird und wie viel sie sich bewegt. So sieht der Pflegedienst, ob eine Maßnahme erfolgreich ist und kann sie gegebenenfalls anpassen. Die Pflege ändert sich so fortlaufend. „Das Qualitätsmanagement ist wie ein großer Kreislauf – alles greift ineinander über“, erklärt Qualitätsbeauftragte Franziska Gross.
Derzeit laufen Verhandlungen darüber, dass neben den MDK-Prüfungen bereits bestehende Prüfungen, wie etwa der Pflege-TÜV oder Zertifizierungen nach DIN-EN-ISO-Norm, ebenfalls anerkannt werden können.
Qualitätssicherung ist wichtig. Denn den Prüfern vom MDK kann man nichts vormachen. Zehn Prozent der von einem Dienst versorgten Menschen nehmen sie in Augenschein. Sie wählen nach dem Zufallsprinzip aus, die Pfleger können nicht einfach die gesündesten Pflegebedürftigen vorführen. Wenn die Prüfer am Ende gehen, haben sie sich ein ziemlich gutes Bild machen können – ein Bild das bald jeder sehen kann.
Benedikt Neuroth
Aus der Ausgabe 4 / 2009
