In den Ärmel niesen
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Etwas übertrieben: Auf die Atemschutzmasken können Sie vorerst noch verzichten. Noch wichtiger ist: Immer ordentlich Hände waschen Foto: dpa |
Wenn von der „Saison“ die Rede ist, geht es gewöhnlich um angenehme Dinge: Fußball, Reisen oder Mode. Wenn das Robert-Koch-Institut (RKI) davon spricht, wird es ernst – bisweilen sogar lebensgefährlich. Dann geht es um die Grippewelle, die jedes Frühjahr die Arztpraxen füllt. Diesmal drohte eine dramatische Saison: Auch in Deutschland erkrankten 14 Menschen an der mexikanischen Schweinegrippe. Eine globale Pandemie, vor der die Weltgesundheitsorganisation warnt, ist noch nicht ausgebrochen. Doch Unternehmer sollten die Infektionsrisiken kennen. Denn am Arbeitsplatz sind sie besonders hoch.
Im Betrieb lauern vor allem zwei Gefahren: die Atemwegsviren, zu denen auch der Influenza-Erreger zählt, und die Magen-Darm-Viren, wie das berüchtigte Noro-Virus. „Letztlich besteht überall eine Ansteckungsgefahr“, sagt Wolfgang Panter vom Verband deutscher Betriebs- und Werksärzte. „Es gibt aber besondere Schwerpunkte: Die Türklinken.“ Obwohl Viren außerhalb des Körpers schnell absterben, halten sie sich lang genug, um über Hände weitergereicht zu werden. Der Schlüssel zu niedrigerem Krankenstand ist laut Panter die Hygiene. Er rät Unternehmern, sie im Blick zu behalten, „und zwar das ganze Jahr über“.
Mit einem einzigen Stoß setzen Sie eine unglaubliche Menge von Viren frei
Was man gegen Viren tun kann, hat das RKI auf der Webseite www.wir-gegen-viren.de veröffentlicht. Das beste Mittel gegen Keime besitzt jedes Unternehmen dutzendfach: Waschbecken. „Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig, besonders nach dem Toilettengang“, raten die Infektionsmediziner. Dabei sollten die Hände mindestens 20 bis 30 Sekunden unter fließendes Wasser gehalten werden. Das Berliner Pharma-Unternehmen Bayer-Schering tut noch mehr: „In den Toiletten gibt es neben Seife auch die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren“, sagt Sprecherin Denise Rennmann. Außerdem bietet der Konzern seinen Mitarbeitern spezielle Schulungen zum Thema an.
Dazu zählt auch zu wissen, wie man richtig niest. „Mit einem einzigen Stoß setzen Sie eine unglaubliche Menge von Viren frei“, sagt Experte Panter. Wer höflich ist, hält deswegen die Hand vor den Mund. Das ist nett gemeint, aber ungesund. Besser ist es, in den Ärmel zu niesen. Sonst bleiben die Viren an den Händen kleben und finden von dort den Weg zu Türklinken, Kaffeeautomaten und Computertastaturen.
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www.wir-gegen-viren.de
Noch wichtiger ist es, eine Krankheit nicht im Büro auszukurieren. „Wer Fieber hat, gehört ins Bett“, sagt Panter. Nicht alle befolgen diesen Ratschlag: Seit Jahren melden sich immer weniger Deutsche krank, auch weil sie Angst haben, dadurch negativ aufzufallen. „Doch wenn hierdurch ganze Abteilungen erkranken, schadet dies dem Arbeitgeber mehr als der Ausfall einer Einzelperson“, sagt der Experte.
Einen Mundschutz muss aber niemand kaufen. Erst im Falle einer Pandemie brauche es die Maske, sagt Panter. Er rät Firmen zu einem anderen Schritt: „Sie sollten ihre Mitarbeiter anleiten, zur Schutzimpfung zu gehen. Wenn die Grippe kommt, sind sie vielleicht nicht gegen diese Variante geschützt, aber sie bauen auf jeden Fall eine verbesserte Immunität auf.“ Auf die nächste Pandemiewarnung solle man sich auf jeden Fall vorbereiten und nicht in Sicherheit wiegen. Für diese Saison aber sei das Schlimmste vorbei.
Joachim Telgenbüscher
Aus der Ausgabe 6 / 2009
