Oh Tannenbaum

Jedes Jahr ein logistischer Kraftakt: Berlin maximal schaut hinter die Kulissen des Weihnachtsbaumhandels
Der Trend geht zum Zweitbaum: Vater und Kind beim Tannenkauf Foto: dpa

Alle Jahre wieder suchen Tausende Familien ihren Weihnachtsbaum in einer der Verkaufsstellen im Stadtgebiet. Letztes Jahr wurden in Berlin rund 300 000 Weihnachtsbäume geschmückt. Einer der größtem Anbieter von Weihnachtsbäumen in der Stadt ist das Tannen Paradies. Das Unternehmen teilt sich den Saisonmarkt mit vielen kleineren Einzelhändlern. Außerdem sind in den letzten Jahren auch Baumärkte und Möbelhäuser in das Baumgeschäft eingestiegen. Inzwischen decken sie fünzig Prozent des Marktes ab. Die übrigen fünzig Prozent teilen die Einzelhändler unter sich auf.

„Früher einmal hat der Einzelhandel 100 Prozent Marktanteil gehabt“, sagt Burkhard Brand, Geschäftsführer und Gründer des Tannen Paradies. Heute verkauft er circa 50 000 Weihnachtsbäume in der Saison.

Die Nordmanntanne ist der beliebteste Baum. Er ist weich und nadelt nicht so stark

Das Unternehmen bezieht 80 Prozent seines Christbaumbedarfs aus dem Sauerland und Schleswig-Holstein. Die Regionen gehören zu Deutschlands größten Anbaugebieten. Die übrigen 20 Prozent werden aus Dänemark importiert. Die Böden in Berlin und Brandenburg sind nicht geeignet für den groß angelegten Anbau von Weihnachtsbaumkulturen. Deutschlandweit gibt es 12 000 Produzenten. In der Hauptzeit zwischen November und Dezember beschäftigen sie mehr als 50 000 Saisonarbeiter.

Im Tannen Paradies arbeiten zur Zeit fünf Festangestellte, aber es können auch noch mal rund 15 Hilfsmitarbeiter dazukommen. „Das entscheidet sich eher kurzfristig und je nach Kaufverhalten der Kunden“, erzählt Burkhard Brand. In der heißen Phase zwischen dem vierten Advent und Heiligabend können bis zu 500 Bäume an einem Tag den Besitzer wechseln.

Anders als beim Blumenhandel beziehen die Weihnachtsbaumhändler ihre Ware direkt vom Produzenten, ohne Großmarkt oder Zwischenhändler. Der Einzelhändler begutachtet und sucht jeden Baum für sich beim Produzenten vor Ort aus. Dann schlägt er nochmal 60 bis 80 Prozent auf den Einkaufspreis auf, um die Transport-, Lager- und Personalkosten zu decken. Große Handelsketten hingegen kaufen ein Kontigent an Bäumen, die sie dann fast ohne Preisaufschlag an den Kunden weiterreichen. 

Firmeninfo
| Tannen Paradies GmbH |
Geschäftsführer: Burkhard Brand
Adresse: Röblingstr. 150,
12105 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 5
Telefon: 030 / 706 97 47
Web: www.tannen-paradies.de

Wie schon im letzten Jahr müssen die Verbraucher auch dieses Weihnachten mit einer Preissteigerung rechnen. Eine Nordmanntanne kostet beim Händler zwischen 19 und 24 Euro je laufender Meter. Letztes Jahr lag der Preis noch bei 16 bis 22 Euro pro Meter und Qualität. Das ist eine Preissteigerung von knapp 9 Prozent. Tannen Paradies-Chef Brand erklärt den Preisanstieg mit den gestiegenen Anbaukosten, der großen Nachfrage und den Preisabsprachen der dänischen Produzenten.
 
Vor ein paar Jahren war die Situation noch ganz anders. Damals gab es viel zu viele Bäume für zu wenige Kunden. Die Preise fielen. In der Folge verknappten die Produzenten ihre Anbauflächen. Inzwischen ist die Nachfrage wieder gestiegen, unter anderem durch den großen Ansturm aus Osteuropa. So kurzfristig aber können die Produzenten nicht reagieren. Weihnachtsbäume brauchen fast zwölf Jahre, um sich zu entwickeln. 

Auch Spediteure haben zu Weihnachten Hochkonjunktur. Die Transporte der Bäume müssen frühzeitig in Auftrag gegeben und eventuelle Nachlieferungen schon bedacht und reserviert werden. Bereits Ende Juli hat Burkhard Brand mit den Produzenten die Verträge über Menge, Größe und Qualität seiner ausgesuchten Bäume geschlossen. Auf seinen Verkaufsflächen, die zwischen 5000 bis 10 000 Quadratmeter groß sind, bietet er Blaufichten,Tannen und Kiefern an. „Der beliebteste Baum ist seit jeher die Nordmanntanne, weil sie so weiche Nadeln hat und nicht so schnell kahl wird“, sagt Brand. 

Seit einiger Zeit beobachtet er einen Trend zum Zweitweihnachtsbaum. Viele Kunden kauften zu dem Baum, den sie sich in das Wohnzimmer stellten, noch einen kleineren für das Büro oder Kinderzimmer dazu. Immer beliebter wurden in den letzten Jahren auch Ökobäume. Bei diesen Bäumen verzichten die Forstbetriebe auf Kahlschläge, Düngungen, Entwässerungsmaßnahmen und den Einsatz von Pestiziden. Zu erkennen sind sie am Siegel des Naturland Verbands oder des FSC (Forest Stewardship Council). Burkhard Brand hat die Ökobäume nicht mehr im Programm – seine Produzenten haben den Anbau eingestellt.

Trotz Wirtschaftskrise und Preissteigerung ist er zuversichtlich, dass das Geschäft auch in diesem Jahr gut läuft: „Zu Weihnachten geben die Menschen gerne etwas mehr Geld aus und sparen nicht beim Weihnachtsbaum.“

Judith Ratajczak


Aus der Ausgabe 12 / 2009

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