Sparen statt Kaufen
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Auf Stärken setzen: Der Einzelhandel kann mit einer guten Beratung punkten. Foto: Thilo Rückeis |
Der alte Fernseher tut es noch, und auch eine kaputte Waschmaschine wird einmal mehr repariert statt ausgetauscht. Das Konsumklima hat sich zum Start ins Jahr 2010 leicht abgekühlt. Das Geld sitzt bei vielen längst nicht so locker. Nicht nur die Berliner denken länger darüber nach, bevor sie größere Summen ausgeben.
Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung, kurz GfK, musste der Handel damit im dritten Monat in Folge einen Rückgang hinnehmen. Und das, obwohl die Einkommens- und Konjunkturerwartungen steigen. Ein Grund für das abgekühlte Konsumklima ist, dass viele Verbraucher steigende Strom-, Öl- und Gaskosten befürchten. Hinzu kommt bei vielen immer noch die Angst um den Job. Dadurch wird mehr gespart; ein Phänomen, das besonders im Dezember spürbar war. Die Konsequenz: Der Geldbeutel bleibt zu und der Umsatz aus. Hält der Trend an, wird das Jahr 2010 schwierig für den Einzelhandel – auch in der Hauptstadt.
Das Jahr 2010 wird für den Handel nicht einfacher
Abwarten, meint der Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg. Der Hauptgeschäftsführer, Nils Busch-Petersen, verfolgt die Zahlen natürlich, lässt sich davon aber noch nicht aus der Ruhe bringen. „Stimmen die Prognosen so, trifft das natürlich auch den Einzelhandel in Berlin. Wir beobachten hier in der Region ständig den Arbeitsmarkt. Er ist für uns ein wichtiger und entscheidender Indikator. Bleibt der stabil, können wir optimistisch in das neue Jahr gucken.“ Aber leichter als 2009 wird es garantiert nicht. Nils Busch-Petersen ist sich sicher, dass der Handel erst jetzt die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sehr deutlich zu spüren bekommt. „Die Folgen der Krise wurden in den letzten Monaten durch ganz unterschiedliche Maßnahmen abgefedert. Ein Beispiel dafür ist die Kurzarbeit. Aber das funktioniert auch nicht ewig. Ein Teil davon wird wegbrechen. Ich gehe davon aus, dass das neue Jahr und die nächsten Monate für uns schwieriger werden, wir aber auch vor neuen, spannenden Herausforderungen stehen“, so Nils Busch-Petersen.
Fest steht, die GfK geht in einer aktuellen Studie davon aus, dass der private Konsum stagnieren wird. Ein Fakt, von dem sich Unternehmer Marc Ulrich Stüvecke nicht aus der Ruhe bringen lässt. Er betreibt unter anderem die Babymanufactur in Berlin. Dort verkauft er hochwertige Kindermöbel. Er bietet alles an, von der Babywiege bis zur Wickelkommode und natürlich die dazu passenden Accessoires.
Bei den Prognosen verzieht er kaum eine Miene. „Natürlich ist die aktuelle Situation nicht einfach. Aber wenn ein Unternehmer nichts macht, dann kann wirklich etwas passieren. Es liegt jetzt an uns, die Initiative zu ergreifen.“, sagt Marc Ulrich Stüvecke. Und das macht er intensiv. Direkte und zielorientierte Werbung steht ganz oben auf seiner Agenda für die nächsten Wochen und Monate. „Wir können im Moment so günstig werben wie nie. Das müssen wir natürlich ausnutzen.“, so der Geschäftsmann. Damit sieht er dem neuen Jahr positiv entgegen und denkt sogar darüber nach, neue Mitarbeiter einzustellen.
Adresse: Kant-/Ecke Uhlandstraße,
10623 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 4
Telefon: 030 / 31 80 57 52
Web: www.babymanufactur.com
Der Wettbewerb im Handel wird in den nächsten Monaten deutlich stärker werden – nicht nur in Berlin. Es konzentriert sich viel in großen Shopping-Centern, und selbst die Discounter vergrößern ihre Angebote. Computer, Fernseher, Telefone und selbst Autos gibt es inzwischen nicht mehr nur im Fachhandel. Damit sind alle Bereiche des Einzelhandels von dieser Entwicklung betroffne. Das sieht auch der Berliner Verband. Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen ruft die Händler dazu auf, ihre Stärken noch intensiver in den Vordergrund zu rücken. Eine gute Beratung und der Service machen den Berliner Einzelhandel stark, so sein Credo. „Das können die großen Ketten und Discounter sich nicht leisten. In diesem Bereich müssen wir ansetzen und handeln“, so Busch-Petersen.
Außerdem biete sich in Berlin und im Umland noch eine andere Chance. Der Handel könne in dieser Region verstärkt auf den Tourismus setzen. Eine Möglichkeit, die lange noch nicht ausgereizt sei, so der Einzelhandelsverband. Hier soll in den kommenden Monaten viel Arbeit investiert werden. „Das Wachstumspotenzial ist da. Wir müssen es nur stärker nutzen, und genau daran arbeiten wir. Um nur ein Beispiel zu nennen: Es gibt einen so genannten ‚Runden Tisch‘, der sich regelmäßig zusammensetzt, um diesen Bereich zu optimieren“, sagt Nils Busch-Petersen.
Auch wenn für das Jahr 2010 erneut zur Herausforderung für den Einzelhandel in Berlin wird, den Kopf wird hier niemand so schnell in den Sand stecken.
Sandra Fritsch
Aus der Ausgabe 2 / 2010

