Teil einer Kette sein
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Zufriedener Franchisenehmer: Florian Knott betreibt eine Reno-Filiale in Tegel. Foto: Mike Wolff |
Ein McDonald’s am idyllischen Helmholtzplatz oder ein Burger King am Maybachufer – schwer vorstellbar, das Ganze. Berlin ist für Franchisebetriebe ein schwieriges Pflaster. In die Kieze mit ihren grünen Plätzen und den großen Schaufenstern, hinter denen emsige Individualisten an ihrer Geschäftsidee tüfteln, will das Kettenkonzept nicht so richtig passen. Deshalb drängeln sich Hallo Pizza, Blume 2000, Fressnapf und Co. oft an den großen Einkaufsstraßen. Dennoch sagt Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbandes: „Da gibt es noch Luft nach oben.“ Denn Berlin ist zwar ein weit verzweigter, aber auch ein großer Markt. Besonders in der Gastronomie, mit Schwerpunkt auf regionaler, ökologischer oder vegetarischer Küche und bei Dienstleistungen wie Kinderbetreuung, Haushaltshilfe und Pflege sieht der Verband noch Wachstumschancen.
Gerade in Krisenzeiten ist das Franchise-Konzept für Existenzgründer attraktiv: Der Gründer kann auf eine bekannte Marke und ein bereits erprobtes Geschäftskonzept zurückgreifen – gibt es Schwierigkeiten, kann sich der Gründer auf die Hilfe des Franchise-Gebers verlassen.
Wer allerdings plant, Franchise-Nehmer zu werden, sollte sich gut vorbereiten. Brodersen rät dazu, verschiedene Angebote zu prüfen. „Ich muss mir bewusst sein, dass ich mich vertraglich mehrere Jahre an einen Franchisegeber binde.“ Auch Frauke Bielka, Fachfrau für Franchise bei der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), empfiehlt, sich so gut wie möglich über den potenziellen Franchisegeber zu informieren: „Da dürfen keine Fragen offen bleiben.“ In welcher Branche will ich mein Unternehmen gründen? Ist die Marke in Deutschland bereits etabliert? Wie hoch ist die Konkurrenz in meiner Straße oder meiner Stadt und wie ist die Unterstützung durch den Franchisegeber? Das alles sind Fragen, die der Gründungswillige klären sollte. „Am besten, man geht in schon existierende Geschäfte der Marke, für die man sich interessiert, und fragt dort nach, wie es läuft“, erklärt Bielka.
Franchise-Gründer |
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Der Deutsche Franchiseverband
IHK Berlin
Ansprechpartnerin Frauke Bielka
bie@berlin.ihk.de
Hat man sich entschieden, folgt eine Phase der präzisen Planung und der Marktanalyse. Denn trotz aller Vorteile – die Gründung als Franchisenehmer ist nicht ohne Risiko und sie erfordert finanziellen Einsatz. Die meisten Franchisegeber verlangen bis zu 10 000 Euro Einstiegsgebühren – manche sogar bis zu 60 000 Euro. Dieses Geld bezahlt der Geschäftsgründer für das Recht, den Markennamen und das Konzept des Franchisegebers über mehrere Jahre hinweg zu nutzen. Hinzu kommt eine Investitionssumme von meist bis zu 50 000 Euro, etwa für die Einrichtung des Geschäfts, für die Gewerbeanmeldung und eventuell auch für den Ankauf der ersten Ware. „Für die meisten heißt das, sie haben nur einen Versuch und der muss funktionieren“, sagt Brodersen. Deshalb sollte der Franchisenehmer sich genau überlegen, an welchem Standort er sich niederlässt und ob es dort genügend Nachfrage für sein Produkt gibt. Ein Businessplan kann dabei helfen, das Geschäft noch einmal gut durchzurechnen.
Wer all das beachtet, steht möglicherweise schon bald im eigenen Geschäft – so wie Florian Knott. Der 31-Jährige ging vergangenes Jahr eine Partnerschaft mit der Schuhkette Reno ein und führt seit August eine Filiale in den Hallen am Borsigturm in Berlin-Tegel. Als er sich entschied, Franchisenehmer zu werden, hatte er noch keine bestimmte Marke im Blick. Nur die Branche stand für ihn fest: „Ich wollte gern im Handel tätig sein.“ Knott studierte im Internet verschiedene Franchise-Angebote. Wegen der positiven Berichte anderer Geschäftsgründer fiel seine Wahl auf Reno. Er bewarb sich und durchlief ein Auswahlverfahren. Anschließend bildete Reno ihn drei Monate aus. „Kaufmännische Grundkenntnisse, Teamfähigkeit, Verkaufsgeschick und ein Gespür für Mode und Schuhe sind die Voraussetzungen, die Reno von seinen Partnern erwartet“, sagt Thorsten Wrage, Leiter Franchise bei Reno. Als Einstiegsgebühr bezahlt ein Gründer 7000 Euro plus Mehrwertsteuer.
Knott ist zufrieden mit seinem Geschäft, und die Chancen auf längerfristigen Erfolg stehen nicht schlecht. Laut einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages liegt die Quote der Geschäftsaufgaben bei Franchisenehmern im ersten Jahr bei acht Prozent. Danach sinkt sie nahezu auf Null. Von den traditionellen Existenzgründern geben immerhin 70 Prozent in den ersten fünf Jahren auf.
Ulrike Thiele
Aus der Ausgabe 4 / 2010
