Aus dem Netz in den Laden
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Zwei Standbeine: Bei Mytoys.de kann man im Internet und im Geschäft einkaufen. Foto: promo |
Laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) kaufen 53 Prozent aller Deutschen regelmäßig online ein. „Vor allem Berufstätige wissen es zu schätzen, dass sie durch Online-Shopping Kaufhausbesuche und Zeit sparen können“ sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Das Internet wird als Einkaufswelt immer beliebter. Kein Wunder, dass nicht nur Versandhändler und Verkaufs- und Versteigerungsportale im Netz Ware anbieten, sondern auch kleine und mittelständische Anbieter.
Auch das Berliner Spielzeugportal Mytoys.de ist dabei. Mit Erfolg. Innerhalb von zehn Jahren ist das mittelständische Unternehmen kräftig gewachsen. 1999 begannen die Gründer mit 30 Mitarbeitern, heute sind es mehr als 250. Im Gründungsjahr gab es auf dem Portal 5000 Produkte, heute umfasst das Sortiment mehr als 100 000 Puppen, Autos, Gummistiefel, Produkte für Schwangere und den Haushalt.
Ich wollte Baby- und Kindersachen bequem im Netz einkaufen
Im Geschäftsjahr 2008/2009 erzielte die Firma einen Bruttoumsatz von mehr als 150 Millionen Euro. Seit 1999 hat Mytoys.de mehr als zehn Millionen Pakete verschickt. „Unser zehntes Jahr ist unser bisher erfolgreichstes gewesen“, sagt Geschäftsführer Oliver Lederle. Trotz Wirtschaftskrise ist der Umsatz der Berliner im Geschäftsjahr 2009/2010 zweistellig gewachsen.
Lederle wollte sich mit der Geschäftsidee eigentlich den Alltag erleichtern. 1999 war seine Tochter zwei Jahre alt. „Mitten im New Economy-Hype kümmerte ich mich um Kita-Anträge, Windelnachschub und Lernspiele für meine Tochter. Es ärgerte mich, dass es für alle Bedürfnisse Adressen und Hilfen im Web gab – nur für junge Familien nicht. Für jeden Schnuller und jedes Milchpulver musste ich lange Wege zurücklegen. Ich wollte Baby- und Kindersachen bequem im Netz einkaufen, bei seriösen Händlern in Deutschland oder Europa. Doch das ging nicht.“
Diese Marktlücke wollte der Jungvater schließen. Er fand schnell Partner und Mitarbeiter, die mithalfen, aus der Idee ein Geschäftsmodell zu formen. Und er fand Kapitalgeber, die sich langfristig engagieren wollten. Wichtigste Stütze ist die Otto Group, die seit 2000 mit 74,8 Prozent beteiligt ist. „Ein absoluter Glücksgriff“, sagt Lederle. „Mit 60 Jahren Erfahrung im Distanzhandel hat uns Otto das Know-how geliefert, das wir brauchten, um auch nach dem Platzen der New Economy-Blase zu bestehen.“ So half der Hamburger Konzern zum Beispiel bei den Strategien für die Bereiche Einkauf, Logistik und Kundenbeziehungen.
Mit seinem Sortiment liegt Mytoys.de im Trend. Für Waren, „die man aus dem stationären Einzelhandel kennt“, sagt Marcel Bertsch vom Bitkom, seien die kräftigsten Steigerungsraten zu erwarten. Selbst Lebensmittel und Schnittblumen hätten gute Wachstumspotenziale.
Das Unternehmen sucht für IT und Einkauf mehrere Mitarbeiter
Geschäftsführer: Oliver Lederle,
Virpy Richter, Alexander Lederle
Adresse: Bergmannstraße 72,
10961 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: mehr als 250
Telefon: 01805 / 69 86 97
Web: www.mytoys.de
Das befürchtete Sterben des traditionellen Einzelhandels bedeutet das nicht zwangsläufig. Viele Händler haben die Herausforderung angenommen und nutzen das Web als zweites Standbein. Im Laden an der Straße kann man die Waren anfassen und ausprobieren, die Bestellung macht man bequem mit dem Laptop auf der heimischen Couch. Bitkom rät Einzelhändlern, sich auf jeden Fall einen Online-Auftritt zuzulegen: „Das Mindeste ist eine Homepage, auf der das Geschäft sich präsentiert.“
Auch Mytoys.de setzt auf den traditionellen Laden und hat heute zehn Geschäfte in verschiedenen Städten, darunter eine Prozente-Filiale in den Neuköllner Arkaden. Seit 2007 verschickt Mytoys.de auch einen Katalog.
Der Standort Berlin hat sich für das Unternehmen als ideal erwiesen. „Kreative Köpfe und eine gute Erreichbarkeit sind für ein Start-up wie die Luft zum Atmen“, sagt Lederle. Und Kreative gebe es in Berlin wie Sand am Meer. Dass das Unternehmen gut durch die Krise gekommen ist, erklärt der Firmenchef damit, dass Eltern bei ihren Kindern als Letztes sparen.
Mytoys.de hat sich für weiteres Wachstum gerüstet: Im Herbst 2009 bezog die Firma in Kreuzberg neue Räume. Außerdem eröffnet es im Sommer ein modernes Logistikzentrum mit 19 000 Quadratmetern im hessischen Langenselbold bei Frankfurt. „Auch hier setzen wir auf Synergien mit einem großen Versandspezialisten“, sagt Lederle. Das Lager teilt sich Mytoys.de mit dem Versandhaus Schwab.
Für die Zukunft erwartet Lederle eine ähnliche Dynamik wie in den zurückliegenden Jahren: „Wir haben im Herbst letzten Jahres unseren französischen Online-Shop gestartet und blicken gespannt auf die ersten Umsätze. Wachsen wollen wir auch in anderen europäischen Ländern.“
Anja Steinbuch
Aus der Ausgabe 5 / 2010
