Schnäppchen aus dem Netz

Couponing heißt der neueste Trend des virtuellen Handels. Im Internet gibt es für Kunden Rabatte – etwa für den Besuch im Restaurant
Mengenrabatt: Wenn genügend Nutzer im Internet zuschlagen, gilt das Angebot. Foto: Mike Wolff

Andreas Möllermann ist zufrieden. „Eine gute Werbung, normalerweise kostet sie, hier war sie umsonst.“ Für sein Restaurant Andy’s Diner am Potsdamer Platz hat er etwas Neues ausprobiert: Groupon-Shopping, auch Couponing genannt. Er hat auf der Internetseite eines entsprechenden Anbieters 24 Stunden lang Gutscheine für sein Restaurant verkauft. Cheeseburger, Pommes und Krautsalat für 4 Euro statt 8,50 Euro. 395 Kunden griffen zu, anvisiert hatte Möllermann zwischen 150 und 200.

Groupon ist eine Wortmischung aus Coupon und Gruppe. Sparfüchse können im Internet Rabatte abstauben, wenn sie andere Gleichgesinnte finden. Sie sparen oft 50 Prozent und mehr, allerdings kommt der Deal nur zustande, wenn eine Mindestanzahl an Kunden zuschlagen.

Die Groupon-Welle ist Anfang 2010 in Deutschland angekommen. Citydeal und Dailydeal sind die bekanntesten Anbieter. Beide wurden in Berlin gegründet und sind schnell gewachsen. Vorbild für die deutschen Unternehmen ist die amerikanische Internetseite www.groupon.com. Laut dem Ranking des Markt- und Medienforschungsunternehmen Nielsen von Ende April ist Citydeal der größte Groupon-Shopping-Anbieter auf dem deutschen Markt. Im März hatte die Firma mehr als 1,5 Millionen Nutzer. Mitte Mai hat nun die US-Firma Groupon, Citydeal gekauft. In den nächsten Monaten wird der Berliner Betrieb entsprechend umbenannt.

Zielgruppe - Die Kunden sind Besserverdiener mit höherem Bildungsabschluss

Auf den Internetseiten wird täglich ein Deal für die größten deutschen Städte angeboten, für Freizeitaktivitäten oder für Gastronomiebesuche. Das Restaurant, Spa oder der Sportanbieter legt dabei die Mindestanzahl fest, es können zum Beispiel nur drei oder über 20 sein. „Es ist eine Plattform, um neue Dinge auszuprobieren“, erklärt Daniel Glasner, einer der Gründer von Citydeal. „Zum einen ist es das Interesse an den Angeboten, zum anderen wird durch die Mindestanzahl ein Spannungsbogen aufgebaut. Es ist für die Kunden ein Anreiz, ihre Freunde einzuladen, beim Bieten mitzumachen“, sagt Glasner. Dabei wird darauf geachtet, dass die Angebote der Zielgruppe entsprechen: Das sind Kunden zwischen 20 und 45 Jahren, die einen höheren Bildungsabschluss haben und zu den Besserverdienern gehören. 

„Kooperationspartner können durch uns mit geringem Aufwand so einfach neue Kunden gewinnen und bekommen kostenlose Online-Werbung“, erklärt Fabian Heilemann, der Gründer des Konkurrenten Dailydeal. Aus einem Studien-Aufenthalt an der Universität Stanford hat er die Idee für die Internetplattform mitgebracht. Ihm sei es besonders wichtig, Angebote zu entwickeln, die nachhaltig Kunden binden. Dabei werden gezielt soziale Netzwerke genutzt, um Interessenten anzusprechen. Auf www.citydeal.de und www.dailydeal.de können Seitenbesucher das Angebot Freunden twittern oder auf Facebook eine Nachricht schreiben. Auch wird lokalbezogene Werbung auf den Seiten der sozialen Netzwerke geschaltet.

Firmeninfos
| Citydeal |

Beide Unternehmen suchen Mitarbeiter im Außendienst

Adresse: Rosenstraße 17,
10178 Berlin
Telefon: 030 / 577 98 74 72
Web: www.citydeal.de

Dailydeal
Adresse: Saarbrücker Str. 36,
10405 Berlin
Telefon: 030 / 233 29 37 00
Web: www.dailydeal.de

Für Möllermann von Andy’s Diner war die Teilnahme ein Test. Sein Laden zieht vor allem Touristen an, mit der Aktion wollte er jetzt speziell Berliner gewinnen. Er hat vor, in Zukunft wieder einen Deal anzubieten. Möllermann überzeugte, dass er im Vergleich zur üblichen Werbung, wie zum Beispiel durch Flyer, hier ganz punktuell und kalkulierbar Kunden ansprechen konnte. Beim nächsten Mal will der Geschäftsinhaber die Laufzeit der Gutscheine verkürzen, um noch besser planen zu können. „Unternehmen können direkt sehen, wie viele Neukunden aufgrund der Aktion gewonnen werden“, sagt Heilemann. Dabei haben die Firmen die Möglichkeit, die Gutscheine ihren Bedürfnissen anpassen. „In den Zeiten, in denen sie Auslastungsprobleme haben, zum Beispiel im Mittagsgeschäft, können wir ihnen gezielt helfen“, sagt Heilemann. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Angebote nicht zu stark eingeschränkt werden und weiterhin attraktiv bleiben.

„Wie viele zugreifen, schwankt stark, mal sind es nur 30 Kunden, in den Spitzen können es auch bis zu 8000 Verkäufe an einem Tag sein“, sagt Heilemann. Die Unternehmen müssen jedoch keine Angst haben, auf ihren Kosten sitzen zu bleiben. Das System funktioniert so, dass sie nicht im Voraus zahlen, sondern pro verkauftem Gutschein. Die Provision wird individuell ausgehandelt. Olga Kofmann zahlte 20 Prozent. Die Geschäftsführerin eines Beauty und Health Centers am Kurfürstendamm war mit dem Ergebnis des Couponings so zufrieden, dass sie schon vier Mal bei Dailydeal ein Angebot für Pediküre und Maniküre geschaltet hat. Durch die Aktionen habe sie sogar einen Gewinn erzielt, trotz Rabatt. „Die Masse hat es gemacht.“

Svenja Markert


Aus der Ausgabe 6 / 2010

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