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Worauf es ankommt: Eine gut sortierte Auswahl an Büchern und eine kluge Onlinepräsenz Foto: Kai-Uwe Heinrich |
Die Bücherstube „Marga Schöller“ in Charlottenburg ist eine traditionsreiche. 1929 gründete die damals 24 Jahre junge Marga Schöller das Geschäft am Kurfürstendamm, bis heute ist es in Familienbesitz. Zwar zog der Laden in den 70ern etwas weiter in die Knesebeckstraße – doch der historische Charme ist geblieben. „Vorbildlich“, sagt Detlef Bluhm, Sprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Berlin-Brandenburg. Allerdings spricht Bluhm nicht von vorbildlicher Nostalgie. Sondern von einer vorbildlichen Internet-Strategie bei der altehrwürdigen „Marga Schöller“.
Seit einem halben Jahr ist es möglich, hier rund 400 000 Bücher, DVDs und Hörbücher per Mausklick zu bestellen, sagt Co-Geschäftsführerin Ruth Klinkenberg. Der Bücher-Grossist Umbreit stellt die Plattform für eine Jahresgebühr von 240 Euro zur Verfügung. Die standardisierte Seite wird optisch auf die Buchhandlung zugeschnitten. Viel wichtiger aber ist: Die Stammkunden müssen nicht zu Amazon abwandern. Noch sei die Bedeutung des Onlinehandels für ihre Buchhandlung zwar marginal, sagt Klinkenberg. „Aber es wird sicher wachsen, und wir werden das ausbauen.“
Unter dem Internet leiden vor allem die grossen Buchhandlungen
Die Bücherstube ist exemplarisch für Berlin: Ladenbetreiber entdecken das Internet für sich. Und damit ein Vertriebssystem, das vielen Traditionalisten lange Zeit als nahezu todbringend galt. Das Netz, so deren Argumentation, hole den Kunden von der Straße und zerstöre damit den stationären Handel. Zu dieser These scheint zu passen, dass Ende September die traditionsreiche Heinrich-Heine-Buchhandlung in Mitte schließen musste und der Gigant Hugendubel ankündigte, seine Filiale in der Tauentzienstraße aufzugeben. Doch von einem einheitlichen Trend kann man deswegen noch lange nicht sprechen, sagt Börsenvereins-Sprecher Bluhm. „Unter dem Internet leiden vor allem die großen Buchhandlungen.“ Weil viele Kunden in den Bücherläden mit Warenhaus-Charakter keinen Mehrwert mehr erkennen können. Alle Vorteile – ein umfassendes Sortiment an einem Fleck, kurze Wege, schnelle Verfügbarkeit – finden sie genauso im Internet und können dabei auf eine stressige Shoppingtour verzichten. Als auf die Straße gebrachtes Amazon ziehen Hugendubel und Co. damit zwangsläufig den Kürzeren. „Und das ist die Chance für die kleinen Händler“, so Detlef Bluhm.
Giesebrechtstraße 18 | 10629 Berlin
Umsatz: noch keine Erstjahresbilanz vorhanden
Mitarbeiter: 2
Telefon: 030 | 80 57 86 77
Web: www.buchhandlungwinter.de
Bücherstube „Marga Schöller“
Geschäftsführer: Ruth Klinkenberg und Thomas Rodig
Knesebeckstraße 33 | 10623 Berlin
Umsatz: 650 000 Euro pro Jahr
Mitarbeiterzahl: 8
Telefon: 030 | 881 11 12
Web: www.margaschoeller.de
Denn diese bieten jenes Alleinstellungsmerkmal, nach dem viele Kunden suchen. Neugründungen von kleinen Kiezläden in Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Neukölln zeugen davon ebenso wie die Buchhandlung Winter. Kürzlich zeichnete das Fachmagazin „Buchmarkt“ das im Oktober vergangenen Jahres in Charlottenburg eröffnete Geschäft als „Newcomer des Jahres“ aus. Begründung: Geschäftsführerin Almut Winter setze auf ein ausgewähltes Buchsortiment und halte den Non-Book-Bereich, der bei den Großen immer mehr an Bedeutung gewinnt, bewusst klein. Der Verzicht auf Non-Book war nicht Grundidee der Geschäftsgründung. „Es hat sich nur schnell herauskristallisiert, dass die Kunden dies bei uns nicht suchen.“ Denen sei eine gut sortierte Auswahl wichtig. Auf ein modernes Vertriebssystem und einen Online-Shop setzt Almut Winter aber auch.
Genauso wichtig wie eine gute Onlinepräsenz könnte der Vertrieb von E-Readern werden. Diese eignen sich nämlich hervorragend zur Kundenbindung, so Detlef Bluhm, der auf das Angebot der Börsenvereinstochter Marketings- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH verweist. Über diese können Buchhändler seit Neuestem E-Reader beziehen, die dann für 100 Euro an den Kunden gebracht werden. Das Geschäft ist dabei nicht der Verkauf der Reader selbst, sondern deren Vorkonfiguration: Möchte der Kunde über den E-Shop ein digitales Buch bestellen, tut er dies automatisch über den Händler, bei dem er seinen Reader erworben hat. Die Gewinnmarge für den Händler liegt bei rund 20 Prozent.
Thomas Trappe
redaktion@berlin-maximal.de
Aus der Ausgabe 12 / 1 / 2012
