Wustermark

Mode aus dem Musterdorf

In Wustermark entsteht das erste Outlet für Designermode in der Region. Dafür wird ein Fassadenstädtchen errichtet
Wie Brandenburg, nur neuer: Design-Verkauf im Outlet-Dorf Wustermark Foto: promo
Noch kann man sich das mit dem brandenburgischen Dorf nicht vorstellen: Auf der Baustelle in Wustermark stehen dicht nebeneinander gleichförmige Betonträger im märkischen Sand, die eher auf den Neubau einer Industriehalle schließen lassen als auf dörfliche Idylle. Bald wird es hier aussehen wie in einem Städtchen: Mit Fachwerkhäusern, kleinen Katen und preußischer Landhausarchitektur. Längs der gepflasterten Hauptstraße sollen sich unterschiedliche Fassaden mit Türmchen, Erkern und Balkonen aneinanderreihen – so als sei der Ort vor langer Zeit entstanden.

Wohnen wird hier allerdings niemand. In das potemkinsche Dorf ziehen im nächsten Jahr Modemarken ein. Dazu gehören Sport- und Lifestyle-Firmen wie Nike und Adidas sowie nationale und internationale Designermarken wie Hugo Boss und Tommy Hilfiger. Künstliche Shopping-Dörfer kennen Berliner und Brandenburger bisher nur aus fernen Ferienorten, die britische Firma McArthur Glen bringt das erste derartige Center in die Region.

Schon im Mai 2009 sollen ausgewählte Mieter aus dem jetzigen B5-Outlet-Center in die Neubauten umziehen. Dann wird das an ein schmuckloses Parkhaus erinnernde Gebäude abgerissen und dort der zweite Teil des insgesamt 19 000 Quadratmeter großen Outletdorfes gebaut. In zwei Jahren sollen alle 120 Geschäfte sowie die Kinderbetreuung und Gastronomie geöffnet sein.

Seit 2006 betreibt McArthur Glen das B5-Center. Es  ist eines von 17 Outletcentern der Firma in Europa. Die Erwartungen in das Berliner Projekt, dem ersten auf dem deutschen Markt, sind groß: Wenn es nach McArthur Glen und dem britischen Immobilieninvestor Henderson ginge, soll Wustermark zu einem zweiten Roermond werden. Dort steht die größte Outletstadt von McArthur Glen auf dem europäischen Festland. In der niederländischen Grenzstadt beträgt die  durchschnittliche Aufenthaltsdauer drei bis vier Stunden. Allein am Tag der Deutschen Einheit gingen dort mehr als 30 000 Deutsche shoppen.

Firmeninfo
| B5 Center |
Bis 2010 sollen 600 neue Stellen entstehen, vor allem im Verkauf

Center Manager: Christian Trappmann
Adresse: Alter Spandauer Weg 1, 14641 Wustermark
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 400
Telefon: 0332 / 34 90 40
Web: www.b5center.de

In Deutschland hat das Outletcenter dagegen noch keinen besonders guten Ruf. „Viele haben den verschnittenen Dolce & Gabbana-Anzug aus einer zehn Jahre alten Kollektion im Kopf, den es in den innerstädtischen Outlets gibt“, sagt Guido Assmann, Marketingmanager für Deutschland und Holland bei McArthur Glen. Geschäfte mit einem Sammelsurium verschiedener Marken soll es im neuen brandenburgischen Designer-Outlet nicht geben: „Monoshops sind die Zukunft.“ Schon jetzt versucht der Vermieter die Multilabelstores durch einzelne Marken zu ersetzen.

Die Investoren sehen die 5,6 Millionen im Umkreis von 90 Minuten lebenden Berliner und Brandenburger ebenso als potenzielle Kunden wie die Hauptstadttouristen.  Dafür müsste allerdings die Anbindung verbessert werden: Auch wenn es nur 15 Kilometer hinter der Berliner Stadtgrenze liegt, gut zu erreichen ist das B5-Center nur mit dem Auto. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, dafür viele Parkplätze. Shuttlebusse von den großen Berliner Hotels und Bahnhöfen direkt in die Wustermark sind deshalb in Planung.

Wir ersetzen Multilabelstores durch Monoshops – denen gehört die Zukunft

Dass viele Einzelhändler in den Städten nicht gerade glücklich über die Konkurrenz auf der grünen Wiese sind, ist klar. Guido Assmann versucht, zu beruhigen: „Es wird nur Ware aus dem Vorjahr, aus Überschussbeständen und Musterkollektionen verkauft“, verspricht er. Außerdem würden Abmachungen getroffen, welche Produkte nicht verkauft werden, weil sie für die heimische Wirtschaft wichtig sind: In Roermond etwa sind das Möbel und Pflanzen.

1000 Arbeitsplätze sollen im neuen Designer-Outlet entstehen, zurzeit sind es 400. Zur Grundsteinlegung Anfang Oktober kamen dann auch nicht nur Lokalpolitiker, sondern auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck. Der betonte, wie wichtig es sei, dass die Leute ihr Geld in seinem Land ausgeben. Dass man auf die regionalen Begebenheiten eingeht, findet Guido Assmann wichtig. Wie auch in Roermond, soll es in der Wustermark viele Marken geben, die vor allem auf dem deutschen Markt bekannt und beliebt sind.

Der Centermanager der nur 16 Kilometer entfernten Spandau-Arcarden sieht den Ausbau des Outlets dagegen kritisch: „Das ist erst einmal eine Konkurrenz, sowohl für die Spandau-Arcaden in Berlin als auch für das brandenburgische Einkaufszentrum Havelpark“, sagt Volker Ahlefeld. „Aber wir grenzen uns mit Aktionen wie der Präsentation aktueller Mode und Weihnachtsdekoration ab. Außerdem müssen wir nicht nur über den Preis konkurrieren.“ 

Grit Thönissen


aus Ausgabe 9/2008 
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