Starthilfe vom Staat
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Hochbetrieb auf dem Schrottplatz - wo sich pämienberechtigte Autos stapeln. Foto: ddp |
Achtung. So einfach kann‘s gehen“, wirbt Eduard Winter. „Sie kommen zu uns – wir erledigen alles.“ Die Umweltprämie von 2500 Euro für Altautos elektrisiert auch Berlins größten Volkswagen-Händler. Was vor Wochen noch einem Kraftakt glich, wird plötzlich ganz einfach: neue Autos verkaufen. Die Kundschaft muss nur einen mindestens neun Jahre alten Gebrauchten verschrotten lassen und einen Neu- oder Jahreswagen bestellen – fertig! „Es ist eine Menge los bei uns im Moment“, freut sich ein Winter-Händler. Beratungsgespräch? Probefahrt? „Nur nach Terminabsprache, bitte.“ Wer jetzt einen VW-Kleinwagen bestellt, muss bis zu vier Wochen länger als gewöhnlich warten.
Ähnliches ist bei Auto Weller in der Franklinstraße, dem größten Toyota-Autohaus Europas, zu hören: „Sichern Sie sich 2500 Euro Abwrackprämie vom Staat und fahren Sie einen brandneuen Toyota Aygo schon ab 77 Euro im Monat.“ Die Branche lebt auf: Opel und VW fordern eine Verlängerung der Prämie, Ford registrierte eine Vervierfachung bei den Bestellungen für die Kleinwagen Ka, Fiesta und Fusion. Selbst Mercedes, Audi und BMW geben sich optimistisch: „Die Interessenten sind jetzt im Autohaus“, heißt es bei BMW. „Wir rechnen damit, dass ab Februar mehr passiert.“ Ob die offenbar zahlreichen Interessierten aber tatsächlich ein neues Auto kaufen, bleibt vorerst Gegenstand von Spekulationen.
Es ist eine Menge los bei uns im Moment. Probefahrt? Nur nach Terminabsprache
Belastbare Zahlen liefert erst die Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) in einigen Wochen. Immerhin gibt es Trendaussagen: Laut Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) erwerben 80 Prozent der Käufer, die die Prämie in Anspruch nehmen, einen Neuwagen. Die Kunden bezahlten im Schnitt zwischen 10 000 und 12 000 Euro. Bei den Jahreswagen betrage die Preisspanne 15 000 bis 18 000 Euro. Autohändler sind also gut beraten, aus der staatlichen Starthilfe Kapital zu schlagen. Wer es geschickt anstellt, kann dabei bisher gewährte Rabatte zurückschrauben. Experten glauben, dass dies bei Fahrzeugen bis 15 000 Euro gut möglich ist. Nachteil für die Kunden: Sie müssen genauer nachfragen, ob herkömmliche Preisnachlässe durch die Abwrackprämie heimlich gestrichen werden.
Der Spielraum für die Händler ist aber offenbar begrenzt. Während das Rabattniveau ohne die Abwrackprämie im Januar bei 16,5 Prozent lag, schätzt der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer die Zahl für Anfang Februar auf 19 Prozent – inklusive Prämie und Steuervorteile. Er glaubt, dass sich im Moment im Autohandel gute Schnäppchen machen lassen. Genau das könnte vielen Händlern jetzt helfen: Weil ihre Preis- und Sonderaktionen in der Vergangenheit die Kunden nicht aus der Reserve locken konnten, liefert jetzt die Umweltprämie ein neues Argument.
Kaum ein Händler oder Hersteller, der deshalb nicht mit der Abwrackprämie wirbt: „Umweltbewusstsein wird jetzt prämiert“, heißt es bei VW. Bis zu 4000 Euro Preisnachlass legt VW nach Angaben der Zeitschrift „auto motor und sport“ zusätzlich zur Umweltprämie drauf. Das Angebot gilt für den Familienwagen Touran. Beim neuen Golf beträgt die zusätzliche „VW-Umweltprämie Plus“ 2000 Euro.
Solche Botschaften kommen gerade bei Kleinwagenkäufern an. Laut Kraftfahrtbundesamt gab es bei Kleinstautos im Januar einen Verkaufsboom. Ist das ein Strohfeuer auf dem schwachen deutschen Automarkt? Oder zieht die Nachfrage jetzt richtig an, so dass der Prämientopf schnell zur Neige geht?
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Web: www.eduard-winter.de
Der Bundesverband freier Kfz-Händler erwartet, dass die für die Prämie reservierten 1,5 Milliarden Euro schnell verteilt sind. Der ZDK verlangt eine Garantie: Bereits bei Abschluss eines Kaufvertrags soll die Prämie für den Autokäufer reserviert werden. Die Einschätzungen gehen aber selbst im ZDK weit auseinander. So glaubt der Präsident des Landesverbandes Berlin-Brandenburg, Hans-Peter Lange, nicht, dass die Mittel komplett ausgeschöpft werden. „400 000 von 600 000 möglichen Anträge werden bearbeitet – mehr nicht“, sagt er. Zuletzt hatte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle 60 730 Anträge bearbeitet.
Auch die Befürchtung mancher Händler, es könne nach der Verschrottung hunderttausender älterer Autos einen Engpass für Gebrauchte geben, wird vom ZDK nicht geteilt. In den vergangenen Jahren sei das Durchschnittsalter der zugelassenen Autos kontinuierlich gestiegen auf inzwischen rund acht Jahre. Zuletzt wurden etwa 6,1 Millionen Gebrauchtwagen im Jahr verkauft – davon waren etwa eine Million älter als neun Jahre.
Henrik Mortsiefer
Aus der Ausgabe 3 / 2009
