Werbung to go

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft möchte das Funknetz in der Innenstadt ausbauen – das bietet Chancen für Händler
Kunden am Ku'damm können sich Werbebotschaften aufs Handy schicken lassen. Foto: Kai-Uwe Heinrich


Tauchreisen in der Windscheidstraße, Shopping-Events im Europa-Center oder Mieträder in der Goethestraße – Angebote wie diese bekommt man auf sein Handy geschickt, wenn man über den Ku’damm schlendert und zuvor zugestimmt hat, solche Werbe-Informationen über die Bluespot-Sendestationen des Außenvermarkters Wall AG empfangen zu wollen. Das ist weniger kompliziert, als es klingt. Und in  Zukunft soll es für den Handel noch leichter werden, auf interessante Angebote aufmerksam zu machen. Denn Berlin will im Innenstadtbereich von City West und City Ost möglichst bald ein kostenloses Funkinternet mittels Wireless-Lan aufbauen.

Vorerst ist ein zeitlich befristetes Pilotvorhaben von voraussichtlich dreimonatiger Dauer vorgesehen. In diesem Pilotbetrieb – der Starttermin steht noch nicht fest – will die Wirtschaftsverwaltung zusammen mit interessierten Unternehmen prüfen, wie sich ein solches Netz technisch und finanziell betreiben lässt. Danach erfolgt die übliche Ausschreibung, um einen Partner für den dauerhaften Betrieb zu finden. Fest steht im Moment allerdings nur, dass es keine öffentlichen Mittel für das Funknetz geben soll. Somit muss sich das Projekt selber tragen. Und weil es für die Nutzer kostenlos sein soll, ist es also auf Werbeeinnahmen angewiesen.

Wir haben die Logistik dafür bereits auf der Straße stehen

Die Wall AG kann inzwischen auf vier Jahre Erfahrung mit ihrem kostenlosen Bluespot-Funkinternet an Ku’damm und Tauentzien zurückblicken. Um sich von unterwegs anzumelden, wählt man das Netz „bluespot-kostenlos“ aus und wird mit der Webseite www.bluespot.de verbunden. Dort gibt man seine Handy-Nummer an und erhält eine SMS mit dem Code für eine Stunde kostenloses Surfen im Internet.

Die Wall AG und die Werbekunden profitieren davon, dass die Surfer zumeist einen Teil der Zeit im „ersten Internetportal der Außenwerbung“ verbringen, wie es im Unternehmen genannt wird. Dort gibt es Veranstaltungshinweise oder Coupons und Gutscheine der Werbepartner. Interessant macht diese Werbeform das Prinzip der Location Based Services. Der Nutzer soll dabei immer nur Werbung von Geschäften oder Dienstleistern erhalten, die sich in unmittelbarer Nähe befinden.

Mit diesem Konzept will die Wall AG auch in die Gespräche mit der Wirtschaftsverwaltung über das neue Kostenlos-Internet per Funk gehen. Das Bluespot-Angebot betrachtet die Wall AG eher als Geschenk an die Stadt, als „Add-on“, wie Sprecherin Beate Stoffers es nennt. Die Werbung bringt zwar durchaus Geld in die Kasse, unterm Strich ist es ein Zuschussgeschäft.
Dennoch sieht man sich gut gerüstet, nicht nur den Ku’damm, sondern auch Unter den Linden und die Friedrichstraße mit Wireless-Lan zu vernetzen. „Wir haben mit Plakatvitrinen, Wartehäuschen und Litfaßsäulen die Logistik bereits auf der Straße stehen“, sagt Stoffers. Die nötige Technik und die Antennen lassen sich unauffällig in den Stadtmöbeln integrieren. Man könne im Prinzip sofort loslegen.

Firmeninfo
| Globe City Studio GmbH |
Geschäftsführer: Gottfried Kupsch
Adresse: Tauentzienstraße 9,
10789 Berlin
Umsatz: k.A.
Mitarbeiter: 10
Telefon: 030 / 230 96 50
Web: www.globe-media.de

Mit Werbung für die verschiedenen Berliner Arbeitsgemeinschaften kennt sich auch Boris Kupsch aus. Aus seinem Büro in der vierten Etage des Europa-Centers hat er einen eindrucksvollen Blick auf die Tauentzienstraße, den Kurfürstendamm und die Gedächtniskirche. Sein Geschäft sind die Portale kurfuerstendamm.de, berlin-mitte.com und schlossstrasse.de in Steglitz. Wer sich für sein Werbepaket – Jahrespreis rund 800 Euro – entscheidet, kann dafür erwarten, dass neue Angebote oder andere Veränderungen während der normalen Bürozeiten eine Stunde später im Netz stehen. 800 Werbepartner zählt Kupsch derzeit. Mit 500 Portalteilnehmern sitzt das Gros an Ku’damm und Tauentzien. Auch bei den Seitenabrufen liegt die City West mit zwölf Millionen weit vorn. Berlin-Mitte kommt auf vier Millionen, die Schlossstraße auf 500 000.

Von einem freien Funk-Internet erwartet sich Kupsch vor allem ein zusätzliches Kaufargument – sowohl für sein Portal als auch für den Handel selbst. Dabei zeigt er auf das vor ihm liegende iPhone. Mehr noch als bei anderen Smartphones wie beispielsweise dem G1 von Google ist das kultige Apple-Handy der geeignete mobile Shopping-Agent, meint er. „Wir werden noch in der ersten Jahreshälfte eine Applikation für das iPhone fertigstellen, mit dem unsere Shopping-Webseiten für den Handy-Bildschirm aufbereitet werden“, sagt Kupsch. 

Für die Werbetreibenden sollen damit keine Mehrkosten verbunden sein. Wichtig ist vielmehr, auf sich aufmerksam zu machen. „Egal, worum es geht: Die aktiven sind immer auch die erfolgreichen Geschäftsleute“, sagt Kupsch.

Kurt Sagatz


Aus der Ausgabe 4 / 2009

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