Innovation aus Tradition

Vor 100 Jahren wurde in Adlershof die Luftfahrt geboren – der Technologiepark hat das erfinderische Erbe bis heute bewahrt
Innovative Architektur: Der neue Solon-Hauptsitz in Adlershof Foto: promo

Tollkühne Männer in fliegenden Kisten gibt es in Adlershof nicht mehr, doch die Ursprünge als Flugplatz Johannisthal vor 100 Jahren wirken fort: Im Technologiepark sind viele Firmen und Forscher mit der Flugzeugindustrie oder der Raumfahrt verbunden. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt dort sein Institut für Planetenforschung. Dessen Kameras und Spektrometer sind bereits zum Mars, Merkur und Saturn gereist.

Triebwerksteile für Flugzeuge wie den Airbus A380 prüft die mittelständische Gesellschaft für Entwicklung und Versuch Adlershof mbH (Geva) in einem 3000-Quadratmeter-Hangar, der einst der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt gehörte. Bauteile für bis zu 100 Kilogramm schwere Kleinsatelliten fertigt die Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH. Weitere Firmen produzieren elektronische Bauteile, die nicht nur, aber auch in Flugzeugen zum Einsatz kommen.

Adlershof ist mittelständisch: Die Firmen haben im Schnitt ein Dutzend Mitarbeiter

Es gibt also gute Gründe dafür, dass in diesem Jahr das Jubiläum „100 Jahre Innovation aus Adlershof“ gefeiert wird, obwohl der bundesweit größte Technologiepark mit mehr als 14 000 Mitarbeitern in 800 Firmen und Instituten erst seit 1991 besteht. Das Jubiläumsmotto erinnert an die Eröffnung des ersten deutschen Motorflugplatzes: Seit dem 26. September 1909 stiegen Flugzeuge knatternd zum Himmel auf. Später gab es spektakuläre Flugwochen, zu denen Hunderttausende Zuschauer strömten. Unter ihren Gründern waren Pioniere des Flugzeugbaus wie die Brüder Wright aus den USA, Anton Fokker aus den Niederlanden oder der deutsche Ingenieur Edmund Rumpler, Erfinder des Modells „Rumpler-Taube“. Berühmt wurde auch die erste deutsche Motorfliegerin Melli Beese, die in Johannisthal eine Flugschule leitete.

Zum Niedergang kam es Mitte der 1920er Jahre, weil der Versailler Friedensvertrag den Flugzeugbau bremste und in Berlin der Flughafen Tempelhof eröffnete. Dafür entstanden Autofabriken und Filmstudios. Das Aus für den Flugplatz folgte nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu DDR-Zeiten beherbergte das Gelände dann Fernsehstudios, das Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ und die Akademie der Wissenschaften.

Letztere wurde im Zuge der deutschen Einheit aufgelöst und damit zum „industriellen Kern des Technologieparks“, wie Hardy Rudolf Schmitz, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Wista Management GmbH, sagt. Viele Wissenschaftler gründeten Firmen: So setzt die DLR-Planetenforschung die Arbeit des ehemaligen „Instituts für Kosmosforschung“ fort. Bekannt ist Adlershof heute jedoch mehr durch innovative Solartechnikfirmen. 2008 bezog Solon ein 40 Millionen Euro teures Werk. Allerdings macht dem Unternehmen mit 900 Mitarbeitern die Wirtschaftskrise zu schaffen. „Wir bieten schlüsselfertige Solarkraftwerke an - vor allem für Spanien“, sagt Firmensprecherin Therese Raatz. Doch die Nachfrage ist stark gesunken. Solon machte im ersten Quartal dieses Jahres 18,5 Millionen Euro Verlust.

Der Photovoltaik-Spezialist Sulfurcell will seine modernen Solar-Dünnschichtmodule bald nicht mehr in gemieteten Räumen, sondern in einer eigenen Fabrik fertigen und investiert dafür 85 Millionen Euro. Der Umzug ist im Herbst geplant. Bis Mitte 2010 soll die Produktion den vollen Umfang erreichen und die Mitarbeiterzahl von 175 auf 275 steigen. Rüdiger Stroh, einer der Geschäftsführer, lobt die „sehr gute Infrastruktur“ mit Autobahn- und S-Bahnanschluss, die Nähe zum künftigen Großflughafen BBI und das „lokale Firmennetzwerk“ in Adlershof. Als weiterer Standortvorteil gelten sechs naturwissenschaftliche Institute der Humboldt-Universität, deren Absolventen im Idealfall direkt in eines der benachbarten Unternehmen wechseln. Zu den bekannten Forschungsstätten zählt auch der Elektronenspeicherring „Bessy II“ des Helmholtz-Zentrums. Laut Hardy Rudolf Schmitz ist der Standort „extrem mittelständisch“, die Firmen haben durchschnittlich nur ein Dutzend Mitarbeiter. Schmitz hält es für möglich, dass der 4,2 Hektar große Technologiepark in sieben bis zehn Jahren doppelt so groß wie heute sein wird.

Zum Jubiläum gibt es seit Jahresbeginn Veranstaltungen, ein Schwerpunkt liegt im September. Am 7. und 8.9. laden die Humboldt-Uni und weitere Institute zum Symposium „Licht – Materialien – Modelle“ ein. Unter den Referenten: Physik-Nobelpreisträger Peter A. Grünberg. Vom 18. bis 20.9. heißt es: „Schauplatz Adlers-hof: 20 Jahre Mauerfall – Berlin im Wandel“ und bei den „Tagen der Forschung“ am 24. und 25.9. wollen Forscher Oberstufenschülern zeigen, wie spannend Naturwissenschaften sein können.

Cay Dobberke


Aus der Ausgabe 9 / 2009

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