Gute Aussichten

LensWista hat eine Kontaktlinse erfunden, die dauerhaft im Auge bleiben soll. Zunächst kommt sie als Einwegprodukt auf den Markt
In der Vorbereitung: Noch hat die Produktion bei LensWista nicht begonnen. Vorstand Danny Seifert hofft, dass der Verkauf im Dezember losgehen kann. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Bald müssen Kontaktlinsenträger ihre Abende nicht mehr mit brennenden, geröteten und übermüdeten Augen verbringen. Das jedenfalls verspricht LensWista. Das Unternehmen aus Adlershof hat eine innovative Kontaktlinse entwickelt, die in Zukunft eine ununterbrochene Tragedauer verspricht. Das Geheimnis ist eine spezielle Plasmabeschichtung, die auf die Linsen aus reinem Silikon aufgetragen wird. Im November soll die Produktion beginnen.

Normalerweise würde sich eine Linse aus reinem Silikon am Auge festsaugen. Doch die Plasmabeschichtung macht die Linse hydrophil, so dass sie quasi in der Tränenflüssigkeit auf dem Auge schwimmt. „Man spürt die Linse praktisch nicht“, sagt Vorstand Danny Seifert. „Und der Tragekomfort ist bei einer Kontaktlinse das A und O.“ Mit der Technik will LensWista den Markt verändern.

Tragekomfort ist das A und O

Aktuell erhältliche Silikonhydrogellinsen verfügen über einen Sauerstoffdurchlässigkeitswert im Bereich von 20 bis 140, die Linse von LensWista hingegen von mehr als 750. „Es gibt weltweit keine Linse, die vergleichbare Werte hat“, sagt Seifert. Die hohe Durchlässigkeit lasse keinen Sauerstoffmangel mehr am Auge entstehen. „Das ist besser für die Gesundheit des Auges“, sagt Stephanie Nagel, Leiterin Qualitätsmanagement.

Für Ende September erwartet LensWista das Ergebnis aus einer laufenden Anwendererprobung. Zunächst wollen sie ihre Erfindung als Tageslinse auf den Markt bringen. Dann soll auch die klinische Studie beginnen, damit die Linse später als Dauertragelinse verkauft werden kann.

Entwickelt hat das Verfahren der russische Chemiker und Unternehmer Alexey Kalachev. Er gründete LensWista im Jahr 2004 als GmbH. 2006 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft überführt. Mehr als fünf Millionen Euro wurden seither
investiert, sagt Danny Seifert.

Firmeninfo
| LensWista AG |

LensWista sucht Ingenieure im Bereich Kunststoff- und Elektrotechnik

Vorstand: Alexey Kalachev
und Danny Seifert
Adresse: Magnusstraße 11,
12489 Berlin
Umsatz: Markteintritt erst 2009
Mitarbeiter: 10
Telefon: 030 / 63 92 63 72
Web: www.lenswista.de

Der 33-Jährige, der nebenbei auch Gesellschafter eines Brillenunternehmens ist, leitet seit Ende 2008 den kaufmännischen Bereich des Unternehmens. Er erwartet, dass sie schon 2010 einen Umsatz von zehn Millionen Euro erzielen und 375 000 Linsen verkaufen werden. Damit wollen sie bereits die Gewinnzone erreichen. 2012 soll der Umsatz auf über 50 Millionen Euro steigen. „Wir wollen die Linse international platzieren“, sagt Seifert. Und der Markt ist groß: 2007 wurden weltweit mehr als 3,2 Milliarden Euro umgesetzt. Allein in Europa gebe es 300 Millionen Menschen, die fehlsichtig sind, nur zehn Prozent von ihnen tragen Kontaktlinsen.

Derzeit führt Seifert noch Gespräche mit Großhändlern und möglichen Vertriebspartnern. Wer die Linse künftig vertreibt und wieviel sie kosten wird, will er noch nicht verraten. „Das wird alles noch verhandelt“, sagt er. Die Chancen stehen gut, dass die Produktion in Berlin bleibt. „Wir wollen, dass die Technik in Deutschland bleibt.“

Corinna Visser


Aus der Ausgabe 10 / 2009

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