Berlin als Laufsteg
|
Lang, luftig, lässig: In Berlin präsentierten Designer ihre aktuelle Mode. Foto: ddp |
Die Modewelt guckte auf Berlin: Fünf Tage lang ging es in der Hauptstadt um Models, Kollektionen und mal mehr oder mal weniger Stoff. Die Fashion Week zieht: Designer, Verkäufer und viel Prominenz wollten sich die geballte Menge an Veranstaltungen und Modenschauen nicht entgehen lassen. Allein die Messe „Bread & Butter“ auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof war mit 600 Ausstellern komplett ausgebucht. Die Mercedes-Benz-Fashion-Week zählte mehr als 30 Schauen und erfreute sich damit nach wie vor eines enormen Zulaufs.
Die Zeichen der Wirtschaftskrise verblassten zwar im Blitzlichtgewitter. Spürbar waren sie trotzdem. Viele Designer kämpfen weiter um ihre Existenz, auch wenn unter anderem der kalte Winter für einen guten Absatz auf dem Modemarkt gesorgt hat.
Die Fashion Week ist die Feuertaufe für eine neue Kollektion
Und auch bei der Organisation im Vorfeld der Modeveranstaltungen wurden die Auswirkungen der Krise offenbar. Tanja Mühlhans, Referentin für den Bereich Design bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, sagt: „Es ist natürlich schwieriger als in den Jahren zuvor, so eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Bei vielen Unternehmen sind die Einnahmen um bis zu 20 Prozent zurückgegangen. Das haben wir natürlich schon im Bereich Sponsoring deutlich zu spüren bekommen.“
Viele junge Designer, die ihre Arbeit auf der Modewoche präsentierten, sitzen in Berlin. Bis ihre Mode wirklich von Verkäufern nachgefragt wird, kann es aber dauern. Ein junger Berliner, den die Szene inzwischen kennt, ist Kilian Kerner. Er präsentierte auf der Modewoche seine eigene Kollektion, ist aber auch Chefdesigner des Labels No Ifs. Noch bis wenige Tage vor dem Start der Fashion Week stapelten sich in seinem Atelier Kisten voller Kleider und unzählige Schuhe. Sein eigenes Label bringt Kleider und elegante Hosen für die Frauen, eigenwillige Anzüge und unzählige Pullover für die Herren auf den Laufsteg. „Eigentlich leben wir ja für die paar Tage im Jahr. Diese Woche ist für uns so extrem wichtig. Oft merken wir gar nicht, wie die Zeit vergeht, und dann wird es kurz vorher extrem stressig. Aber auf der anderen Seite ist so eine Fashion Week schon die Feuertaufe für eine neue Kollektion“, sagt Kerner.
Berlin wird immer stärker als Modehauptstadt wahrgenommen. Es hat sich in den vergangenen Jahren viel um die Modewoche getan. „Wir haben inzwischen ein gutes Portfolio an Designern und qualitativ hochwertige Kollektionen auf dem Catwalk. Anfangs wurde häufig nach internationalen Designern gerufen, mittlerweile spiegelt unsere Modewoche die deutsche Modebranche sehr gut wider, und das findet in der Branche Respekt. Es hat keinen Wert, Paris oder Mailand kopieren zu wollen. Wir wollen den deutschen Modeschaffenden ein international ausgerichtetes Event bieten“, sagt Daniel Aubke, der Sprecher von IMG Fashion Europe.
Adresse: Danziger Straße 164,
10407 Berlin
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: k. A.
Telefon: 030 / 55 12 98 59
Web: www.kiliankerner.de
Mit diesem Ansatz punktet Berlin als Modehauptstadt. Die Modewoche zieht Einkäufer und Journalisten aus dem Ausland an, die einfach keine Zeit hätten, für einzelne Veranstaltungen ständig in eine andere deutsche Stadt zu reisen. Von dem riesigen Gästeandrang hat unter dem Strich die ganze Stadt etwas. Hotels zählen mehr Gäste und selbst die Taxifahrer haben mehr zu tun. Es hängen etliche Jobs an dieser Modewoche, zum Beispiel bei den Unternehmen, die für die Planung und die Logistik zuständig sind.
Die Designer werden in vielen Bereichen von Sponsoren unterstützt. Junge Talente könnten allein die Veranstaltungsorte für Modeschauen kaum aus eigener Tasche bezahlen. Eine Modemarke zu etablieren und zu unterhalten, kostet Geld. Mit der Nachwuchsförderung hapert es aber nach wie vor in der Stadt.
Ein Punkt, der im Senat für Wirtschaft, Technologie und Frauen bekannt ist. „Wir haben natürlich den Traum, die Stadt Berlin als Modemetropole weltweit zu etablieren. Schließlich haben wir in der Stadt tolle Designertalente. Aber dafür müssen wir noch viel tun. Und wir wissen auch, dass wir diese Talente noch stärker fördern und die Strukturen verbessern müssen. Viele Designer stehen an einer Wachstumsstufe, wo wir sie unterstützen müssen, die nächsten Schritte zu gehen und ihr Potenzial weiter zu fördern“, sagt Tanja Mühlhans von der Senatsverwaltung.
Gesagt, getan: Jetzt hat die Senatsverwaltung einen Wettbewerb zur Förderung junger Berliner Designer ausgeschrieben. Bis 30. April können sich Modemacher bei „Start your Fashion Business“ bewerben.
Sandra Fritsch
Aus der Ausgabe 2 / 2010

