Vom Prototyp zur Marktreife
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Probieren geht über Studieren: Eine Gründerin an der TU Berlin Foto: Doris Spiekermann-Klaas |
Müssen Rechner eigentlich ständig brummen und summen? Die nervtötende Lärmkulisse in ihrer Wohnung, erzeugt durch die Kühlaggregate ihrer Computer-Prozessoren, brachte die BWL-Studenten Stefan Arndt und Thomas Straßburg im Jahr 2006 auf eine Idee. Warum nicht ein Gerät erfinden, dass einwandfrei arbeitet, ohne laufend störende Geräusche von sich zu geben?
Gesagt, getan. Eine Geschäftsidee war geboren. Mittlerweile sind Arndt und Straßburg nicht nur Diplomkaufleute, sondern auch Unternehmer: Sie entwickelten noch während des Studiums ein so genanntes passives Kühlsystem für Rechner, das komplett lärmfreies Arbeiten ermöglicht und gründeten die Firma „Tomarni“, die das Produkt künftig vermarkten wird.
Geholfen hat ihnen dabei Profund, die Gründungsförderung der Freien Universität (FU). Dort haben Studenten und Hochschulabsolventen die Möglichkeit, durch finanzielle und personelle Unterstützung ihre Ideen in die Tat umzusetzen. „Wer mit seinem Produkt erfolgreich sein will, muss sich lange vor dem Markteintritt Gedanken machen und sehr umtriebig sein“, weiß Patrik Varadinek, Chef des Teams Wissens- und Technologietransfer an der FU. Zwar sei eine gute Idee Grundvoraussetzung für Innovationen, jedoch lasse sich nicht jedes Vorhaben gleichermaßen realisieren.
„Sehr vielen Gründern geht es um die Selbstentfaltung und ums Gestalten, nicht unbedingt ums Geldverdienen“, sagt Harald Joneleit, Leiter Technologietransfer an der Beuth Hochschule für Technik. Einer Idee muss deswegen eine Marktanalyse folgen. „Die Firmengründer müssen sich darüber informieren, ob es ähnliche Produkte auf dem Markt gibt, welche Alleinstellungsmerkmale die eigene Innovation hat und wer dieses Produkt kaufen könnte“, sagt Joneleit.
Adresse: Kurfürstenstraße 141,
10785 Berlin
Ansprechpartner: Harald Joneleit
Telefon: 030 / 45 04 24 83
Web: www.beuth-hochschule.de/gruenderwerkstatt
Gründungsservice an der
Technischen Universität Berlin
Adresse: Hardenbergstraße 36 a,
10623 Berlin
Ansprechpartnerin:
Agnes von Matuschka
Telefon: 030 / 31 42 14 56
Web: www.gruendung.tu-berlin.de
Profund – Gründungsförderung der Freien Universität Berlin
Adresse: Haderslebener Straße 9,
12163 Berlin
Telefon: 030 / 83 87 36 30
Web:
www.fu-berlin.de/wirtschaft/profund
Business Angels Club
Berlin-Brandenburg e.V.
Adresse: Bundesallee 171,
10715 Berlin
Telefon: 030 / 21 25 48 84
Web: www.bacb.de
In einem zweiten Schritt geht es dann um Details. Wer ein neues Produkt auf den Markt bringen will, sollte in jedem Fall einen Prototyp produzieren, rät Joneleit. In der Gründerwerkstatt der Beuth Hochschule für Technik können Ideengeber – gefördert durch ein Stipendium des Wirtschaftssenats und in Kooperation mit Laboren – mit verschiedenen Materialien experimentieren und Prototypen entwickeln. Zudem stehen den Geschäftsneulingen erfahrene Unternehmer der „Business Angels“ mit Rat und Tat zur Seite.
Joneleit berichtet von zwei Tüftlern, die ursprünglich eine strapazierfähige Hülle für Laptops aus einem Folienfaserverbundstoff auf den Markt bringen wollten. Ein Tutor der Business Angels brachte seine Schützlinge dazu, die Idee weiterzuentwickeln und hochwertige Schutzhüllen für das iPhone zu konzipieren. Die Erfinder ließen ihre Idee patentieren und konnten den Hersteller des iPhone, die US-Firma Apple, von ihrem Produkt überzeugen: Die Schutzhüllen made in Berlin gehören heute zum offiziellen Accessoire-Sortiment des Computer- und Telefonproduzenten.
Bei einem anderen Gründer verlief die Positionierung am Markt nicht ganz so reibungslos. „Er hatte zwar ein innovatives dreidimensionales Wegeleitsystem entwickelt, dieses aber nie am Kunden ausprobiert“, erzählt Joneleit. „Dabei ist es doch der Kunde, der das Produkt am Ende kaufen soll.“
Schuhe mit höhenverstellbaren Absätzen, eine Taste, die die letzte Bewegung bei Computerspielen rückgängig macht, mobile Krankenhauscontainer, Energiesparhäuser: Die Ideen, die die Hochschulabsolventen zum Workshop „Produktpropeller“ der Technischen Univerisät (TU) mitbringen, sind mannigfaltig. „Deswegen lässt sich auch nicht pauschal sagen, welche Schritte ein Gründer bei der Planung eines Vorhabens noch bedenken muss“, sagt Agnes von Matuschka von der TU.
Wer ein Produkt auf den Markt bringen wolle, solle sich auf jeden Fall zumindest am Anfang auf ein Geschäftsfeld fokussieren. Zum Beispiel könne ein innovatives Isoliermaterial sowohl in der Luft- und Raumfahrt als auch bei Herstellern von Outdoorkleidung und -zubehör gefragt sein – also auf mehreren Märkten. Das biete auf der einen Seite Potenzial für eine spätere Expansion des Unternehmens – auf der anderen Seite stehe aber auch die Gefahr, sich zu verzetteln.
Sarah Kramer
Aus der Ausgabe 6 / 2010

