Hackschnitzel im Ofen
Öl und Gas werden immer teurer. Berliner Unternehmer suchen Alternativen: Ein Beispiel sind Holzheizungen
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Steffen Thoma, Mitglied der Technilog-Geschäftsleitung, heizt mit Holz. Foto: Thilo Rückeis |
Seit 2002 hat sich der Ölpreis mehr als verdoppelt, auch der Gaspreis steigt beständig. Besonders bitter ist das für Unternehmer mit Lagerräumen oder Bedarf an Prozesswärme. Immer mehr suchen deshalb nach Alternativen zur teuren Energie aus der Pipeline. Die Holzheizung für Schütz‘ Firma Technilog kostete circa 400 000 Euro. Er beauftragte ein auf Hackschnitzel spezialisiertes Unternehmen aus Österreich damit. Pünktlich zum Winteranbruch 2005 nahm er die Anlage in Betrieb: Zwei Heizkessel, knapp ein Megawatt Leistung. Inzwischen hat Technilog das dritte Jahr warm überstanden und die Energiekosten drastisch gesenkt: Der letzte Winter hat nur 14 000 Euro gekostet. „Das hat sich wirklich gelohnt“, resümiert Schütz. Damit meint er auch den ökologischen Vorteil: Die Verbrennung von Holz gilt im Gegensatz zu Öl und Gas als CO2-neutral.
Bei einer Holzheizung verbrennt Holz unter hohen Temperaturen in einem Kessel. Im Gegensatz zum Kamin muss aber niemand ständig Holzscheite nachlegen: Das Holz wird automatisch aus einem Lager in den Ofen transportiert. Das Brennholz gibt es in unterschiedlichen Formen: Die bekanntesten sind Hackschnitzel und Pellets. Als Hackschnitzel bezeichnet man geschreddertes Restholz mit schwankender Qualität. Die veredelte Variante heißt Pellet. Um ein Pellet zu erzeugen, presst man Holzspäne zu etwa drei Zentimeter langen Stäbchen. Die Vorteile der Pellets: Es gibt klare DIN-Normen und die Energiedichte ist bis zu dreimal höher. Das heißt: Weniger Lagerraum. Zudem fließen die Pellets sehr gut vom Lager in den Ofen. Der Nachteil: Sie sind teurer. Deshalb werden ab einer bestimmten Heizungsgröße Hackschnitzel empfohlen.
So viel Fördermittel wie noch nie
In Süddeutschland ist Heizen mit Holz weit verbreitet, in Berlin „schläft der Markt noch völlig“, sagt Christian Baumann, der mit seiner Firma Synos Pellet- und Hackschnitzelheizungen plant und einbaut. Das Interesse wachse zwar, aber anders als im Süden erschrecke man hier bei den Kosten. „Viele haben Öl- und Gas-Heizungen, die erst nach der Wende eingebaut wurden“, so Baumann. Trotz steigender Rohstoffpreise warteten die Menschen deshalb lieber ab. Das sei aber zu kurz gedacht: „Bei den Betriebskosten ist Holz unschlagbar.“ Außerdem gebe es jetzt „so viele Fördermittel wie noch nie.“
Das stimmt: Neben der Förderung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zinsgünstige Darlehen. Allein von der BAFA bekommt ein Unternehmer, der eine Hackschnitzelheizung bis 100 Kilowatt baut, pauschal 1000 Euro. Das Ganze muss auch nicht 400 000 Euro wie bei Technilog kosten: Das Berliner Unternehmen GBAV etwa hat eine Anlage mit 300 Kilowatt Leistung. Die Kosten betrugen hier 60 000 Euro für den Kessel, ingesamt mit Bunker und Heizhaus waren es 150 000 Euro. Grundsätzlich, so Ingenieur Baumann, gelte: „Je größer, desto wirtschaftlicher.“
Ernst Schütz empfiehlt allerdings jedem, der über einen Wechsel nachdenkt, sich vorher mit anderen „Holz-Heizern“ auszutauschen. Denn es gebe auch Probleme: Die Qualität der Hackschnitzel sei zuweilen so schlecht, dass er Lieferungen ablehnen muss. Außerdem sei der Aufwand im Vergleich zu einer Ölheizung höher: „Man braucht einen Mitarbeiter, der sich damit auskennt.“ Mal schiebt sich ein zu großes Holzstück vor die Lichtschranke und blockiert den Weitertransport der Hackschnitzel, mal bildet sich Schlacke im Ofen.
Die Auswahl an Holzlieferanten in Berlin ist zudem begrenzt. Biolistics liefert seit vier Jahren Pellets und Hackschnitzel an inzwischen 30 Berliner Kunden. „In den letzten zwei Jahren steigt die Nachfrage,“ sagt der geschäftsführende Gesellschafter Volker Omeis. Das Premiumprodukt unter den Hackschnitzeln seien die Holzchips: Der Raummeter ist mit 28 Euro zwar um einiges teurer als einfaches Schredderholz, das schon für 12 Euro pro Raummeter zu haben ist, dafür haben Holzchips aber einen deutlich höheren Heizwert - und standardisierte, gleichbleibende Qualität.
Moritz Gathmann
Firmeninfo
Biolistic GmbH
Geschäftsführer: Andrea Jänicke
Adresse: Gutachstraße 21, 13469 Berlin
Umsatz: 2 Millionen Euro
Mitarbeiter: 6 Telefon: 030 / 4374 52 88
Web: www.biolistic.de
Aus der Ausgabe 4 / 2008

