Erfinder

Tüfteln lohnt sich wieder

Eine Leistungsschau in Pankow zeigt Innovationen aus dem Mittelstand. Darunter sind einige Berliner Erfindungen
Für sauberes Grundwasser sorgt Kobert & Partner mit einem Scheibenstripper.
Foto: PROMO
Pro Inno II, Nemo, IGF, Innowatt, InnoNet. Hinter jeder Abkürzung verbirgt sich ein bundesweites Förderprogramm für Forschung und Entwicklung. Kein Wunder, dass so mancher Mittelständler da den Überblick verliert. Seine Orientierung zurückgewinnen kann er am 25. Juni, wenn das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zum 15. Innovationstag nach Berlin-Pankow lädt. Auf der Leistungsschau präsentieren mehr als 160 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus allen Technologiebereichen und Bundesländern die Resultate von Forschungs- und Entwicklungskooperationen, die in den letzten Jahren gefördert wurden. Auch einige Unternehmen aus der Region Berlin zeigen, was sie sich ausgedacht haben.

Die Innovation der LinTech GmbH, gefördert durch Pro Inno II, klingt erstmal fürchterlich kompliziert: Ein Modularer CAN-MOST- und LIN Busadapter mit Bluetooth Schnittstelle. Die Idee ist aber so einleuchtend, dass das Pankower Unternehmen damit zwei Innovationspreise eingeheimst hat: „Wir haben eine Bluetooth-Schnittstelle entwickelt, die auch jemand verwenden kann, der keine Kenntnisse von der Technologie hat“, erklärt Geschäftsführer Uwe Lindner. Bluetooth ist eine Technologie, die es ermöglicht, ohne Einsatz von Kabeln Daten zu übertragen. Die LinTech-Erfindung ist besonders für die Autoindustrie interessant: „Ein Techniker kann per Bluetooth einfach auf das System des Autos zugreifen“, sagt Lindner. Gleichzeitig entdecken immer mehr mittelständische Unternehmen, die Geräte für Messtechnik oder Medizin herstellen, Bluetooth für ihre Zwecke. Aber auch Privatleuten nutzt die Technologie: So wird es mit der LinTech-Erfindung möglich, zum Beispiel Musik vom Computer über die Auto-Anlage zu hören oder darüber zu telefonieren. Einen griffigeren Namen hat die Erfindung inzwischen auch: BlueMPI.

Aus einem ganz anderen Bereich stammt die Innovation der Kobert & Partner GmbH. Seit 1993 ist das Unternehmen auf Grundwasserreinigung spezialisiert. Mit ihren Scheibenstrippern haben sie im Raum Berlin schon einige Tausend Kubikmeter Wasser gereinigt. Das kontaminierte Wasser wird über rotierende Scheiben geleitet, dabei löst sich der größte Teil der Giftstoffe aus dem Wasser. Ob Metallverarbeitung, Tankstelle oder eine chemische Reinigung: „Überall ist die Verunreinigung des Grundwassers ein dringendes Problem“, sagt Geschäftsführer Karl-Ludwig Adam.

Vor zwei Jahren verschärfte der Senat die Vorgaben für die Reinigung – ein Impuls für Adam, über eine Verbesserung nachzudenken: Die Idee war, durch Unterdruck die Effizienz der Reinigung zu erhöhen. Herausgekommen ist der Vakuumgestützte Scheibenstripper, gefördert durch Pro Inno II. Die Förderung hat 40 Prozent der Personalkosten für Forschung und Entwicklung abgedeckt und damit das Projekt überhaupt erst ermöglicht.

Einen Forschungsverbund mit 14 Unternehmen hat die Berliner Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFaI) geschaffen. Gefördert vom Förder- programm Nemo, forschen die Wissenschaftler über ambient energy, zu deutsch Umgebungsenergie. „Ambient energy ist überall, wird aber bisher kaum genutzt“, sagt GFaI-Vorstandsvorsitzender Alfred Iwainsky. Er sieht darin ein Pionierfeld mit breiten Anwendungsmöglichkeiten. Die Herzmedizin sei stark an der Forschung interessiert: Sensoren, die über lange Zeit den Blutdurchfluss im Körper eines Menschen messen, könnten mit Energie versorgt werden, die entsteht, weil der Mensch ständig in Bewegung ist – und wären nicht mehr abhängig von begrenzten Energiequellen wie Batterien.

Auf der Leistungsschau in Pankow lässt es sich sicher prächtig mit Politikern, Wissenschaftlern und Unternehmern netzwerken. Unter anderem wird Hartmut Schauerte, Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung, auf der Veranstaltung sprechen. Besonders interessant dürfte das für den 1. Juli 2008 geplante neue Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) sein. Das ZIM soll die Förderung für kleine und mittlere Unternehmen ausweiten und transparenter gestalten.

Moritz Gathmann

LinTech GmbH
Geschäftsführer: Uwe Lindner
Adresse: Friedrich-Engels-Straße 35, 13156 Berlin
Umsatz: 1,5 Millionen Euro
Mitarbeiter: 17 Mitarbeiter
Telefon: 030 / 54 94 72 60
Web: www.lintech.de


Aus der Ausgabe 5 / 2008
Zurück