Musikanlagen von MBL
Gold für die Ohren
Eine Musikanlage von MBL kann schon mal 300 000 Euro kosten. Bei dem Hersteller von
Luxus-Hifi steht ein Generationswechsel an
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Nachfolger Hermeling und Gründer Meletzky, vor einem MBL-Radialstrahler Foto: Kai-Uwe Heinrich |
Der HiFi-Guru und der Cola-Abfüller: Sie wurden von der Beratungsfirma Venture Advice zusammengebracht. Meletzky wurde anlässlich seines 60. Geburtstags aktiv. Die Töchter kamen für die Nachfolge nicht in Betracht, und auch eine firmen-interne Lösung zeichnete sich nicht ab. Die Berater durchleuchteten seine Firma, die in den letzten Jahren mit Umsatzzuwächsen von bis zu 20 Prozent glänzte, und brauchten nicht lange, um Interessenten zu finden. Doch Meletzky hatte nicht vor, MBL als Teil eines Konzerns langsam untergehen zu sehen. Fünf bis sieben interessante Bewerber habe es gegeben, sagt er, „mit einem habe ich bis zur Unterschriftsreife verhandelt und bin dann doch abgesprungen, weil ich das Gefühl hatte, die Unternehmen passen nicht zusammen.“
Hermeling kam erst Ende 2007 ins Gespräch. Er hatte seine Oldenburger Firma verkauft, weil Coca-Cola nur noch einen deutschen Konzessionär übrig lassen wollte. Privatvermögen, so lässt sich also vermuten, war genügend vorhanden, und die Berater mussten kaum mehr tun, als Meletzky und Hermeling zusammenzubringen. Meletzky sagt, dass er höhere Gebote hatte, „doch wichtiger ist für mich, dass alles passt“.
| MBL Akustikgeräte GmbH & Co KG |
Für gute Elektronik-Ingenieure steht die Tür immer offen
Geschäftsführer: Wolfgang Meletzky, Christian Hermeling
Adresse: Einemstr. 22, 10785 Berlin
Umsatz: ca. 6 Mio. Euro (2008)
Mitarbeiter: 50
Telefon: 030 / 851 80 74
Web: www.mbl-hifi.com
Geschäftsführer: Wolfgang Meletzky, Christian Hermeling
Adresse: Einemstr. 22, 10785 Berlin
Umsatz: ca. 6 Mio. Euro (2008)
Mitarbeiter: 50
Telefon: 030 / 851 80 74
Web: www.mbl-hifi.com
MBL bleibt also, wenn alles nach Plan geht, in Privathand. Doch der Neue will – im Einvernehmen mit dem Gründer – Grenzen sprengen, die in den letzten Jahren deutlich geworden sind. Vor allem wurmt beide, dass der Bekanntheitsgrad der Firma in Deutschland immer noch sehr gering ist, ganz anders als auf den amerikanischen und asiatischen Märkten, wo vor allem die nie erfolgreich kopierten MBL-Radialstrahler Kultstatus genießen und in Fachmagazinen regelmäßig mit Lobeshymnen bedacht werden.
Doch auch im Ausland will man wachsen. MBL ist bereits in 31 Ländern vertreten, weitere Expansion ist nur mit sorgfältig ausgewählten Vertriebspartnern möglich. Auch die Produktionskapazität muss dann stimmen. 50 Mitarbeiter beschäftigt MBL gegenwärtig in der Berliner Zentrale und der Produktion in Eberswalde, und wie alle vergleichbaren Unternehmen drückt der Mangel an spezialisierten Ingenieuren. Zudem wird es immer schwerer, Zulieferer zu finden, die den extrem hohen Standards genügen. Meletzky nennt ein Beispiel: „Bei exzellentem Klavierlack müssen die deutschen Firmen längst passen.“ Dabei ist MBL mehr als alle Konkurrenten autark, produziert nicht nur die augenfälligen, wie ein Football-Ei geformten Lautsprecher selbst, sondern auch Gehäuse und Bedienungselemente; selbst die fett aus dem Vollen gedrehten Messingknöpfe, die sich später drehen lassen wie ein Löffel im Honigtopf, werden in Eberswalde gefertigt.
Aber muss für eine Firma wie MBL, die unter Fans den gleichen Ruf besitzt wie die Konkurrenten Burmester oder Mark Levinson, überhaupt für sich werben, ist Expansion überhaupt möglich? „Das hat ja überhaupt noch niemand richtig ausprobiert“, sagt Meletzky, „alle Leute mit viel Geld wissen, welche Autos oder Armbanduhren sie sich kaufen können. Aber eine Luxus-Hifi-Anlage wird oft überhaupt nicht in Betracht gezogen, obwohl sie viel mehr Genuss vermitteln kann.“
Viel Geld ist in der Tat nötig, um MBL zu kaufen: Der kleinste CD-Spieler startet bei 3065 Euro, das Stereo-System „Classic Line“ fängt bei 17 535 Euro an. Die „Reference Line“, deren Geräte an Panzerschränke erinnern, beginnt komplett bei 160 750 Euro, doch mit neuen Doppel-Radialstrahlern und schrankgroßen
Subwoofern lässt sich dieser Preis leicht verdoppeln. Lebenswichtig ist das für niemanden, aber es vermittelt jenen, die es sich leisten können, einen höllischen Spaß. Ganz nebenbei ist MBL als Hightech-Manufaktur in Brandenburg nahezu allein – dafür gibt es im November den Innovationspreis des Landes. Ihn kann sich Wolfgang Meletzky noch ganz allein gutschreiben, als vorgezogenes Geschenk zum wohlgeplanten Ausstieg.
Bernd Matthies
aus Ausgabe 9/2008
