Dabei sein ist alles

In der Wirtschaft werden viele Preise vergeben. Unternehmer profitieren von der Teilnahme. Auch wenn sie gar nicht gewinnen
Mutmacher: Gewinner A. Contag mit Niedersachsens Ministerpräsident C. Wulff Foto: Mutmacher der Nation



Als Perfektionist ist man mit sich selbst nie zufrieden, sagt Andreas Contag. „Aber offenbar habe ich einiges anders und wohl besser gemacht als andere“, sagt der Unternehmer nicht ohne Stolz. Mit seiner Firma Contag, die in Spandau Prototypen von Leiterplatten für die Elektronikindustrie produziert, ist er schon mehrfach ausgezeichnet worden. Dass sein Unternehmen immer wieder Preise gewonnen hat, habe ihm auch bei Banken, Kunden und Geschäftspartnern Pluspunkte gebracht. „Für die Kunden ist zwar das Produkt kaufentscheidend“, sagt Contag. „Aber die Auszeichnungen schaffen Vertrauen. Sie zeigen, dass wir modern und dynamisch sind und etwas bewegen.“

Preise können für Unternehmen viele positive Wirkungen haben. Das hat die Beratungsfirma DIW Econ ermittelt, die im Auftrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RöverBrönner eine Studie zum Innovationspreis Berlin-Brandenburg erstellt hat. Demnach se-
hen die Preisträger den stärksten positiven Effekt in der Verbesserung ihre Images. Knapp die Hälfte der befragten Preisträger der Jahre 1997 bis 2007 nutzte die erfolgreiche Teilnahme als Marketinginstrument. Viele sagten, dass der Preis den Kontakt zu Kooperationspartnern, Kunden, Investoren oder neuen Mitarbeitern erleichtert habe. Immerhin 26 Prozent der Befragten gaben an, auch einen positiven Effekt auf die Umsatzentwicklung zu erkennen.

Dass ich plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit stand, war eine Herausforderung für mich

Die Firma Knauer, die in Zehlendorf Labormessgeräte herstellt, ist sowohl als eines der 100 innovativsten Unternehmen als auch als einer der 100 besten Arbeitgeber im deutschen Mittelstand ausgezeichnet worden. Eigentümerin Alexandra Knauer hofft, dass ihre Firma dadurch für Kunden und besonders begehrte Fachkräfte attraktiver wird. Sie selbst ist 2004 als Berliner Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet worden. Der Preis habe ihr Unternehmen und sie selbst bekannter gemacht. „Dass ich plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit stand, war eine neue Herausforderung für mich – und eine Bereicherung.“

„Eine Auszeichnung kann das Marketing sehr erleichtern und  eine kostenlose Werbestrategie sein“, sagt auch Susanne Schmitt-Wollschläger, Bereichsleiterin der IHK Berlin. Je nach der Ausgestaltung eines Wettbewerbs locken zudem nicht nur Geldpreise, manchmal gibt es auch kostenlose Seminare oder den Rat von Experten. Als Beispiel nennt Schmitt-Wollschläger den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg. „Diesen Wettbewerb empfehlen wir jedem Gründer als ,Trockenübung‘“, sagt die IHK-Bereichsleiterin. Auch wer nicht ausgezeichnet wird, erhält kostenlos wertvolles Feedback zu seinem Konzept.

Firmeninfos
| Wissenschaftliche Gerätebau Dr. Ing. Herbert Knauer GmbH |
Knauer sucht einen Spezialisten für Massenspektrometrie

Geschäftsführer: Alexandra Knauer,
Dr. Alexander Bünz
Adresse: Hegauer Weg 38,
14163 Berlin
Umsatz: 18 Millionen Euro
Mitarbeiter: 90
Telefon: 030 / 809 72 70
Web: www.knauer.net

Contag GmbH
Geschäftsführer: Andreas Contag
Adresse: Päwesiner Weg 30,
13581 Berlin
Umsatz: 6,5 Millionen Euro
Mitarbeiter: 65
Telefon: 030 / 351 78 80
Web: www.contag.de

Beim Qualitätspreis Berlin-Brandenburg profitieren ebenfalls nicht nur die Gewinner: Alle beteiligten Unternehmen erhalten ausführliche Feedbackberichte der Gutachter mit einer Übersicht der Stärken und der Verbesserungspotenziale. Ausgelobt wird der Qualitätspreis 2010 auf dem Qualitätstag am 22. April 2009. Bereits in der anschließenden Bewerbungsphase können sich Bewerber vor Ort schulen lassen. Zum Bewerbungsschluss am 31. März 2010 muss dann eine 23-seitige Bewerbungsbroschüre vorgelegt werden. Diese erfordert bereits eine umfangreiche Analyse der Prozesse im Unternehmen. Die Broschüre wird von vier bis fünf Gutachtern bewertet. Das Verfahren ist relativ aufwändig, die Preisverleihung findet daher erst im September 2010 statt. Dennoch nehmen viele Unternehmen immer wieder teil, um sich weiter zu verbessern.

Die Sorge, das Image eines Unternehmens könne leiden, wenn man sich an einem Wettbewerb beteiligt, aber nicht gewinnt, hält Schmitt-Wollschläger für unbegründet. Allerdings warnt sie vor einem Preis-Tourismus, also davor, sich um jeden Preis zu bewerben. „Wer zu viel Zeit in Wettbewerbe investiert, erweckt leicht den Eindruck, sich nicht mehr genug um sein Unternehmen zu kümmern.“
So sieht das auch Andreas Contag, dessen Firma auch Preise gewonnen hat, für die sie sich gar nicht beworben hat. Auf eine Auszeichnung ist Contag besonders stolz, weil es eine persönliche Ehrung sei: 2008 wurde er zum Landessieger Berlin beim „Mutmacher der Nation“ gekürt. „Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man darauf angesprochen wird“, sagt Contag. Auch ihm selbst habe die Ehrung Mut gegeben.

CorinnaVisser

Einen Überblick über Preise bietet: www.bizz-awards.de


Aus der Ausgabe 4 / 2009

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