Grenzenlose Gedanken
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Europäische Entwicklung: Kleid aus dem Projekt Stella Foto: promo |
Stella klingt irgendwie filigran. Und so ist auch das Kleid, das aus dem europäischen Forschungsprojekt hervorgegangen ist: Es steckt voller Technik – und liegt doch eng am Körper. Stella ist die Abkürzung für Stretchable Electronics for Large Area Applications. Das Projekt hat dehnbare Leiterplatten entwickelt. Die sorgen dafür, dass die in den Stoff integrierten Dioden Lichtmuster erzeugen, die sich der Dynamik der Trägerin anpassen.
Aber die Technik vermag noch mehr: Ein Anzug für Kinder soll die Atmung überwachen und den plötzlichen Kindstod verhindern. Weit fortgeschritten ist auch die Arbeit an einem intelligenten Wundverband, der den Druck eigenständig steuern kann. So eine Entwicklung gefällt der Europäischen Union. Sie findet eine praktische Anwendung, sie ist etwas absolut Neues und sie erzeugt Aufmerksamkeit. Immerhin hat die EU sieben Millionen Euro in das insgesamt 13 Millionen Euro schwere Projekt gesteckt. Da möchte sie Ergebnisse sehen. Deswegen gehören in jedes Projekt Partner, die forschen, solche, die herstellen und solche, die am Ende ein Produkt daraus entwickeln.
Firmen können zeigen, dass sie Innovationspotenzial haben
Firmen, die in den Genuss von EU-Mitteln kommen wollen, müssen eine lange Prozedur über sich ergehen lassen. So wie die elf Konsortiumsmitglieder von Stella aus Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden. 160 Seiten hatte der Antrag auf Förderung am Ende. „Aber für das Geld, das man erhält, kann man auch mal ein paar Seiten schreiben“, sagt Thomas Löher vom Institut Packaging und Verbindungstechnologien an der TU Berlin, der an dem vierjährigen Stella-Projekt mitarbeitet.
In den Antrag gehören eine Menge Angaben. So müssen so genannte Meilensteine definiert werden, also Zeitpunkte, zu denen Arbeitsschritte fertiggestellt werden sollen. Das Know-how eines jeden Parners wird detailliert aufgelistet. Dazu kommen die Zielvorgaben für das fertige Produkt. Bei Stella musste beispielsweise festgelegt werden, wie dehnbar die Leiterplatten sein sollen – 300 Prozent.
Die Arbeit am Anfang kann sich für Firmen am Ende aber auszahlen. „Teil eines solchen Projekts zu sein, ist schon ein Wettbewerbsvorteil“, hat Löher festgestellt. Die Firmen könnten zeigen: „Wir machen nicht nur Allerweltskram, sondern haben echtes Innovationspotenzial.“
Eckhardt Behrendt vom Enterprise Europe Network (EEN), das Firmen bei ihrem Schritt auf den europäischen Markt unterstützt, betont die Chance für kleine und mittlere Unternehmen. „Als KMU kann man bis zu 75 Prozent der Projektmittel als nicht rückzahlbaren Zuschuss erhalten.“ Die EU vergibt von 2007 bis 2013 insgesamt 50 Milliarden Euro im siebten Forschungsrahmenprogramm.
Damit ein Förderantrag durchkommt, muss er wasserdicht geschrieben sein. Weil den KMU oft die Kapazitäten und das Wissen fehlen, empfiehlt Behrendt, sich zuerst als Partner anzubieten. Das geht am besten in der europäischen Projekt-Datenbank Cordis (http://cordis.europa.eu), in die man sich eintragen und auf Angebote warten kann – oder selbst aktiv werden, wenn man eine Idee hat.
Vermittlung von Kooperationen Beratung in Sachen EU-Förderung
Fünf regionale Beratungsstellen,
koordiniert von Berlin Partner
Leiter: Eckhard Behrendt
Adresse: Fasanenstraße 85,
10623 Berlin
Telefon: 030 / 39 98 02 78
Web: www.eu-service-bb.de
Ohne Netzwerk geht auf internationaler Bühne nichts. Auch Alpha Board-Geschäftsführer Gregor Groß weiß das. Die Schwierigkeit bei einem Netzwerk wie Cordis sei aber, dass die persönliche Beziehung fehle. „Vitamin B darf man nicht unterschätzen.“ Der Leiterplattenhersteller und -designer ist zwar in Cordis eingetragen. Bisher hat das aber noch nicht zu Kooperationen geführt. Die Chancen lassen sich erhöhen, indem man an Netzwerk-Events teilnimmt. Dort kann man potenzielle Partner kennen lernen. Das EEN informiert über solche Treffen.
Noch einfacher wird es Firmen in Gründerzentren gemacht. „Wir gucken für die: Wo gibt es ein Marktbedürfnis“, so Florian Seiff, Geschäftsführer der Innovationszentrum Berlin Management GmbH (IZBM), die in Berlin drei Gründerzentren betreibt. Die IZBM prüft die Angebote aus anderen Ländern auf ihre Ernsthaftigkeit. Aber Seiff warnt auch: „Das richtig große Geld wird für kleine Firmen normalerweise nicht gemacht.“
Bei Groß hat der Zufall zum Ziel geführt. Aus seiner Studienzeit kennt er einen australischen Professor. Zusammen mit einem Partner in Norwegen wollen sie eine Firma „down under“ gründen. Genaues will Groß noch nicht verraten. Die Meetings finden früh morgens oder spät abends über den Internettelefondienst Skype statt. „Die Zeitunterschiede sind drastisch“, so Groß. Dafür gibt es in einem anderen Punkt keine Probleme: „Wenigstens die Kulturunterschiede sind nicht so riesig.“ Deutsche und australische Mentalität passten gut zusammen.
Matthias Jekosch
Aus der Ausgabe 7/8 / 2009
