Wieder im Gespräch
|
Theater ums Theater: Außenansicht des geplanten neuen Kudamm-Karrees. Strittig ist, ob eine oder zwei Bühnen hineinkommen. Foto: promo |
So ist das halt mit der Aufmerksamkeit – sie verschiebt sich gerne einmal. Das mussten auch die Immobilienbesitzer am Kurfürstendamm erfahren, als nach der Wende vor allem Mitte mit den Premiumlagen Potsdamer Platz und Friedrichstraße zum Dienstleistungs- und Einkaufsstandort ausgebaut wurde. Die international bekannte Einkaufsmeile Kudamm geriet ein wenig in den Hintergrund.
„Jetzt gibt es eine gewisse Rückbesinnung auf die Region“, sagt Gottfried Kupsch, der im Vorstand der AG City sitzt, einer Interessenvertretung der City West, und eine Firma für Gewerbeimmobilien betreibt. Christian Roth, Leiter Investment bei Michael Schick Immobilien, bestätigt, dass eine Immobilie am Kudamm nach wie vor eine gute Investition ist. „Viele Mieter oder Käufer suchen gerade diese Adressqualität. Auch wir haben vor kurzem ein Büro am Kudamm bezogen.“
Die Besitzstruktur ist traditionell geblieben: Viel Streubesitz, eher wenige große Fonds, Morgan Stanley als Besitzer des Neuen Kranzler Ecks an der Ecke zur Joachimsthaler Straße einmal ausgenommen. „Größere Fonds können mit den eher kleinen Objekten nicht so viel anfangen“, sagt Kupsch. In der Tauentzienstraße seien die Fondsanteile schon wieder größer.
Doch auch der Kudamm hat ein paar Leuchtturmobjekte zu bieten, die wieder Aufmerksamkeit erregen. Das aktuellste Beispiel: Der Projektentwickler Freo investiert etwa 100 Millionen Euro in die Adresse Kurfürstendamm 195. Das Geld geht in einen achtstöckigen Neubau sowie in die Sanierung eines Altbaus. Neben alten Mietern wie dem bekannten Imbiss „Bier‘s Kudamm 195“ sollen laut Projektentwickler „hochwertige Geschäfte“, Büros und Wohnungen Platz finden.
Der Bezirk freut sich. „Damit verschwindet endlich die Brandwand vom Haus Cumberland“, sagte Bürgermeisterin Monika Thiemen. Das Haus Cumberland, bis 1993 Sitz der Berliner Oberfinanzdirektion und seit ihrem Auszug nur noch gelegentliche Kulisse für Filmdrehs, gehört seit 2006 der Orco-Gruppe. „Da ist grad Stillstand“, sagt Thiemen. Gep‑lant sind Boutiquen, Büros und Gastronomie.
Zwischen Bewegung und Stillstand wechselt ein weiteres Objekt ständig hin und her. Die irische Ballymore-Gruppe will das Kudamm-Karree für eine halbe Milliarde Euro umgestalten. Streit gibt es allerdings um die beiden bisherigen Bühnen. Ballymore will nur ein neues Theater im ersten Geschoss bauen, der Bezirk und die Bezirksverordnetenversammlung bestehen darauf, dass auch im neuen Kudamm-Karree beide Bühnen Platz finden. Der Investor fordert einen städtebaulichen Vertrag mit dem Bezirk bis September. Die Gespräche laufen.
Und auch über den Kudamm wird wieder gesprochen. Die zwischenzeitliche Konzentration auf Mitte war richtig, findet Kupsch. „Sonst wäre Berlin heute mit Sicherheit nicht so weit.“ Jetzt gilt es für die Immobilienbranche am Kudamm, mit der neuen Konkurrenz umzugehen. „Die Attraktivität ist ungebrochen, aber man muss etwas tun“, sagt Kupsch.
Matthias Jekosch
Aus der Ausgabe 9 / 2009

