Chance für die 2. Generation
Die Freiflächen lassen Raum für neue Architekturansätze
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Das Kulturforum bei Nacht. Das Areal zwischen Matthäuskirche und Philharmonie soll laut »Planwerk Innenstadt« durch neue Bauten ergänzt werden. Foto: Kulturforum |
Manchmal muss man die Stimme heben, wenn sich in Berlin etwas bewegen soll. „Man kann in dieser Stadt nichts mit einer piepsigen Stimme sagen“, findet der Architekt Walther Stepp. Das hat auch Kulturstaatssekretär André Schmitz gezeigt, als er im August polterte: „Die Stadt muss endlich die architektonische Gestaltung des Kulturforums angehen.“ Schmitz entfachte damit erneut eine Debatte um die Bebauung der Fläche zwischen Matthäuskirche und Philharmonie.
Wer sich die Pläne anschaut, die nach der Wende im Berliner Senat entwickelt wurden, der sieht: In der Hauptstadt gibt es noch einiges zu bauen – und damit auch viele Aufträge zu holen. „Aber es gibt keine Kraft, die etwas anstößt“, kritisiert Stepp.
Einer, der etwas angestoßen hat, war Hans Stimmann. Auf den Senatsbaudirektor a.D. gehen die Masterpläne für die Bebauung der Berliner City zurück. Unter dem Leitbegriff „Planwerk Innenstadt“ hatte der Senat 1999 eine verbindliche Bauleitplanung für die historische Mitte Berlins beschlossen, von der City West bis zum Alexanderplatz. Mittendrin das Kulturforum. Geplant sind hier der Abriss der „Rampe“ vor der Gemäldegalerie, der Bau eines Eingangsgebäudes vor der Philharmonie und die Errichtung von privaten Kunstgalerien neben der Matthäuskirche.
Masterplan - Das „Planwerk Innenstadt“ stammt aus dem Jahr 1999
Mit den Grundsätzen dieser Planung kann sich auch Regula Lüscher anfreunden, Baudirektorin nach Stimmann. Die Umsetzung der Bauvorhaben erwartet sie allerdings „frühestens um das Jahr 2020 herum“. Auf dem Immobilienmarkt ließen sich derzeit nicht die Preise erzielen, über die man mit Verkäufen von Grundstücken alle Baumaßnahmen finanzieren wolle.
Im Osten der Stadt könnte sich laut „Planwerk“ der Petriplatz zum neuen Betätigungsfeld für Architekten, Handwerker und Ingenieure entwickeln. Auf dem Platz in der Nähe der Gertraudenbrücke graben Archäologen derzeit die ältesten Relikte der Stadtgeschichte aus. Lüscher will eine Möglichkeit finden, die Historie für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen – beispielsweise durch „archäologische Fenster“.
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Stimmanns Planungsansatz war die „Kritische Rekonstruktion“. Berlin sollte sich an den Vorgaben der historischen, europäischen Stadt orientieren. Das bedeutet: Die Traufhöhe der Häuser sollte sich auf 22,5 Meter beschränken, mit Blockrandbebauung und einer gemischten Nutzungsstruktur. Stimmann drückte dem Nachwende-Berlin damit seinen Stempel auf. „Am Baustil hat sich durch den Abgang von Hans Stimmann nichts geändert“, sagt Philipp Meuser von Meuser Architekten. Dafür sei aber der Planungsstil ein anderer. „Die Öffentlichkeit in Berlin ist eher eine starke Hand gewohnt. Frau Lüscher setzt eher auf basisdemokratische Entscheidungen.“
Auch Meuser bewertet den neuen Stil kritisch. Allerdings sieht er Chancen für Lüscher und die Bau- und Architekturszene in Berlin, eigene, neue Akzente zu setzen. „Die Nachnutzung von Tempelhof und Tegel wird die große Aufgabe der Zukunft.“ Auch die Innenstadtareale, unter Stimmann zu einem großen Teil von den Wunden des Krieges und der Teilung befreit, weisen nach wie vor Lücken auf. „Da kann man noch punktuell etwas bauen.“
Matthias Jekosch
Aus der Ausgabe 10 / 2009
