Currywurst von Borchardt
Die O2-Arena steht kurz vor der Eröffnung.
An dem 165-Millionen-Euro-Projekt
verdienen viele Berliner Firmen mit
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O2-World: Die Sitze der fast fertigen Halle sind noch mit Folie überzogen. Foto: Mike Wolff |
TKH ist nur eine Berliner Firma, die von dem riesigen Entertainment- Tempel profitiert, den die Anschutz Entertainment Group (AEG) nahe an das Spreeufer gestellt hat. Bis zu 17 000 Gäste passen in die 165 Millionen Euro teure Halle, die zur neuen Spielstätte der Berliner Eisbären werden soll. Auch mit den Basketballern von Alba ist die AEG im Gespräch. Dazu kommen Konzerte und Shows. In den ersten drei Jahren sollen 300 Veranstaltungen stattfinden.
Etwa 500 Leute sind jetzt noch täglich auf der Baustelle. Moritz Hillebrand, Sprecher der AEG, weiß selbst nicht, wie viele davon aus Berlin kommen. Der Generalunternehmer beauftragt Nachunternehmer und die weitere Subunternehmen. Ein verwirrendes Geflecht. „Aber es wird viel deutsch gesprochen auf der Baustelle“, versichert Hillebrand. Und darunter ist auch oft der Berliner Dialekt.
Übersichtlicher wird es bei den Firmen, die vom laufenden Betrieb profitieren werden. „Da wird live gekocht“, sagt Hillebrand und zeigt in die Mitte eines halbfertigen Raumes. Kabel hängen von der Decke, weiße Fliesen sind nur zur Hälfte verlegt. Über alles hat sich eine dünne Schicht Baustaub gelegt. „Und dort kommt die Theke hin“, sagt er mit einem Fingerschwenk in die andere Richtung. Hillebrand ist mitten in der VIP-Lounge der Arena. Essen und Trinken kommen von Borchardt Catering und zwar nicht nur für die kräftig zahlenden Gäste, die in den 59 Logen Platz nehmen können. Auch Currywurst und Bier in den Zuschauerrängen werden von dem Berliner Unternehmen verkauft. Etwa 230 neue Leute sucht die Firma deswegen, vom Barkeeper bis zum Koch.
Die großen Arbeitgeber in der Arena sind der Entsorger Alba, die Sicherheitsfirma B.E.S.T und AEG als Verkäufer der Tickets. Bei vollem Betrieb werden 1400 Leute pro Veranstaltung gebraucht. Künstler wie Elton John oder die Band Coldplay sind so gut nachgefragt, dass sie sich schon auf die Anstellungen auswirken. „Im Ticketverkauf bekommen wir gefühlt täglich einen Angestellten mehr“, sagt Hillebrand. Über zu wenig Arbeitswillige braucht er sich nicht zu beklagen.
Ein Mittwoch im Juni vor der Arbeitsagentur Mitte in der Friedrichstraße: 5000 Leute drängeln sich vor dem Eingang. Auf der Jobbörse für die Arena wollen sie eine Stelle ergattern. „Wenn die Halle Erfolg hat, bedeutet das eine neue Beständigkeit am Arbeitsmarkt“, sagt Ramona Schröder von der Arbeitsagentur Mitte. Ganz Berlin werde von der Halle profitieren, sagt IHK-Sprecher Holger Lunau, Die AEG als internationaler Eventvermarkter sei in der Lage, die Halle zu füllen. Und mit jedem auswärtigen Gast, der nach Berlin reist, kommt Kaufkraft in die Stadt. Von etwa 180 Euro pro Tag und Gast geht man bei der IHK aus.
Davon will auch das Neuköllner Estrel profitieren, der Hotelpartner der O2-Arena. Vor allem die direkt beauftragten Firmen können sich freuen. So Currywurst von Borchardt ging es beispielsweise schon der Berliner Niederlassung des Architekturbüros JSK, das nach Vorlagen der amerikanischen Kollegen von HOK, für die Ausführung zuständig war. „Der Auftrag hat sicherlich geholfen“, sagt Gunter Bürk von JSK in Berlin. Indirekt im Zusammenhang stünden weitere Großaufträge wie etwa der Bau eines Stadions in Libyen oder von gleich drei Stadien in Warschau.
Das Interesse am Geschäft mit der Halle ist deshalb auch bei anderen groß: Filmfirmen etwa standen Schlange, um eine Dokumentation der Bauarbeiten zu drehen. Die Aufträge sind nun zunächst vergeben. Doch in einem zweiten Schwung gibt es wieder Chancen für die Berliner Wirtschaft: Anschutz will auf 52 0000 Quadratmetern die Umgebung der O2- World zu einem neuen Stadtquartier entwickeln. Noch gibt sich Hillebrand bedeckt: „Wir wollen erst mal die Halle fertig stellen“, sagt er. Hinter den Kulissen wird über neue Nutzungskonzepte geredet: Freizeit, Sport, Büros und Einzelhandelsflächen kommen in Betracht. Was auch kommt, es soll hochwertig sein, sagt Hillebrand. „Wir wollen da keine Würstchenbudenmeile hinbauen.“ Matthias Jekosch
Aus der Ausgabe 6/2008
