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Ins Effizienzhaus Plus in der Charlottenburger Fasanenstraße 87 a zieht im März eine vierköpfige Familie ein. Foto: promo |
Die großen Bücherregale stehen noch leer, und der Fußboden hat noch keinen Kratzer abbekommen. Das Effizienzhaus Plus in Charlotten-
burg ist bis März unbewohnt. Dann zieht eine Familie in den Bau mit dunklen Außenwänden ein. 15 Monate lang sollen die vier Familien-
mitglieder dort wohnen und testen, ob die Kombination von Energie-
erzeugung und Mobilität ein wohn-
liches Zuhause bietet. Denn das Effizienzhaus Plus ist das erste Haus, das diese beiden Bereiche kombiniert.
Smart Living heißt das Konzept, in dem einzelne Geräte und verschie-
dene Sektoren zusammengefasst werden. So lässt sich etwa zusätzlicher Komfort mit energiesparenden Maßnahmen und mehr Sicherheit verbinden. Wer per Smartphone über offen stehende Fenster informiert wird, kann einerseits Strom sparen, indem er dann die Heizung abstellt, und andererseits im Urlaub sicher sein, dass sein Haus keine Einbrecher einlädt.
19,8 Millionen deutsche Haushalte interessieren sich
für Smart living
Das Konzept „intelligentes Wohnen“ ist Erfolg versprechend. Einer Studie von Capgemini Consulting zufolge interessieren sich 66 Prozent der deutschen Haushalte mit Internetanschluss, das sind 19,8 Millionen, für Smart Living.
Die Interessenten seien hauptsächlich jüngere Menschen in Mehrpersonen-
haushalten mit höherem Haushaltsnettoeinkommen und Bildungsgrad. Sie stellen dabei vor allem energieeffiziente Lösungen in den Vordergrund.
Geschäftsstelle: Petersburger Straße 94 | 10247 Berlin
Mitglieder: 80
Telefon: 030 | 60 98 61 28
Web: www.smarthome-deutschland.de
Noch leiden die beteiligten Firmen an Anfangsschwierigkeiten. Die verschiedenen Branchen müssen schneller zueinander finden, ihre Geschäftsmodelle anpassen und ein gemeinsames Verständnis von Smart Living entwickeln, so die Studie. Auch müsse die Frage geklärt werden, ob es zwischen den Fachbereichen vermittelnde Anbieter braucht. Um die Vernetzung voranzutreiben, hat sich vor drei Jahren der Verein „Smart Home Deutschland“ gegründet. „Wir haben Mitglieder aus allen Teilbereichen des intelligenten Wohnens, von denjenigen, die in der Forschung, Entwicklung und Produktion der einzelnen Komponenten tätig sind, bis zu denen, die dann die Technik beim Kunden einbauen“, sagt Günther Ohland, Vorsitzender des Vereins, der sich als Ansprechpartner für interessierte Kunden und als Kommunikationsplattform für Betriebe versteht. „Wir bewahren etwa Firmen davor, Geld auszugeben, um etwas zu entwickeln, das es schon gibt“, so Ohland. Auch im Interesse der Kunden will der Verein die interdisziplinären Ansätze weiter fördern. „Es gibt zwar eine starke Nachfrage für Smart-Home-Anwendungen, aber die Kunden wissen nicht, an wen sie sich wenden können“, sagt Ohland.
In der Fasanenstraße 87 a ist die Zusammenarbeit diverser Fachbereiche am Konzept der Universität Stuttgart mit dem Büro Werner Stock umgesetzt worden. Die durch eine Photovoltaikanlage aufgenommene Energie wird für die Geräte und die Wärmeerzeugung verwendet. Überschüssige Energie wird in einer Pufferbatterie gespeichert oder dem städtischen Stromnetz zugespeist. Außerdem wird ein Elektroauto mit der produzierten Energie betrieben. Die Einstellungen im Haus sind von der Lüftung an der Decke über die Lichtschalter bis zur Fußbodenheizung über ein System steuerbar. Im Haus befinden sich zwei Touchscreens, außerdem kann die Anwendung auf einem Smartphone installiert und so bedient werden. „Der Bewohner kann beispielsweise auf seinem Handy eintippen, dass er in einer halben Stunde zu Hause ist, und von der Arbeit seine Heizung schon auf eine höhere Stufe stellen“, sagt Dieter Blome von der Energieagentur Zebau, die das Haus vorstellt.
Der Markt wird sich zügig entwickeln, schätzen Blome und Ohland. Denn die betroffenen Betriebe arbeiteten immer besser zusammen, intelligentes Wohnen würde bekannter und gleichzeitig billiger. Das wachsende Interesse zeigt sich auch am Charlottenburger Haus: Seit Mitte Dezember sind schon 5500 Menschen gekommen, um sich das Einfamilienhaus anzusehen. Und im Potsdamer Holländischen Viertel geht Smart Living jetzt in Serie: Im Neubauprojekt Leibl 22 werden die Bewohner die Technik des Hauses von einem iPad aus steuern können.
Katharina Kühn
redaktion@berlin-maximal.de
Aus der Ausgabe 3 / 2012
