Ohne einen Cent

Ideenklau beim Bau

Immer mehr Auftraggeber holen Angebote ein und verwenden die mitgeschickten Pläne anderweitig. Ohne dafür einen Cent zu bezahlen.
Aufgepasst: Wenn der Auftraggeber einen Leistungskatalog ohne Angabe des Planers verschickt, ist der Plan vielleicht gestohlen. Foto:PROMO
Wer kennt das nicht: Man bewirbt sich auf eine Ausschreibung, schreibt ein Angebot, opfert viele Stunden Zeit, wenn nicht sogar Tage oder Wochen – und am Ende war alles umsonst, weil ein Konkurrent den Auftrag erhält. Das ist ärgerlich. Gehört aber zum Geschäft.

Es gibt aber auch Bauherren, die wollen den ausgeschriebenen Auftrag überhaupt nicht vergeben. Sie lassen sich von Architekten oder Bauingenieuren ein Angebot erstellen, inklusive Bauplan. Nach dieser Anleitung lassen sie dann eine billigere Firma bauen. Und bezahlen keinen Cent für die planerische Leistung. Das ist nicht einfach ärgerlich. Das ist dreist. Und es passiert immer häufiger.

Bauingenieur Florian Höfs glaubt, dass schon jeder dritte private Bauherr so vorgeht. Beweise hat er dafür allerdings nicht, denn selten agieren die Bauherren so dreist wie in diesem Fall: Höfs Firma, die Tesche Baugesellschaft, sollte ein Angebot für die Sanierung eines Hauses machen. Die Ingenieure sind zur Baustelle gefahren, haben alles vermessen. Dann haben sie tagelang gerechnet und einen Leistungskatalog erstellt. „Wir listen jeden einzelnen Arbeitschritt und alle nötigen Materialangaben auf“, sagt Höfs. Nur so seien die Preisangaben für den Kunden transparent.

Von diesem Kunden allerdings hörten sie nichts mehr. Sie hatten den Auftrag längst aufgegeben, als ein Jahr später eine neue Hausverwaltung eine Ausschreibung für eben dieses Sanierungsobjekt an mehrere Baufirmen verschickte. Die Auschreibung, die einen detaillierten Leistungskatalog enthielt, ging auch an die Tesche Baugesellschaft. „Das war unser Leistungskatalog, Wort für Wort“, sagt Höfs. „Die hatten nur die Preise rausgenommen und unseren Briefkopf.“

Wolf Burkhard Wenkel:
„Am Ende kriegt dann der Billigste den Auftrag"


„Das ist leider ein bekanntes Übel“, sagt Wolf Burkhard Wenkel, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau: „Am Ende kriegt dann der Billigste den Auftrag, nicht der, der sich die ganze Arbeit gemacht hat.“ Die Baufirmen könnten das Problem vermeiden, in dem sie für ihre Angebote schon vorab Geld verlangten, entsprechend der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Doch angesichts der angespannten Marktlage würden zu viele Planer ihre planerischen Vorleistungen einfach kostenlos anbieten, so Wenkel. Das hat auch Florian Höfs erfahren. Kunden, die er noch nicht kennt, schickt er manchmal nur ein Preisangebot. Den Leistungskatalog können sie in seiner Firma einsehen oder aber käuflich erwerben.

„Davon machen aber nur wenige Gebrauch“, so Höfs. Zwar seien technische Zeichnungen oft nicht durch das Urheberrecht geschützt, sagt Reinhard Nierer, Fachanwalt für Baurecht von der Kanzlei Luther Nierer. Aufwendige Planungen könne man aber schützen, indem man eine Geheimhaltungsklausel in das Angebot mit hineinschreibe, die verbietet, den Inhalt an Dritte weiterzugeben. Allerdings ist es schwer zu beweisen, dass ein Konkurrent nach dem eigenen Plan gebaut hat. Vor allem aber trauten sich die Geschädigten sich oft nicht, gegen potenzielle Kunden vor Gericht zu ziehen.

Michael Schrobsdorff hat geklagt – und gewonnen. Im Fall der Schrobsdorff Bau AG war die Beweislage eindeutig. „Wenn Sie Ihr eigenes Angebot auf einem anderen Briefpapier zugeschickt bekommen – das ist schon dreist“, sagt der Unternehmer. Angst, dass er mit seiner Klage andere Auftraggeber abschrecken könnte, hatte Schrobsdorff, der unter anderem das Familienministerium und das Schloss Bellevue zu seinen Kunden zählt, nicht. „Sie haben es in einem solchen Fall mit einem unehrlichen Bauherren zu tun – mit denen wollen wir gar nicht zusammenarbeiten.“

Miriam Schröder

Tesche Baugesellschaft
Geschäftsführer:
Florian Höfs, Marcus Höfs
Adresse: Gottlieb-Dunkel-Str. 48, 12099 Berlin
Mitarbeiter: 9
Telefon:
030 / 70 18 99 43
Web: www.tesche-baugesellschaft-berlin.de

Aus der Ausgabe 7/2008
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