Schöner verkaufen

Homestager setzen Räume gekonnt in Szene, so dass sie hochwertiger erscheinen. Das steigert den Kaufpreis der Immobilie
Pflanzen rein, Möbel raus: So lässt sich die Wohnung teurer verkaufen.
Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Das junge Ehepaar aus Berlin ist Feuer und Flamme: Endlich ein Eigenheim, Platz für die Kinder, ein Garten für den Hund. Jedes Wochenende fahren sie raus nach Brandenburg und schauen zu, wie das Haus langsam Form annimmt. Aber da ist ja noch die Eigentumswohnung im Prenzlauer Berg, die sie natürlich so schnell wie möglich verkaufen wollen.
Aber sie möchten einen guten Preis erzielen, denn das Geld können sie jetzt gut brauchen. Ein Fall, wie er tagtäglich vorkommen kann.

Und ein Fall für: Britta Möglin und Judith Daumann, Homestagerinnen aus Berlin — was übersetzt in etwa „Haus-in-Szene-Setzerinnen“ heißt: Sie möbeln Wohnungen auf, so dass sie wertiger erscheinen und einen höheren Kaufpreis einbringen. Homestager begreifen ein Haus, das zum Verkauf steht, als eine Bühne, die der Käufer später betreten wird. Wie bei einem Bühnenbild muss das Bild den Zuschauer ansprechen.

In den USA ist Homestaging schon vor 30 Jahren entstanden und gehört heute zum Standard: Wer verkauft, „staged“ sein Haus vorher. Auch in Deutschland haben sich inzwischen Homestager niedergelassen, in Hamburg mehrere, in Berlin bisher nur Möglin und Daumann. Das liege daran, dass der Immobilienmarkt in der Hauptstadt „eher flau“ sei, so Daumann.
Außerdem hätten die Deutschen eine „Selbermacher“-Mentalität. In den USA nehme man viel eher Dienstleistungen in Anspruch: „Bei uns haben ja schon Immobilien-Makler einen anrüchigen Ruf.“

In den USA ist allerdings auch die Fluktuation der Immobilien weitaus höher, nicht erst seit der jüngsten Immobilienkrise. Trotzdem haben Möglin und Daumann gut zu tun. Die meisten Aufträge bekommen sie über Makler, mit denen sie kooperieren. Bevor Wohnungen zum Verkauf ausgeschrieben werden, rücken die Einrichtungsprofis Möglin und Daumann zur Begutachtung an. Dann geben sie den Besitzern eine Checkliste mit konkreten Vorschlägen, was noch getan werden muss.

Damit der Käufer, wenn er denn irgendwann in der Tür steht, ausruft: „Mensch, ist das schön hier. Die nehm ich.“ „Wen das Auge nicht überzeugen kann, überredet auch der Mund nicht.“ Diese Sentenz von Franz Grillparzer ist der Wahlspruch der beiden Berlinerinnen. „Das sind Bauchentscheidungen“, sagt Daumann, die selbst jahrelang als Maklerin gearbeitet hat: „Ein Käufer kommt rein und entscheidet sich.“

Bevor es soweit ist, muss der Verkäufer den Geldbeutel zücken. Derzeit kostet die Beratung für eine 150 Quadratmeter große Wohnung 500 Euro. Klingt nach viel, „aber die Investition lohnt sich“, versichert Möglin. Wer seine Wohnung von einem Homestager aufmöbeln lasse, finde schneller einen Käufer und könne mit einem bis zu 15 Prozent höheren Kaufpreis rechnen.

Aber worin besteht das Geheimnis der Homestager? Das, was die Bewohner eines Hauses als Alltag und gemütlich empfinden, wirkt auf einen potentiellen Käufer oft „muftig“, wie es die Homestagerinnen ausdrücken. Auf ihrer Checkliste steht deshalb ganz groß: Entrümpeln. „Man muss den Blick auf den Boden und auf die Fenster freigeben, damit ein Außenstehender die Räumlichkeiten erfassen kann“, sagt Daumann. Das kann dann schon mal heißen, dass Tische und Stühle rausmüssen — und die Homestagerinnen dafür andere aufstellen, die sie von Möbelverleihern erhalten.

Möglin und Daumann geben nämlich nicht nur Ratschläge — sie packen auch selber an. „Wir modeln die Räume für den breiten Geschmack um“, sagt Diplom-Designerin Möglin. Den Bewohnern selbst fehle dafür meist das objektive Auge. „Entpersonalisierung“ nennen das die Homestager und meinen damit auch, zu viele Familienfotos von den Wänden zu nehmen.

Denn je mehr intime Einblicke in das Leben des früheren Bewohners, desto schwieriger ist es für den Käufer, sich vorzustellen, dass er selbst einmal hier leben kann. Weil die Leute meist keine Zeit haben, streichen die Homestagerinnen auch Wände, räumen Möbel ein und hängen Gardinen auf. Dieser Service kostet jedoch extra.

Für größere Angelegenheiten kooperieren die beiden mit Malern, Tapezierern, Elektrikern und Gärtnern. Es gehe ihnen dabei nicht darum, Mängel zu vertuschen, versichern die beiden. Der Erfolg des Homestagings kommt daher, dass davon alle profitieren: Der Hausbesitzer, der Makler, der Homestager, der Möbelvermieter und die Handwerker. Nur der Käufer zahlt wohl mehr, als er für eine nicht „gestagete“ Immobilie gezahlt hätte. Moritz Gathmann

Homestaging Berlin
Geschäftsführer:
Judith Daumann,
Britta Möglin
Adresse: Gieselerstr. 22,
10713 Berlin
Mitarbeiter: keine
Telefon: 0163 / 7 34 59 15
Web: www.homestaging-berlin.com


Aus der Ausgabe 4 / 2008
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