Archäologischer Fund

Überraschung im Erdreich

Archäologische Arbeiten und Denkmalpflege liefern glänzende Referenzen für Baufirmen. Viel Geld verdient man damit selten
Archäologischer Fund in Peru: Halten die Figuren Kultgegenstände oder Waffen? Foto: promo

Was für ein Fund! Berliner Archäologen haben im Rahmen des Forschungsprojektes „Proyecto Arqueologico Sechin Bajo Casma“ in Peru dieses Jahr ein Relief entdeckt, das es in sich hat. Es zeigt menschliche Figuren, die in ihren Händen religiöse oder mytologische Insignien halten. Es könnten auch Waffen sein. Die Schöpfer des Reliefs haben die Figuren aus einer Lehmputzschicht herausgearbeitet. Die Qualität der Ausführung zeigt ausgeprägtes bildhauerisches Können. Aber besonders bemerkenswert an den Reliefs ist ihr Alter: Sie sind 3600 bis 3800 Jahre alt und gehören damit zu den frühesten Zeugnissen einer Hochkultur im Andenraum. Über den spektakulären archäologischen Fund freuen sich nicht nur das Archäologenteam der Freien Universität um Peter Fuchs und die Geoinformatiker der TU. Auch zwei Berliner Unternehmen waren an den Arbeiten beteiligt: Die Firma Restaurierung am  Oberbaum und das Büro für Geophysik Lorenz. Sie sind Beispiele für Berliner Firmen, die sich im Bereich Archäologie und Denkmalschutz einen guten Ruf erarbeitet haben. Das Geschäft mit der Pflege historischer Bauten erfordert nicht nur besondere Fachkenntnisse sondern auch viel Geduld bei der Auftragsakquise.


Man verbringt mehr Zeit mit Papierkram als mit der eigentlichen Arbeit

Die meisten Aufträge für die Berliner finden sich nicht in so fernen Ländern wie Peru, sie schlummern in heimischer Erde. „Ich staune immer wieder, wie viel wir im Berliner Boden entdecken“, sagt Bernhard Lorenz vom gleichnamigen Büro für Geophysik. Er freut sich immer über interessante archäologische Projekte als Abwechselung zu den sonstigen Baustellen oder Mülldeponien. Sein  Büro hat vor einigen Jahren die archäologischen Strukturen entdeckt, die derzeit auf dem Petriplatz ausgegraben werden. Neben den Überresten eines Dominikanerklosters aus dem 13. Jahrhundert wurden dort rund 2000 Skelette gefunden.
Dabei setzt Lorenz verschiedene (elektro-)magnetische oder geoelektrische Techniken ein, die eine zerstörungsfreie Untergrund-erkundung ermöglichen. In Peru kam Georadar zum Einsatz, die hochauflösendste geophysikalische Methode. „Vereinfacht gesagt senden wir einen elektromagnetischen Impuls in den Boden und berechnen aus den zurückkommenden Signalen ein Bild“, beschreibt Lorenz die Technik. Ein aufwendiges Verfahren, für genaue Erkundungen werden zehntausende Messpunkte benötigt. Wenn dann noch komplizierte Einfuhrprozeduren für die benötigte Technik hinzukommen, wie bei dem Ausgrabungsprojekt in Peru, übersteigt der Aufwand schnell den Ertrag. Denn um jeden öffentlichen Auftrag gibt es harten Wettbewerb – das drückt die Preise.
„Dafür weiß ich, dass am Ende die Rechnung bezahlt wird“, sagt Christiane Mergner, geschäftsführende Gesellschafterin von Berlin-Glas. Das sei in der Baubranche nicht immer garantiert. In der Referenzliste von Berlin-Glas finden sich Aufträge wie die Sanierung der Glasfenster der St. Georgen Kirche in Frankfurt/Oder,  der Herz-Jesu-Kirche in Zehlendorf sowie die Restaurierung der Leuchter am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow. „Einer unserer größten denkmalpflegerischen Aufträge waren die Fenster im neogotischen Stil im märkischen Museum in Mitte“, sagt Mergner. Auch beim Neuen Museum auf der Museumsinsel, einem der größten Restaurationsprojekte der vergangenen Jahre, hat sie einen kleinen Auftrag ergattert.
Wegen des intensiven Wettbewerbs sei Berlin ein „Haifischbecken“ für Denkmalpfleger, sagt Mergner. „Nach der Wiedervereinigung wurde viel saniert, es gibt nicht mehr so viele Gebäude, die komplett überholt werden müssen.“ Für jeden Auftrag gebe es viele Bewerber.

Daher ist es für die meisten Betriebe überlebenswichtig, sich auch einen privaten Kundenkreis aufzubauen. Manche Restauratoren arbeiten nur noch für private Auftraggeber. „Ich bewerbe mich eigentlich gar nicht mehr für öffentliche Aufträge“, sagt etwa die Möbelrestauratorin Anne Pfefferkorn. „Der bürokratische Aufwand ist so groß, dass ich mehr Zeit mit Papierkram verbringe als mit der eigentlichen Arbeit.“

Alexander Visser


Firmeninfo

Büro für Geophysik Lorenz
Geschäftsführer: Bernhard Lorenz
Adresse: Kochstraße 60/61, 10969 Berlin
Umsatz: k.A.
Mitarbeiter: 2
Telefon: 030 / 251 79 01
Web: www.geophysik-lorenz.de


Aus der Ausgabe 8 / 2008

Zurück