Rummelsburger Bucht

Schöner Wohnen im Knast

Lassen sich Gefängnisbauten als Wohnhäuser vermarkten? Investoren an der Rummelsburger Bucht ist es offenbar gelungen
Aus alt mach neu: In die Backsteinbauten aus dem 19. Jahrhundert ziehen viele Familien, am Turm entstehen kleinere Ladengeschäfte. Foto: promo
Ein Standort mit Widersprüchen: Im Westen der Siedlung Berlin Campus liegt die Rummelsburger Bucht mit schöner Promenade entlang des begrünten Seeufers, weiter südlich dampft das Kohlekraftwerk Klingenberg. Hinzu kommt die wechselvolle Geschichte des Standorts: Die roten Backsteinbauten aus dem 19. Jahrhundert wurden vom renommierten Stadtbaurat Hermann Blankenstein großzügig geplant. Doch das als Besserungsanstalt gebaute Ensemble wurde zu DDR-Zeiten als Gefängnis genutzt. Kann das ein familienfreundlicher Standort werden: Schöner Wohnen im Knast?

Mit so einem Ansturm der Mieter habe selbst ich nicht gerechnet

Dirk Germandi, der als Sprecher des Vorstands der Profi-Partner AG für den Vertrieb der Objekte verantwortlich ist, kann die Frage nicht mehr hören. „Kein Anleger hat es gestört, dass die Gebäude auch mal als Gefängnis genutzt wurden“, sagt er. Schon im vergangenen September seien alle 144 Wohnungen verkauft gewesen, überwiegend an deutsche Anleger, die von Denkmalabschreibungen profitieren. Auch seitens der Mieter sei die Nachfrage nach den aufwändig sanierten Wohnungen hoch, die ersten Bauabschnitte seien bereits vermietet. „Wir werden hier keinen Leerstand haben“, sagt Germandi.

Firmeninfos
| Profi Partner AG |
Vorstand: D. Germandi, A. Schütz
Adresse: Hausvogteiplatz 10, 10117 Berlin
Telefon: 030 / 32 77 66-0
Web: www.profi-partner.de

Maruhn Immobilien GmbH & Co KG
Geschäftsführer: Detlef Maruhn
Adresse: Nürnbergerstr. 45, 10789 Berlin
Umsatz: 15 Mio. Euro
Mitarbeiter: 10
Telefon: 030 / 422 01 20
Web: www.berlin-campus.com

Tatsächlich ist auf dem Berlin Campus schon Leben eingekehrt. Während Bauarbeiter noch die Wege zwischen den Einzelgebäuden pflastern, sind einige Balkone bereits mit Blumenkästen verziert. Von der Uferpromenade aus kann man in Wohnzimmer blicken, die die neuen Bewohner gerade einrichten. Und die im ehemaligen Waschhaus geplante Kita, die im Frühjahr eröffnen soll, ist bereits ausgebucht.

Ein Grund für den Erfolg dürfte die Nachbarschaft sein: Das Gebiet rund um die Rummelsburger Bucht war früher städtisches Entwicklungsgebiet und hat sich auch nach der Privatisierung 2004 gut entwickelt. In modernen Reihen- und Miethäusern haben sich viele Familien niedergelassen, annähernd 5000 Menschen dürften heute hier wohnen. „Dass sich ein Investor für das Berlin Campus Areal gefunden hat, ist für uns ein Glücksfall“, sagt Ottfried Franke, Sprecher der Interessengemeinschaft Rummelsburger Bucht.

Der für Stadtentwicklung zuständige Lichtenberger Bezirksstadtrat Andreas Geisel präsentiert Berlin Campus gerne als Prestigeobjekt. Die Vorgeschichte war nicht einfach: „Es gab hier viele Ideen, die sich alle zerschlagen haben, wie die Ansiedlung Berliner Gerichte im sogenannten Gerichtsgarten“, erinnert sich Geisel. Er freut sich auch über die schnelle Fertigstellung: Erst im September 2006 hatte die Maruhn Immobilien Gruppe die Gebäude übernommen. Insgesamt 40 Millionen Euro haben Maruhn und Germandi hier investiert, inklusive einiger Neubauten.

Angesprochen auf den nicht  ganz einfachen Standort sagt Detlef Maruhn, Chef von Maruhn Immobilien: „Wir haben viel Erfahrung mit historischer Bausubstanz. Aber mit  so einen Ansturm der Mieter habe selbst ich nicht gerechnet.“

Alexander Visser


aus Ausgabe 9/2008 
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