Der doppelte Momper
|
Kontakte: Momper mit Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) Foto: Kai-Uwe Heinrich |
Wir sind eine schlagkräftige kleine Firma“, wirbt die Momper Projektentwicklungs GmbH für sich selbst. Man kümmert sich von der Grundstücksbeschaffung bis zur Baugenehmigung um alles. Das Unternehmen verwaltet nebenbei Häuser. So weit, so normal. Ungewöhnlich ist aber, dass der Geschäftsführer Walter Momper seit 2001 auch Präsident des Abgeordnetenhauses ist.
1989/90 wurde der SPD-Politiker als „Mann mit dem roten Schal“ berühmt. Er war damals, als die Mauer fiel, Berlins Regierender Bürgermeister. Nach der Niederlage bei den ersten Gesamtberliner Wahlen blieb Momper nur noch ein Parlamentsmandat und der SPD-Landesvorsitz. Dann wechselte er überraschend in die Immobilienbranche. Damit stieß Momper selbst in der eigenen Partei auf Unverständnis. Kaum war er Generalbevollmächtigter des Bauunternehmers Ellinghaus, verlor er den Parteivorsitz. Bis heute begleitet Momper – der sich 1993 selbstständig machte – der Vorwurf, Politik und Beruf nicht sorgfältig auseinander zu halten. Zumal er auch im Wirtschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses und im SPD-Arbeitskreis „Wirtschaft“ sitzt.
Projektentwicklung ist ein schwieriges und komplexes Geschäft
In jedem Fall führt Mompers Doppelfunktion dazu, dass seine Projekte öffentlich und kritisch begleitet werden. Etwa in Potsdam, wo am ehemaligen Stadthafen ein Einkaufszentrum, Stadtvillen und eine Seniorenresidenz gebaut werden sollen. Mompers Firma legte 1995 die ersten Pläne vor, Hauptinvestor ist die Krause Bauträger-Holding aus Bayreuth. Der Volksmund spricht längst vom „Momper-Center“. Das Vorhaben gehört zu den umstrittensten Projekten in Potsdam, aber Momper blieb gegenüber Behörden, kritischen Architekten und Stadtplanern beharrlich. Mit einem späten Teilerfolg. Ende 2008 wurde der Vertrag für einen Senioren-Wohnpark der Johanniter-Unfallhilfe unterschrieben.
Andere Projekte schlugen fehl. Gegenüber dem Sportforum Hohenschönhausen wollte Momper, ebenfalls für den bayerischen Investor Harry Krause, die „Alte Schokoladenfabrik“ sanieren. Dort waren Supermärkte, ein Hotel, Seniorenwohnungen und Reihenhäuser geplant. Im Wahlkampf 2006 warb der SPD-Bezirkspolitiker Rainer Wiebusch öffentlich damit, „dass sich Walter Momper der Sache angenommen hat“. Im Oktober 2008 sollte der Bau beginnen, aber Krause stieg aus. Es gab Streit mit dem Bezirk über die Größe der Verkaufsflächen.
Projektentwicklungs GmbH |
Adresse: Axel-Springer-Str. 54 A,
10117 Berlin
Mitarbeiter: 2
Telefon: 030 / 20 62 36 98
Web:
www.momper-projektentwicklung.de
In Lichtenberg bemühte sich Momper 2006 um den Neubau des Kulturhauses Karlshorst, wieder im Auftrag Krauses. Man kam beim bezirklichen Interessenbekundungsverfahren aber nicht in die engere Auswahl. In Treptow-Köpenick geriet Mompers Projektentwicklungs GmbH in die Kritik, weil aus dem lange geplanten Bau eines Einzelhandelszentrums in Alt-Glienicke bisher nichts wurde. Ungern erinnert sich Momper an den Streit um den Spreepark. Der französische Freizeitbetreiber Grévin wollte ihn 2003 engagieren. Es ging um den Ausbau des Geländes zu einem Berliner Tivoli. „Das war ein Riesentheater“, erinnert sich Momper, „obwohl ich gar nicht aktiv geworden bin.“ Damals warfen die Grünen „diesem alten West-Berliner Insulaner“ vor, seine politischen Kontakte zu missbrauchen. Auch Parteifreunde forderten Momper auf, von dem Investor Abstand zu nehmen. Die Pläne zerschlugen sich dann aus anderen Gründen.
Für den schwedischen Möbelkonzern Ikea, der seit den neunziger Jahren plante, in Schöneberg und Lichtenberg Filialen zu bauen und den Standort Spandau zu erweitern, legte sich Momper erfolgreicher ins Geschirr. Ende 2000 warf der Spiegel dem Projektentwickler sogar vor, beim Ex-Bausenator Peter Strieder (SPD) persönlich für die Ikea-Investition an der Landsberger Allee geworben zu haben. Momper wies dies zurück. Ikea verschob im Sommer 2008 den Baubeginn aus Kostengründen.
Projektentwicklung, sagt Momper dazu, sei nun mal ein schwieriges, komplexes Geschäft. Von hundert Plänen führe am Ende einer zum Grundstückskauf. „Ich zähle auch nicht zu den Großen der Branche.“ Wer glaube, „dass ich ins Rathaus gehe und die Stadträte stehen vor mir stramm und fragen: Welche Baugenehmigung hätten Sie denn gern, der liegt falsch“. Kein Beamter wolle sich dem Vorwurf aussetzen, „mir einen Gefallen zu tun“. Aber selbst ein wichtiger SPD-Politiker, der ihn gut kennt, sagt: „Der Walter verquickt leider beide Funktionen extrem.“
Wie auch immer: 2011 wird der Parlamentspräsident mit 66 Jahren in den politischen Ruhestand gehen. Wie lange er in der Baubranche bleibt, lässt er offen: „Solange ich kann und es den Menschen ernährt, mache ich weiter. Es ist ja eine interessante Arbeit.“
Ulrich Zawatka-Gerlach
Aus der Ausgabe 3 / 2009
