Ein Schiff wird kommen

Die Entwicklung auf dem Rundfunkgelände an der Nalepastraße geht weiter: Die Reederei Riedel will dort ihren Heimathafen errichten
Neuer Nachbar? Das Rundfunkgebäude an der Nalepastraße
Foto: Kitty Kleist-Heinrich



Lutz Freise kann zufrieden sein. „Wir befinden uns in einer guten Entwicklung“, sagt der Geschäftsführer der Reederei Riedel. Erst im Herbst hat sie die Flotte um ein 14. Schiff erweitert. „Wir sehen weiterhin eine gute Perspektive für den Berlin-Tourismus.“ Deswegen plant er den neuen Heimathafen jetzt da, wo Platz ist – am liebsten an der Nalepastraße.
Die Hände kann sich deswegen vielleicht auch Nico Thiele reiben. Seiner Firma Spreedevelopment GmbH gehört ein Wassergrundstück an der Nalepastraße. Thiele? Nalepastraße? Da war doch was.

Stimmt. Nico Thiele ist der Sohn von Frank Thiele. Der hatte im Herbst 2005 das Grundstück des ehemaligen DDR-Rundfunks für 350 000 Euro von der Liegenschaftsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Limsa) gekauft. Eigentümer waren das Land Berlin und die neuen Bundesländer. Der tatsächliche Wert wurde auf über 20 Millionen Euro geschätzt. Die Berliner Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf. Der Verdacht: Betrug und Untreue zum Schaden der Länder. Thiele machte ein gutes Geschäft: Er unterteilte das Gelände in drei Abschnitte. Den ersten verkaufte er im Herbst 2006 an den israelischen Investor Albert Ben-David für 3,4 Millionen Euro. Einen Abschnitt erhielt Sohn Nico. Und der befindet sich derzeit in Verhandlungen mit Riedel.
„Derzeit interessieren wir uns ernsthaft für ein Grundstück an der Nalepastraße“, bestätigt Freise auf Nachfrage. Es handelt sich dabei um die Fläche westlich des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensembles des ehemaligen Rundfunks der DDR, das Ben-David erworben hat. Derzeit befinden sich hier ein Logistikunternehmen und der Funkpark.

„Hier soll unser neuer Heimathafen und Unternehmensstandort entstehen“, so Freise. Am derzeitigen Standort am Landwehrkanal gibt es Probleme. So rechnet Freise damit, dass sich das Sanierungsverfahren am Landwehrkanal über zehn Jahre hinziehen wird - und erhebliche Beeinträchtigungen mit sich bringt. Schon jetzt können die Schiffe nur zwischen sieben und neun Uhr morgens ihren Liegeplatz in Richtung Spree verlassen. Nach neun Uhr darf nur noch in eine Richtung gefahren werden. „Die Nalepastraße könnten wir Tag und Nacht anfahren und dem Unternehmen die notwendige Flexibilität für die Flottenlogistik gewähren“, sagt Freise. Alle Unternehmensbereiche sollen an einem Ort gebündelt werden. Werkstatt und Warenlogistik sind derzeit etwa getrennt von den Ankerplätzen.

Firmeninfo
| Reederei Riedel |
Die Reederei sucht Schiffsführer, Matrosen, Koch und Kellner

Geschäftsführer: Lutz Freise,
Stefan Freise
Adresse: Planufer 78,
10967 Berlin
Umsatz: k.A.
Mitarbeiter: bis zu 130
Telefon: 030 / 693 46 46
Web: www.reederei-riedel.de

Allerdings ist der Deal noch keineswegs perfekt. Zum einen haben beide Parteien noch nichts unterschrieben. Zum anderen steht hinter dem Vorhaben schon deswegen ein großes Fragezeichen, weil das Gelände kontaminiert ist. Schuld ist ein Tanklager, das am Standort bis in die 70er Jahre betrieben wurde. Deswegen lässt Riedel derzeit Sondierungsbohrungen durchführen, um die Kosten für die Beseitigung kalkulieren zu können. Riedel würde von vielen Seiten willkommen geheißen. „Das ist eine gute Ergänzung für den Standort“, heißt es aus der Wirtschaftsförderung Treptow-Köpenick. Ebenso stoße man bei der Umweltabteilung des Senates auf Unterstützung, die Altlast zu entsorgen, so Freise. Auch mit den Nachbarn im Funkhaus könnte das Vorhaben Synergien bringen, ist er überzeugt. „Die Anbindung ans Wasser würde sich deutlich verbessern.“

Dazu passt, dass auch die Firma Keshet von Investor Ben-David und andere Anlieger in einer Interessengemeinschaft für eine Verbesserung der Verkehrsanbindung eintreten. „Wir verfolgen eine Revitalisierungsidee“, sagt Susanne Graef von der Keshet. Die Räume des Rundfunks werden derzeit von 130 Bands genutzt. Das Aufnahmestudio ist nach wie vor eines der besten in Deutschland. Internationale Musiker wie A-ha, Sting und die Black Eyed Peas haben hier ihre Alben aufgenommen. Die Insel der glückseligen Musiker soll langsam aber zu einem Ort für die Öffentlichkeit werden. Ben-David plant eine „Music Factory“, in der musikorientierte Nutzungen unterkommen sollen, wie Werkstätten, Shops und Gastronomie. Wirtschaftssenator Harald Wolf und Baudirektorin Regula Lüscher waren bereits da, um zu sehen, was an der Nalepastraße passiert.

Für das positive Image musste die Keshet kämpfen. „Wir haben ein Jahr intensive Pressearbeit gemacht, um zu signalisieren, dass wir mit dem Verkauf durch die Limsa nichts zu tun hatten“, erzählt Graef. Auch Freise befürchtete zunächst keine gute Publicitiy aufgrund der langen Vorgeschichte. Jetzt aber ist er überzeugt von dem Grundstück und einer positiven Signalwirkung. „Wir wollen es ordentlich entwickeln und Altlasten auf unsere Kosten abbauen.“

Matthias Jekosch


Aus der Ausgabe 4 / 2009

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