Auslagern und einsparen
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Unkomplizierter Zugang: Ein Kunde in den Räumen einer Selfstorage-Firma Foto: Mike Wolff |
Während einer Renovierung müssen Möbel zwischengelagert werden, selten benötigte Messestände und Prospekte blockieren teuren Büroplatz – die Gründe, weshalb Unternehmen Stauraum benötigen, sind vielfältig. Als klassische Lagermöglichkeit werden Container mit einem Volumen von etwa 70 Kubikmetern angeboten. Was aber tun, wenn schon fünf Kubikmeter ausreichend wären?
Selfstorage – zu Deutsch „Selbsteinlagerung“ – könnte die Lösung sein. „MyPlace-SelfStorage“, laut Auskunft des Verbandes Deutscher Selfstorage-Unternehmen Marktführer, betreibt 34 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Berlin eröffnete der Anbieter in Zehlendorf kürzlich die sechste Anlage.
Dort können bis zu 50 Quadratmeter große Abteile gemietet werden. „Die kleinste Einheit ist ein Quadratmeter, da passen aufeinandergestapelt 16 Umzugskartons rein. Dafür zahlt man für einen Monat etwa 30 Euro“, sagt Pressesprecher Jörg Röthlingshöfer. Je größer die Fläche und je länger die Laufzeit, umso günstiger der Preis. Die Lagerräume können für einen beliebigen Zeitraum ab zwei Wochen gemietet werden und sind wöchentlich kündbar. Mit einem Sicherheitscode kommt der Kunde auf das Gelände und kann dann mit einem eigenen Schlüssel sein Hab und Gut sieben Tage die Woche von sechs bis 22 Uhr einlagern oder wieder mitnehmen. Die Abteile sind trocken und frostsicher. Nicht eingelagert werden dürfen Lebensmittel, Lebewesen, Sondermüll und leicht entzündliche Materialien.
Das Unternehmen sucht Kundenberater und Storage-Manager
Geschäftsführer: Martin Gerhardus
und Heinrich Hoyos
Adresse: Landsbergerstraße 366,
80687 München
Umsatz: k. A.
Mitarbeiter: 95
Telefon: 089 / 66 56 24 20
Web: www.myplace.de
„Von Gewerbetreibenden und Firmen werden die Abteile zum Beispiel zum Verwahren von Akten während der gesetzlichen Aufbewahrungspflicht genutzt“, sagt Röthlingshöfer. Handelsvertreter könnten Warenmuster übersichtlich verstauen, Antiquitätenhändler mit kleinen teuren Läden in der Innenstadt nutzten die Abteile als Lager. Zu den Kunden gehören auch Ebay-Powerseller, die kurzfristig Ware ersteigern und diese dann aus dem Abteil heraus verkaufen. Das Motiv sei bei allen Kunden ähnlich: Teure Quadratmeter in den eigenen Büros, Praxen oder Läden sparen.
Die ersten Selbstlagerungs-Unternehmen entstanden in den siebziger Jahren in den USA. Hierzulande kam der erste Anbieter 2002 auf den Markt. Bundesweit gibt es nach Angaben des Branchenverbandes neun Selbstlagerungsunternehmen, die 64 Hallen betreiben. Verbands-Geschäftsführer Martin Brunkhorst erläutert, was Selfstorage von der Einlagerung in Containern unterscheidet. „In unseren Mitgliedsunternehmen kommt man sieben Tage die Woche selbstständig an seinen Lagerraum heran. Sie können hineinstellen und herausnehmen, was Sie wollen, und müssen diese Gegenstände nicht in einer Liste aufführen, wie dies bei Speditionen üblich ist.“ Rechtlich werde der Lagerraum wie die eigene Wohnung behandelt: Niemand anderes als der Mieter dürfe dort hineinschauen oder den Inhalt kontrollieren.
Bei Speditionen kann man nicht zu seiner Box gehen, sondern muss sich anmelden
Speditionen böten zwar auch Lagerraum an, aber für sie sei dies nur ein Nebenangebot. „Da werden die Sachen in großen Hallen gelagert, in denen auch LKW-Betrieb ist“, sagt Brunkhorst. „Da kann man nicht einfach zu seiner Box gehen, sondern muss sich vorher anmelden und jemand begleitet einen dorthin.“
Ein weiterer Vorteil: Der Kunde zahlt nur so viel Lagerraum, wie er benötigt. Die Lagerung in Containern ist zwar pro Quadratmeter preiswerter, aber dafür muss meist der gesamte Container gemietet werden. Besserer Schutz der Güter spreche ebenfalls für Selfstorage: „Container werden meist unter freiem Himmel in so genannten Containerdörfern gestapelt“, sagt Brunkhorst. „Da erreichen die Temperaturen im Sommer leicht über 30 Grad, im Winter wird es bis minus 20 Grad kalt.“ Kondenswasser oder Raureif könnten daher Bücher oder Holzmöbel zerstören.
Selfstorage sei vor allem für Menschen interessant, die den Stauraum nur für einige Wochen brauchten oder regelmäßig an die gelagerten Gegenstände herankommen müssten, sagt Dierk Hochgesang, Geschäftsführer des Bundesverbands Möbelspedition und Logistik. Für alle anderen sei die Einlagerung in Containern meist günstiger. „Wer über längere Zeit einlagert, der ist mit dieser klassischen Form besser beraten“, so Hochgesang.
Egal, ob Selfstorage-Box oder Container: Bei der Suche nach dem richtigen Lagerplatz lohne ein Preisvergleich, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Oft sei der Raum sogar bei ein und demselben Anbieter in verschiedenen Stadtteilen unterschiedlich teuer. Die Internetseite www.lagerraum-anbieter.de erleichtert die Suche nach einem geeigneten Unternehmen in der Nähe.
Annette Leyssner
Aus der Ausgabe 11 / 2009

