Die Stadt um den Terminal

Rund um den Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) entstehen große Gewerbeparks. Investoren und Baufirmen sind gefragt
Kranpark: Noch ist Schönefeld Europas größte Flughafenbaustelle. Foto: dpa

Die Vermarktung der Gewerbegebiete um den Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) läuft auf Hochtouren. Auf dem Areal und im Umfeld entstehen vier Gewerbeparks mit einem Investitionsvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro.

Die Ersten waren schon da, als um den Standort für den Hauptstadt-Airport noch gerungen wurde. Während MTU Aero Engines 1991 in Ludwigsfelde einen DDR-Luftfahrtbetrieb übernahm, baute Rolls-Royce 1992 eine Forschungs- und Produktionsstätte für Flugzeugtriebwerke in Dahlewitz. Gegenwärtig entsteht hier das Mechanical Test Operations Center des weltweit tätigen Konzerns, in dem ab 2010 Ingenieure und Techniker Komponenten-Antriebe testen werden. Bei MTU Maintenance Berlin-Brandenburg werden Flugzeugtriebwerke und Industriegasturbinen gewartet. Vor Kurzem ist die Endmontage für 768 Turbinen für das Militär-Transportflugzeug Airbus A400M angelaufen, dessen Erstflug vor Ende 2009 erfolgen soll.

Piloten und Ingenieure für Luftfahrttechnik werden nahe des BBI geschult

Die Ansiedlung der beiden Giganten hat Firmen und Forschungseinrichtungen der Luft- und Raumfahrtbranche angezogen. So ist 2003 in Wildau das Zentrum für Luft- und Raumfahrt Schönefelder Kreuz entstanden. Nebenan werden an der Technischen Hochschule Wildau Ingenieure der Fachrichtung Luftfahrttechnik/Luftfahrtlogistik ausgebildet. Am Flughafen Schönefeld selbst befindet sich eine Wartungsbasis der Lufthansa Technik und Lufthansa Bombardier Aviation Services, in der Businessjets überholt werden. Nahe des Airports werden im ehemaligen Ausbildungszentrum der Interflug Piloten geschult.

Fakten
| Flughafen BBI |

Fläche: 1 470 Hektar

Baukosten: 2,2 Milliarden Euro plus Kosten für Infrastruktur und Drittinvestitionen

Fertigstellung: voraussichtlich Oktober 2011

Kapazität: in der Startphase 25 Millionen Passagiere pro Jahr

Web: www.berlin-airport.de

Mit der Entscheidung zum Bau des BBI wurde die Gemeinde Schönefeld zur Boomtown. Seit 1990 hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Die Hälfte des Gemeindegrundes sei bebaut oder beplant, sagt Bürgermeister Udo Haase. So wird gerade das Holiday Inn Berlin-Schönefeld Airport zum Holiday Inn Berlin International Airport ausgebaut. Im Juni 2010 will das Vier-Sterne-Hotel eröffnen. Mehr als 20 Millionen Euro hat der Projektentwickler IVG in den Bau eines Drei-Sterne-Hotels nahe dem Terminal in Schönefeld investiert. Das Haus soll im März 2010 eröffnen.

Die irischen Bulberry Properties Ltd. und die Münchner Investa Projektentwicklungs GmbH haben Flächen nahe der Autobahnausfahrt Schönefeld-Nord gekauft. Dort sollen ab 2010 der Airportpark Berlin-Brandenburg mit Büros, Hotels und Konferenzeinrichtungen, Labor-, Service- und Produktionsflächen für Hightech-Produkte entstehen.

Rund 500 Meter vom Flughafenzubringer entfernt entsteht östlich des BBI der Gatelands Businesspark. Hier sind Gebäude für flughafenaffine Unternehmen, Büros und ein Hotel geplant.

Am zum Bezirk Treptow-Köpenick zählenden Nordostrand des künftigen BBI laufen die Erschließungsarbeiten für den BBI Business Park Berlin. Hier hat der britische Investor Segro gut ein Drittel des einstigen BBI-Baufeldes Ost übernommen. Noch 2009 soll mit den ersten Hochbauten begonnen werden, so Stefan Bohm, Letting Officer der Berliner Segro-Niederlassung. Rund 20 000 Quadratmeter Hallen- und Bürofläche will das Unternehmen errichten, um Kunden 2010 fertige Räumlichkeiten bieten zu können. Geplant sind auch ein Logistikcenter und Büros, die nach Mieterwunsch konzipiert werden.

300 Firmen aus Berlin und Umland haben am BBI bereits Aufträge erhalten

Im August dieses Jahres sind die Ausschreibungen für drei Großprojekte auf dem Flughafengelände erfolgt. Dort sollen ein Vier-Sterne-Hotel sowie ein Büro- und Dienstleistungszentrum entstehen. Gesucht werden auch Investoren für den Bau einer Frachthalle. Insgesamt stehen für die BBI Airport City 16 Hektar für ein Dienstleistungszentrum zur Verfügung. Investoren werden Baufelder in variablen Größen zur Verfügung gestellt.

Um dem Boom gerecht zu werden, hat die IHK Cottbus das bisher auf den Flughafenbau beschränkte Unternehmerlieferantenverzeichnis für private Investoren nutzbar gemacht Es listet rund 400 Firmen aus Berlin und Brandenburg auf, die als fachkundig, leistungsfähig und zuverlässig eingestuft wurden. Knapp 300 von ihnen haben bei Vergaben für den BBI bislang Aufträge im Gesamtvolumen von fast einer Milliarde Euro erhalten.

Doch nicht nur das direkte Flughafenumfeld profitiert vom BBI. Das Gebiet, in dem eine verstärkte Nachfrage von Investoren verzeichnet wird, erstreckt sich laut René Gurka, Geschäftsführer der Hauptstadt-Wirtschaftsförderungsgesellschaft BerlinPartner, vom Berliner Ring über den Technologiepark Adlershof und das Mediaspree-Gebiet bis zum Hauptbahnhof.

Rainer W. During


Aus der Ausgabe 12 / 2009

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