Mit dem Strom schwimmen

Elektromobilität im Alltag braucht mehr als gute Akkus. An der künftigen Entwicklung könnten sich auch Unternehmer beteiligen
Zukunftsmodell E-Auto: Gerade für Berliner Dienstleister könnten Firmenwagen mit Elektroantrieb demnächst interessant sein. Vorausgesetzt, der Preis stimmt. Foto: Daimler AG/promo

Was für die Bundesregierung Zukunftsmusik ist, hat Rolf Bauer schon längst wahr gemacht: Elektromobilität im Alltag. Wenn der Berliner Kabarettist und Tonstudiobetreiber über seinen neuen E-Smart spricht, steht er genauso unter Strom wie sein Auto. „Es ist leise, sauber, schneller im Antrieb und fährt sich spritziger als ein herkömmliches.“

Am meisten freut ihn jedoch, „dass ich an der Tankstelle mittlerweile nur noch mein Bier kaufen muss“. Statt an die Zapfsäule hängt der 71-Jährige sein Auto abends an die Rasenmähersteckdose. Nach sieben Stunden sind die Akkus voll, rund 145 Kilometer schafft er damit. Bauer nimmt an der Erprobungsstudie „e-mobility Berlin“ von Daimler und RWE teil. Zum Wagen gab es ein Rundum-sorglos-Paket – Strom, Wartung, Ersatzteile, alles inklusive – das allerdings 700 Euro monatlich kostet. Wenn alles gut läuft, soll der E-Smart 2012 in Serienproduktion gehen. Was der umweltfreundliche Stadtflitzer dann kosten soll, steht zumindest offiziell noch in den Sternen.

Vermutlich wird es aber auch dann ein teurer Fahrspaß für Privatleute und Unternehmer. Hauptkostenfaktor: die Batterie. Nicht erst seit dem Elektromobilitätsgipfel im Mai ist deshalb klar, dass moderne und bezahlbare Lithium-Ionen-Batterien für alltagstaugliche Elektroautos nötig sind. Der erste deutsche Hersteller einer serienfähigen Batterie der neuen Generation ist die Li-Tec Battery GmbH in Sachsen. 2011 will die Evonik-Tochter damit in Serie gehen.

Von der E-Auto-Massenproduktion ist man trotzdem weit entfernt, meint Wolfgang Glaunsinger, Geschäftsführer der Energietechnischen Gesellschaft im Elektrotechnikverband VDE. „Auf Dauer ist es keine Lösung, bei einem Fahrzeug mit Standardkarosserie den Verbrennungsmotor gegen einen Elektroantrieb auszutauschen.“ Die aktuelle VDE-Studie „Elektrofahrzeuge“ stellt deshalb unter anderem klar, dass der Forschungs- und Entwicklungsbedarf im gesamten Energiemanagement steckt. „Wir brauchen zum Beispiel leichtere, wärmedämmende Karosserien und effiziente Heiz- und Klimasysteme.“

Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos in Deutschland fahren

Forscher und Entwickler in acht deutschen Modellregionen arbeiten deshalb an neuen Systemen und Konzepten, damit der Regierungstraum in Erfüllung gehen kann, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen. Bis 2012 müssen Ergebnisse vorliegen. Trotzdem wird das E-Auto wohl eine Kurzstrecken-Alternative bleiben, sagt Glaunsinger. Die Autohersteller arbeiten deshalb weiter an Hybridkonzepten mit dem langfristigen Ziel, Verbrennungsmotoren vollständig gegen Brennstoffzellen auszutauschen.

Dass E-Autos erschwinglicher werden, dazu könnten auch Berliner Unternehmen in Zukunft beitragen. Gerade sie sollten vorausgehen, meint Glaunsinger, „und Piloten sein, die neue Entwicklungen ausprobieren.“ Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland e.V. sieht das genauso. „Gerade Objektverwalter, Pflege- oder Sicherheitsdienste könnten ihren Fuhrpark mit E-Autos bestücken oder spezielle Carsharing-Angebote nutzen.“ Dazu müsse die Regierung aber Kaufanreize schaffen, etwa Steuerermäßigungen oder Investitionszuschüsse.

Carsten Leuschel von der Messenger Transport + Logistik GmbH könnte sich das vorstellen. „Wir haben bereits Firmenfahrräder mit Elektroantrieb angeschafft, und wenn ein gutes Angebot von einem Autohersteller kommt, würden wir auch darüber nachdenken.

Tina-Marlu Kramhöller


Aus der Ausgabe 6 / 2010

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