Drehkreuz im Fokus

Die angeschlagene Air Berlin spart überall – aber nicht am neuen Flughafen BER. Von diesem Vorgehen lässt sich auch der Konkurrent Lufthansa beeindrucken
Fest im Blick: Air Berlin macht den neuen Flughafen zum Mittelpunkt.
Foto: Mike Wolff
Das wird eine Party. Während manche Airline ihren Gästen zur Eröffnung des neuen Großflughafens BER am 3. Juni 2012 ein Glas Sekt in einer zugigen Wartehalle ausschenken muss, lädt Air Berlin in die eigene rot-weiße Lounge. Von dort kann man direkt aufs Flugfeld blicken: 1000 Quadratmeter, 200 bequeme Sitze, die später den Vielflieger-Gästen vorbehalten sein sollen. Dort ist Platz und Stil genug, um klar zu machen: Hier in Berlin sind wir die Nummer Eins.

25 Millionen Euro investiert die eigentlich klamme Fluggesellschaft in den neuen Flughafen, der ihr als wichtiges weltweites Drehkreuz dienen soll. Was Air Berlin derzeit schon in Tegel erprobt, soll in Schönefeld perfektioniert werden: In dann sechs Wellen mit je bis zu 27 Landungen täglich sollen Maschinen einfliegen. Der Flugplan ist so getaktet, dass möglichst viele Passagiere spätestens mit der nächsten Abflugwelle weiterfliegen können. Keine andere Airline baut in Berlin so ein Drehkreuz auf – auch Europas Marktführer Lufthansa nicht.

Dass sich Air Berlin in Berlin so stark engagiert, ist nicht so selbstverständlich, wie man denken könnte. Als der neue Chef Hartmut Mehdorn noch der Deutschen Bahn vorstand, war er Klaus Wowereit in inniger Abneigung verbunden. Er drohte ihm sogar öffentlich mit der Verlegung der Bahn-Zentrale nach Hamburg. Vor wenigen Wochen aber nutzte Mehdorn seinen ersten öffentlichen Auftritt als Air-Berlin-Chef, um seinen Frieden mit der Hauptstadt und ihrem Regierenden Bürgermeister zu machen.

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Mehdorn und Wowereit besuchten gemeinsam die BER-Baustelle. Dort wurde klar: Der eine kann nicht ohne den anderen. Mit 1400 Starts und Landungen pro Woche und sieben Millionen Fluggästen im Jahr – zehn Mal so vielen wie vor zehn Jahren – ist die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft schon heute für ein Drittel des Passagieraufkommens in Tegel und Schönefeld verantwortlich. Damit ist Air Berlin mit Abstand die Nummer Eins vor Lufthansa und Easyjet. 70 Ziele weltweit können Berliner dank Air Berlin ohne Zwischenstopp erreichen. Und am neuen Flughafen werden es noch mehr – auch weil Air Berlin mit seinen künftigen Partnern aus der Luftfahrtallianz One World gemeinsam Flüge anbieten kann. Betriebswirtschaftlich war es mal wieder kein leichtes Jahr für Air Berlin. Schulden aus der Wachstumsära unter Joachim Hunold lasten heute auf dem Unternehmen, das allein in Berlin fast 2700 Mitarbeiter beschäftigt.

Geriete Air Berlin noch tiefer in wirtschaftliche Schwierigkeiten, drohte gar eine Pleite, würde BER vom ersten Tag ins Minus rutschen: Eine Horrorvorstellung, nicht nur bei Flughafengesellschaft und Senat. Air Berlin braucht aber auch Berlin. Zum einen profitiert die Gesellschaft von der seit Jahren steigenden Beliebtheit der Stadt bei Touristen – innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Hotelübernachtungen verdoppelt. Im Einzugsgebiet des Flughafens leben zum anderen aber auch genügend Menschen, die Flugreisen unternehmen. Gut 21 Millionen lokal ansässige Passagiere fliegen jährlich von Berlin aus ab. Die Airline wird drei Ticketschalter in der Haupthalle plus einen für die One-World-Partner betreiben, dazu zwei Check-In-Inseln mit insgesamt 24 Schaltern.

Manager des großen Konkurrenten Lufthansa hatten dieses Engagement lange belächelt. Doch das ist nun vorbei: Auf einer Pressekonferenz kündigte der Konzern im November an, in Berlin überproportional wachsen und rund 60 Millionen Euro investieren zu wollen. Vom neuen Hauptstadtflughafen aus sollen künftig 30 neue Ziele angeflogen werden.
  
Kevin P. Hoffmann
redaktion@berlin-maximal.de


Aus der Ausgabe 12 / 1 / 1012 
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