Gemeinsam sind wir groß
Zulieferer der Luftfahrtindustrie in der
Region haben jetzt ein Konsortium gegründet,
um besser an Aufträge zu kommen
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Möglicher Auftraggeber: Triebwerkshersteller MTU in Ludwigsfelde Foto: dpa |
„Die Luftfahrtindustrie in der Region Berlin-Brandenburg, braucht qualifizierte Zulieferer“, sagt Ferdinand Exler, Vorstandschef der neuen BBAT. „Das technologische Know-How ist vorhanden, aber viele Firmen in der Region sind zu klein, um Aufträge der Industrie zu stemmen. Schon den großen Aufwand für die notwendigen Zertifizierungen in der Branche können sich viele Firmen nicht leisten.“
Ziel des neuen Unternehmens sei es, die technologischen und unternehmerischen Kompetenzen der Gründer so zu bündeln, dass ein leistungsfähiges und global wettbewerbsfähiges Zulieferunternehmen für die Luftfahrtindustrie entstehe. Dabei haben die Gründer insbesondere die großen Triebwerkshersteller der Region im Auge, etwa MTU in Ludwigsfelde oder Rolls Royce in Dahlewitz. Interesse hätten aber auch ausländische Firmen aus Kanada, Großbritannien, Russland und Polen bekundet, heißt es.
Wie gut vernetzt die neue Firma in der Branche ist, zeigt ein Blick in die Führungsetage. BBAT-Vorstand Ferdinand Exler war jahrelang in leitender Funktion für MTU in Hannover tätig. Der Aufsichtsratsvorsitzende Günter Albrecht, heute Gastprofessor für Triebwerksdesign an der BTU Cottbus, hat sowohl für MTU wie auch für Rolls Royce gearbeitet. Mit Michael Kern ist der Geschäftsführer von Rolls Royce Deutschland im Aufsichtsrat vertreten.
Sitz des Unternehmens ist im Luft- und Raumfahrt-Zentrum Schönefelder Kreuz in Wildau, nahe dem künftigen Flughafen BBI. Sieben bis acht Millionen Euro wollen die Partner kurzfristig investieren, mittelfristig 20 Millionen Euro. Die BBAT ist offen für weitere Partnerfirmen. Die Grundlagen für den Zusammenschluss wurden in den vergangenen dreieinhalb Jahren in der Netzwerkinitiative Triebwerkstechnik der Berlin Brandenburg Aerospace Allianz (BBAA) erarbeitet. BBAA-Präsident Andreas Kaden betont, dass es in Deutschland nicht üblich sei, dass sich so viele selbstständige Unternehmen zusammenschlössen. „Dass es trotzdem gelungen ist, ist eine kleine Sensation“, sagt Kaden.
Um technologisch an der Spitze zu bleiben setzt die BBAT nicht nur auf das Know-How ihrer Mitgliedsfirmen, sondern auch auf eine intensive Zusammenarbeit mit regionalen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. 15 davon sind bereits in die Netzwerkinitiative Triebwerkstechnik einbezogen. Darunter sind das Institut für Luft- und Raumfahrt der TU Berlin oder der Lehrstuhl Ver- Gemeinsam sind wir groß brennungskraftmaschinen und Flugantriebe der BTU Cottbus. Über die Herstellung des ersten Produkts verhandelt die BBAT bereits mit Rolls Royce. „Es geht um Triebwerksgehäuse“, sagt Heiko Dittmer, Geschäftsführer der Berliner KST Kraftwerks- und Spezialteile GmbH, einer der Gründerfirmen. Aufgrund der steigenden Nachfrage für Business Jets sei der Bedarf vorhanden. Ein weiteres Projekt sei die Entwicklung einer Testumgebung einer stationären Gasturbine, berichtet Heiko Dittmer.
Jetzt sucht das Unternehmen händeringend Mitarbeiter. Bis Jahresende sollen 30 Stellen besetzt werden, mittelfristig werden 50 Mitarbeiter benötigt, langfristig ist ein Ausbau auf deutlich über 100 Mitarbeiter geplant. Die Personalsuche gestaltet sich aber schwierig. „Der Fachkräftemangel macht uns ganz schön zu schaffen“, sagt Dittmer. Gesucht werden nämlich Fachkräfte, an denen es überall mangelt: Ingenieure für die Arbeitsplanung und Techniker für CNC-Fräsmaschinen. „Zum Glück sind zwei unserer Gründerfirmen Personaldienstleister, die uns bei der Stellenbesetzung helfen können“, sagt Dittmer.
Alexander Visser
Aus der Ausgabe 6/2008

